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Meine Stadt Traumreise wird zum Albtraum: Hannoveranerin (72) liegt seit vier Wochen in Athener Krankenhaus
Hannover Meine Stadt Traumreise wird zum Albtraum: Hannoveranerin (72) liegt seit vier Wochen in Athener Krankenhaus
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08:00 29.05.2019
Verzweifelt: Hella Zotter aus Steinhude kämpft für ihre Freundin Evelyn-Iris Sohn, die nach einem Unfall seit vier Wochen in einem griechischen Krankenhaus liegt.
Verzweifelt: Hella Zotter aus Steinhude kämpft für ihre Freundin Evelyn-Iris Sohn, die nach einem Unfall seit vier Wochen in einem griechischen Krankenhaus liegt. Quelle: Christian Behrens
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Wunstorf

Sie wollte ein paar wunderschöne Tage in Griechenland verbringen. Doch die Traumreise zu einer Hochzeit in Santorin hat sich für Evelyn-Iris Sohn (72) aus zu einem nicht enden wollenden Albtraum entwickelt. Mit einem doppelten Beinbruch liegt die ohnehin pflegebedürftige Frau aus Steinhude (Wunstorf) seit vier Wochen in einem Krankenhaus in Athen. Weil sie keine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen hat, muss sie entweder bis zu ihrer Genesung in Griechenland bleiben, oder den knapp 7000 Euro teuren Krankentransport aus eigener Tasche bezahlen. Ihre Freundin Hella Zotter (78) aus Steinhude kämpft verzweifelt für eine andere Lösung.

Der Reihe nach: Evelyn-Iris Sohn ist schwerkrank, mit Pflegestufe drei auf den Rollstuhl angewiesen. Wegen Durchblutungsstörungen verlor sie vor zehn Jahren ihr rechtes Bein. Den vor zwei Jahren ausgebrochenen Lymphdrüsenkrebs hat sie glücklicherweise überstanden. Nun wollte sie sich mit ihrer langjährigen Freundin und Betreuerin Hella Zotter (78) einen erholsamen Urlaub gönnen. Ende April ging es auf die griechische Insel Santorin zur Hochzeit von Zotters Enkelin. Das Fest war schön, doch zurück im Hotel nahm das Unheil seinen Lauf.

Krankenkasse zahlt nur die Behandlung vor Ort

Angestellte des Hotels schoben Evelyn-Iris Sohn im Rollstuhl eine Stufe hinunter. Die 72-Jährige kippte aus dem Stuhl und zog sich im verbliebenen Bein einen doppelten Bruch zu. „In Santorin gibt es nur eine private Klinik. Da konnten wir nicht bleiben“, schildert Hella Zotter die ersten Stunden nach dem Unfall. Stattdessen musste ihre verletzte Freundin nach Athen geflogen werden. Auch Zotter hielt es nicht mehr in Santorin, sie wollte Sohn in der Hauptstadt beistehen, flog schließlich aber schweren Herzens zurück nach Deutschland.

Da wusste sie noch nicht, dass sich die fehlende Zusatzversicherung ihrer Freundin als ein so schwerwiegendes Problem herausstellen sollte. Denn: Sohns Krankenkasse (Pronova BKK) übernimmt zwar die Kosten für die Behandlung vor Ort. Ein Rücktransport nach Deutschland ist davon jedoch ausgenommen. „Natürlich war es ein Fehler, diese Versicherung nicht abzuschließen“, weiß Zotter. „Bei der Buchung im Reisebüro war das aber kein Thema und selbst haben wir auch nicht daran gedacht.“

Rückkehr ungewiss: Evelyn-Iris Sohn liegt seit vier Wochen in einem Athener Krankenhaus. Quelle: privat

Die Folgen sind für Sohn gravierend. Seit vier Wochen liegt sie im Krankenhaus – allein in Athen, ohne Sprachkenntnisse, ohne Prognose, wann es wie weitergeht. Zu ihren Angehörigen hat sie seit der Scheidung von ihrem Mann keinen Kontakt mehr, Hella Zotter ist ihre einzige Bezugsperson. Allein bis zur Operation verging eine Woche.

Zwischenzeitlich hatte man der verletzten Frau sogar Hoffnungen gemacht, sie könne mit einem vollständig eingegipsten Bein einen normalen Flug nach Deutschland antreten. Dafür müsste sie lediglich drei Sitzplätze buchen. „Das kam uns schon komisch vor“, erinnert sich Zotter. Am Ende winkten die griechischen Ärzte aber ohnehin wieder ab.

Betreuerin blitzt bei Sozialamt und Botschaft ab

Seitdem kämpft Zotter an allen Fronten für die schnelle Rückkehr ihrer Freundin. Knackpunkt: das Geld. 7000 Euro würde ein Ambulanzflug angeblich kosten. „Evelyn hat kein Geld und auch ich kann so viel nicht aufbringen“, so die 78-Jährige, die sogar ihre eigene Lebensversicherung beleihen wollte. „Da hätte ich aber nur 3000 Euro bekommen.“

Auf NP-Nachfrage verwies die Pronova BKK nochmals auf den gesetzlich verankerten Leistungsausschluss, wonach ohne private Auslandsreise-Krankenversicherung kein Anspruch auf Erstattung der Transportkosten besteht. Auch beim Sozialamt blitzte Zotter mit der Bitte um einen finanziellen Zuschuss ab. Und die deutsche Botschaft fühle sich schlichtweg nicht zuständig für derlei Angelegenheiten. Zotter ist verzweifelt. Bis die Brüche im Bein soweit verheilt sind, dass ihre Freundin entlassen werden kann, werden sicher noch einige Wochen vergehen.

„Bei ihren vielen Vorerkrankungen ist das nicht absehbar. Das kann man nicht mit einem jungen, gesunden Menschen vergleichen.“ Zudem sei nicht gesagt, dass Sohn nach der Entlassung gleich wieder fit genug für einen normalen Flug ist. „Wer soll sie in der Zwischenzeit in Athen pflegen? Und wo soll sie da überhaupt hin?“, fragt sich ihre Betreuerin.

Zaghafte Signale für eine Lösung kommen mittlerweile von der Krankenkasse des Opfers: „Wir stehen mit der Kundin in Kontakt. Auch, um zu klären, ob anderweitige Möglichkeiten der Kostenübernahme vorhanden sind“, sagt Annemike Gößmann aus der Unternehmenskommunikation der Pronova BKK.

Von André Pichiri

28.05.2019
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28.05.2019