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Meine Stadt Tränen und Wut am Hauptbahnhof
Hannover Meine Stadt Tränen und Wut am Hauptbahnhof
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00:17 08.10.2017
NICHTS GEHT MEHR: Am Hauptbahnhof waren lange Schlangen von Menschen, die am Service-Point erfahren wollten, wie es weitergeht.
NICHTS GEHT MEHR: Am Hauptbahnhof waren lange Schlangen von Menschen, die am Service-Point erfahren wollten, wie es weitergeht.  Quelle: Foto: Dröse
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Hannover

 Ein paar Tränen konnte sie sich nicht verkneifen. Eigentlich war Ulrike Fieback auf dem Weg ins Ruhrgebiet, „mein Vater ist am Donnerstag 85 Jahre alt geworden und natürlich ist die ganze Familie da“. Die Herausgeberin des Magazins „Hipburn“ aus Hannover nicht, „Xavier“ hatte den Bahnverkehr quasi umgepustet, alle Bahnen rund um Hannover standen still.

Etwas verzweifelt waren auch Ulrike Junker, Melanie Majewski, Britta Schleheck und Simone Lüders – die vier Frauen zwischen 40 bis 50 Jahre waren auf dem Weg von Herford nach Lüneburg. „Zum Mädelwochenende“, erklärte Britta Schleheck – und ihre Freundinnen ergänzten seufzend: „Auszeit von der Familie nehmen, Ruhe haben, mal wieder ausgiebig quatschen und uns die schöne Stadt anschauen.“ Am Hauptbahnhof schauten sie auf die meterlangen Schlangen vor ihnen vor dem Info-Point. Und überlegten, ob sie sich womöglich ein Taxi in die Salinenstadt leisten könnten. Aber erst einmal war Warten angesagt.

Wie bei hunderten anderen Reisenden auch. „Ich komme aus Karlsruhe, will zum Meeting nach Hamburg. Und hier in Hannover haben die uns aus dem Zug geschmissen“, regte sich Sophie S. (52) auf. Auch Taxis waren nicht mehr zu bekommen. „Das ist doch nicht der erste Sturm, wieso klappt das alles hier nicht?“, fragte Thela Z. erbost, die von Gifhorn in die Stadt Norden wollte. „Da ist eine Goldene Hochzeit, ich muss da hin“, sagte sie.

Womöglich haben diese Reisenden ihre Nacht in einem der zwei Hotelzüge verbracht, die die Deutsche Bahn (DB) den Gestrandeten zur Verfügung gestellt haben. „Die Reisenden bekommen Essen, Trinken und Decken, um wenigstens ein Dach über den Köpfen zu haben“, so ein Bahn-Sprecher. Für etwa 2000 Essen sorgten die Johanniter, die von der DB dazu beauftragt worden waren. Ansonsten würden die Fahrgastrechte gelten, natürlich auch in diesem Fall, sagte er und verwies auf die Homepage

(www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte).

Nicht nur im Fernverkehr fielen Züge aus, auch der Regionalverkehr in Niedersachsen wurde gestoppt. Der gesamte Zugverkehr von Metronom, Erixx und Enno fand nicht statt, selbst ein Busnotverkehr konnte nicht eingerichtet werden.

Von Petra Rückerl