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Meine Stadt Trockenheit macht Tannenbäume teurer
Hannover Meine Stadt Trockenheit macht Tannenbäume teurer
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16:41 25.11.2018
DIE FOLGEN DER DÜRRE: Rainer Backhaus steht auf seiner Plantage zwischen völlig vertrockneten Tannenbäumen. Bei Neupflanzungen muss er mit einem Ausfall von 70 bis 80 Prozent leben. Quelle: Dröse
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Gilten

Die extreme Trockenheit in diesem Sommer wirkt nach – und die Folgen werden sogar noch an Weihnachten spürbar sein. Die wochenlange Dürre und Rekordtemperaturen haben nämlich den Weihnachtsbäumen stark zugesetzt. Das hat auch Auswirkungen auf die Preise, die nach Angaben des Verbandes um etwa 15 Prozent steigen.

Junge Bäume hat es am schlimmsten getroffen

„Am schlimmsten hat es die erst im Frühjahr neu gepflanzten Bäumen getroffen. Da haben wir auf einigen unserer Flächen Totalausfälle von 70 bis 80 Prozent. Alles komplett vertrocknet“, sagt Rainer Backhaus. Der 58-Jährige macht seit den 90er Jahren sein Geld mit Tannenbäumen, baut pro Jahr rund 7500 Bäume auf seinen Plantagen in Gilten (Schwarmstedt) an. Von den ausgewachsenen Nordmanntannen, die der Landwirt eigentlich in diesem Jahr verkaufen wollte, sind etwa 15 Prozent der Dürre zum Opfer gefallen. Backhaus: „Die fehlen uns nun natürlich.“ Die Kunden müssten sich aber keine Sorgen machen, in diesem Jahr ohne Tannenbaum dazustehen, beruhigt Backhaus. Dennoch müssten er und die anderen Landwirte um jeden Baum kämpfen.

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Viele Bäume werden schneller ihre Nadeln verlieren

Um seine Baumkultur aufzufüllen, hat der Backhaus Anfang Oktober erneut nachgepflanzt. „Und dann war es plötzlich wieder warm und wir mussten beregnen. Einige sind schon wieder tot“, sagt er. Experten vermuten, dass die Bäume in diesem Jahr, wenn sie geschmückt in der Stube stehen, schneller die Nadeln verlieren als normalerweise. Grund: Der Baum konnte im Sommer nur wenig Wasser einspeichern. Backhaus rät daher, stets auf ausreichend Wasser im Baumständer zu achten.

Auch im Stadtgebiet gibt es wieder zahlreiche Tannenbaum-Verkaufsstände. Eine Übersicht nach Stadtteilen:

Badenstedt: Ab 14. Dezember an der Benther Bergstraße. In Bemerode beginnt der Verkauf auf dem Festplatz an der Emslandstraße am 5. Dezember. An der Janusz-Korczak-Allee auf der Bult geht es am 14. Dezember los. Wie schon in den Vorjahren macht der Baumverkauf auf dem Schützenplatz (Calenberger-Neustadt) den Start, er beginnt bereits heute. Zwei Stände gibt es in Kleefeld: Am Schaperplatz ab dem 12. Dezember und am Kantplatz zwei Tage später. Sogar drei Stände gibt es in Linden – alle starten am 14. Dezember: An der Bardowicker Straße an der Brücke, an der Gartenallee, Ecke Stephanusstraße, sowie an der Limmerstraße in Höhe der Sparkasse. In der List gibt es Weihnachtsbäume in der Jakobistraße (ab 12.12.), an der Podbielskistraße Höhe Böcklinplatz (14.12), an Vier Grenzen (12.12.) sowie in der Waldstraße (14.12.). In Marienwerder wird auf dem Festplatz an der Garbsener Landstraße verkauft – Start am 5. Dezember. In der Oststadt gibt es ab dem 14. Dezember Tannenbäume: am Emmichplatz und am Weißekreuzplatz. In Ricklingen ab dem 14. Dezember Am Sauerwinkel. Am selben Tag startet auch der Verkauf in Stöcken: am Westschnellweg, Ecke Stöckener Straße, sowie an der Mecklenheider Straße vor dem Rewe-Markt. Am 4. Dezember öffnet der Baum-Verkauf am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer, zehn Tage später gibt es am Südstädter Stephansplatz Tannenbäume. Am 14. Dezember beginnt der Verkauf am Jahnplatz in Vahrenwald, ebenso an der B 217, Ecke Tresckowstraße, in Wettbergen.

Auch Bernd Oelkers (56) vom Verband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Niedersachsen, Hamburg und Bremen spricht von einem „ganz schweren Jahr“ für die Branche. Oelkers baut in Wenzendorf auf rund 400 Hektar etwa drei Millionen Nadelbäume an. Damit ist er einer der größten Baumproduzenten in Deutschland. „Wir haben allein 150 000 bis 200 000 Euro Mehrkosten allein für die Bewässerung gehabt“, schildert der Unternehmer. Ausfälle habe er dadurch kaum gehabt. Auf anderen Höfen sieht das anders aus, weiß er: „80 Prozent der Betriebe haben gar nicht die Infrastruktur, um die Tannenbäume zu bewässern.“ Bei den Neukulturen spricht Oelkers im Land von rund 50 Prozent Totalausfall.

Nordmanntanne ein Euro teurer

Backhaus bietet die Bäume, die er auf seinem Hof in Gilten meist an Stammkunden verkauft, mit 18 Euro pro Meter nicht teurer an. Die Nordmanntannen, die er auf seiner Plantage verkauft, kosten jedoch einen Euro mehr pro Meter. Backhaus: „Wir können bei den Preisen nicht radikal anziehen.“ Oelkers spricht von einem Preisanstieg von bis zu zehn Prozent. Konkret heißt das: Eine 1,50 Meter große Nordmanntanne kostet im klassischen Weihnachtsbaumverkauf nun statt 30 Euro etwa 32 Euro. Grund für den Preisanstieg sei nicht allein die Dürre, sondern auch gestiegene Lohn- und Transportkosten. Das werde laut Oelkers Folgen haben: „Derzeit gibt es in Niedersachsen etwa 1500 Weihnachtsbaumerzeuger, davon haben etwa 500 große Flächen. Ich gehe davon aus, dass 100 Produzenten nach dieser Saison komplett aus dem Geschäft aussteigen, weil es nicht mehr wirtschaftlich ist.“

Von Britta Lüers

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