Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Tui Deutschland will 450 Stellen streichen
Hannover Meine Stadt Hannover: Tui Deutschland will 450 Stellen streichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 30.06.2019
Eine Weltmarke: Der hannoversche Touristikkonzern will bis Ende 2021 bis zu 450 Stellen abbauen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannnover

Stellenabbau bei Tui Deutschland: Der Reiseveranstalter, der Teil des Tui-Konzerns ist, will bis Ende 2021 bis zu 450 Stellen abbauen. Der Umbau solle „sozialverträglich und mit Augenmaß“ geschehen, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung an die Belegschaft, die der Neuen Presse vorliegt. Die Beschäftigten waren Donnerstag Vormittag in einer sogenannten „Aktuellen Halben Stunde“ informiert worden. Am Nachmittag bestätigte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak die Pläne zum Jobabbau.

Hintergrund für den Stellenabbau sei die „Veränderungsdynamik des Marktes“, erklärte er. Durch die Digitalisierung und Automatisierung von internen und externen Prozessen werde man künftig immer weniger Personal brauchen. So ist beispielsweise die Reklamationsbearbeitung bei Flügen schon heute fast vollständig automatisiert. Auch künftig werde man den Vertrieb und Verkauf weiter automatisieren, immer weniger Tätigkeiten müssten dann von Menschen erledigt werden.

Anzeige

Bis Ende 2021 soll die Mannschaft von Tui Deutschland um rund 450 Mitarbeiter reduziert werden, am stärksten betroffen sein wird der Standort Hannover. Aktuell hat Tui Deutschland bundesweit rund 4000 Beschäftigte. In Hannover hat der Tui-Konzern insgesamt 4300 Mitarbeiter – neben Angestellten der Tui Deutschland sind auch die Beschäftigten anderer Tui-Töchter (z.B. Robinson) und der AG vor Ort angesiedelt.

Welche Bereiche der Tui Deutschland besonders betroffen sind, könne er noch nicht sagen, erklärte Andryszak. Man habe sich dazu entschieden, die Belegschaft möglichst schnell zu informieren, genauere Pläne liegen noch nicht vor, die werde man im Lauf der kommenden Monate entwickeln. Man wolle die Maßnahmen „sehr sozialverträglich und möglichst auf freiwilliger Basis“ durchführen. Neben Altersteilzeit und Frühverrentung sei auch ein Abfindungsprogramm geplant. „Wir möchten mit allen Mitarbeitern indiviuelle Lösungen finden, die für beide Seiten in Ordnung sind“, sagte der Tui-Deutschland-Chef. Wie hoch das Einsparpotenzial des Personalabbaus ist, wollte Andryszak nicht verraten. Es gehe aber nicht darum, das Finanzergebnis zu verbessern, sondern grundsätzlich die Struktur der Mannschaft zu verändern und dem künftigen Bedarf anzupassen. Aktuelle Entwicklungen – wie etwa die finanzielle Belastung durch das Boeing-Flugverbot oder das veränderte Buchungsverhalten – hätten nichts mit den Plänen zu tun. „Das ist eine grundsätzliche Neuausrichtung, keine kurzfristige Maßnahme“, sagte Andryszak.

Michael Pönipp, Betriebsratschef bei Tui Deutschland, erklärte, man werde nun in den kommenden acht bis zwölf Wochen mit dem Arbeitgeber darüber sprechen, wie genau der Stellenabbau abgewickelt werden soll und welche Instrumente man dafür einsetzen werde. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das Ziel erreichen“, so Pönipp. Die Arbeitnehmerseite sei zuversichtlich, dass man einen gemeinsamen Weg finden werde. Durch die fortschreitende Automatisierung von Prozessen, die Tui bereits seit Jahren vorantreibe, sei absehbar gewesen, dass der Veranstalter weniger Personal benötigen werde. Er hoffe, dass die freiwilligen Abfindungsangebote des Unternehmens so attraktiv seien, dass sie genug Arbeitnehmer ansprechen. „Der Betriebsrat wird sich dafür einsetzen, dass Kündigungen vermieden werden“, sagte Pönipp.

Von INKEN HÄGERMANN