Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Totschlagsprozess ohne Zeugen
Hannover Meine Stadt Hannover: Totschlagsprozess ohne Zeugen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:16 18.10.2019
ANGEKLAGT: Juri M. (36, links) soll einen Ukrainer im Drogenmilieu erstochen haben. Er leugnet die Tat. Foto: Quelle: Dröse
HANNOVER

Der Totschlagsprozess gegen Juri M. (36) gestaltet sich schwierig. Am Freitag erschienen drei von vier Zeugen nicht zur Verhandlung. Die Schwurgerichtskammer hat schon weitere Termine bis Ende November festgelegt. Es ist fraglich, ob das Gericht aller Zeugen aus dem Drogenmilieu habhaft wird.

Juri M. soll am 10. November 2018 einen Ukrainer (39) erstochen haben. Tatort war vor dem „Cafe Stellwerk“ hinter dem Hauptbahnhof – der größte Drogensüchtigen-Treff der Stadt. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Gegen 19 Uhr, als der Totschlag geschah, sei er zu Hause gewesen.

Zeuge vereidigt

Und der einzige Zeuge (35) am Freitag hat ihn auch nicht weiter belastet. Im Gegenteil. Er erkannte den Angeklagten als Täter nicht wieder. Der drogenabhängige Mann hat den Täter aber gesehen. Er ging dazwischen, als sich Täter und Opfer prügelten. „Ich habe gesehen, wie sich zwei Leute geschlagen haben. Ich bin dann abgehauen“, sagte er. Und mehr wollte er auch nicht sagen.

Doch der Zeuge haute nicht einfach ab, er blieb bis zum bitteren Ende. Das haben andere Zeugen gesehen. Trotzdem hielt der 35-Jährige in seiner Aussage daran fest, den Täter nicht identifizieren zu können. Nicht mal eine brauchbare Personenbeschreibung konnte er abgegeben. Richter Stefan Joseph ermahnte den Zeuge: „Ich weise Sie eindringlich auf die Wahrheitspflicht hin.“ Zu guter letzt vereidigte der Richter den 35-Jährigen. Das kommt mittlerweile sehr selten in deutschen Gerichten vor; half aber auch nichts.

Panne beim Auslesen des Handys

Für Juri M. war es auch in anderer Hinsicht ein guter Tag. Bislang war das Gericht davon ausgegangen, dass sein Handy Daten bis 1.25 Uhr am 10. November 2018 gespeichert habe. In Wahrheit handelt es sich aber um den 9. November 2018. Die letzte Information wurde also etwa 17,5 Stunden vor der Tat gespeichert.

Das Handy wurde am Tatort gefunden. Der Angeklagte meint, dass er es am Tattag verloren habe. Seine Mutter schickte ihm um 15.41 Uhr eine SMS: „Wir haben kein Brot.“ Zu diesem Zeitpunkt sei er bereits zu Hause gewesen. Wie gesagt am Tattag. Eine solche SMS mache keinen Sinn, wenn man zu Hause sei, stellte Richter Joseph fest. Nun stellte sich heraus, dass die SMS bereits einen Tag vorher verschickt wurde.

Der Angeklagte und das Opfer kannten sich seit fünf Jahren. Juri M. lebte mit der Ehefrau des Ukrainers zusammen, beide haben eine Tochter. Anfangs habe es Spannungen gegeben, aber mit der Zeit sei das Verhältnis zum ihm besser geworden, sagte M. Dennoch habe das Opfer gedroht, dass er sich und dem Paar etwas antun wolle, falls er abgeschoben werde. Er befürchtete die Abschiebung im Fall einer Scheidung. Angeklagter und Opfer haben sich fast täglich im Drogenmilieu rund um den Bahnhof getroffen.

Von Thomas Nagel

Das Familien-Drama in Davenstedt: Der 19-Jährige, der am Donnerstagabend seine Mutter (39) und seinen Stiefvater (39) mit einem Messer angegriffen hat, könnte psychisch krank sein. Er soll am Freitag zunächst einem psychiatrischen Gutachter vorgeführt werden.

18.10.2019

Die Polizeidirektion (PD) Hannover hat mit prominenter Unterstützung der Profisportvereine TSV Hannover-Burgdorf und Hannover 96 zwei Videos zum Thema Rettungsgasse produziert.

18.10.2019

Achtung, Trickbetrüger: Hannover und das Umland sind seit rund drei Monaten verstärkt im Visier falscher Polizisten. Die (echte) Kripo registrierte bereits mehr als 400 Anrufe der Ganoven. Ganze Ortschaften, Stadtteile und Straßenzüge wurden von den Tätern schon angerufen.

18.10.2019