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Meine Stadt Tote in der Oststadt: Täter muss zehn Jahre in Haft
Hannover Meine Stadt Tote in der Oststadt: Täter muss zehn Jahre in Haft
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13:38 30.01.2019
Mohamad A. muss zehn Jahre hinter Gitter.
Mohamad A. muss zehn Jahre hinter Gitter. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Mohamad A. muss hinter Gitter. Das Landgericht Hannover hat den 48-jährigen Sudanesen wegen einer Vergewaltigung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte im Sommer des vergangenen Jahres mit der 63-jährige Obdachlosen Susanne M. auf dem Spielplatz an der Gartenstraße in der Oststadt zunächst einvernehmlichen Sex gehabt. Nachdem sie sich dann aber weigerte und nach der Polizei schrie, habe der alkoholisierte Sudanese die Frau so fest an Hals und Kinn gefasst, dass sie später erstickte. Als A. zum Orgasmus gekommen war, ging er weg. "Es tut mir leid, was passiert ist", sagte A. mithilfe seines Dolmetschers am zweiten Prozesstag vor dem Schwurgericht. Er habe sie nicht töten wollen.

Täter will Therapie machen

„Wir können nicht den Schluss ziehen, dass Sie die Frau vorsätzlich getötet haben“, begründete Richter Wolfgang Rosenbusch das Urteil, „Sie wollten ihre Sache beenden und dachten, dass es gut geht.“ Die Gewalt sei dennoch erheblich gewesen. Susanne M. hatte mehrere Brüche im Kehlkopf und am Zungenbein. Staatsanwalt Jan Buermann hatte deshalb auf 13 Jahre Haft plädiert. Der Täter habe den Tod der Frau „billigend in Kauf genommen“.

A. hatte zuvor bei der Ermittlungsrichterin ein umfassendes Geständnis abgelegt. „Das hat einen hohen Wert“, sagt Verteidiger Clemens Anger. Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von elf Jahren. A. soll zudem eine Alkohol-Therapie machen. Dafür muss er allerdings zunächst im Maßregelvollzug Deutsch lernen. Obwohl er bereits seit vier Jahren in Deutschland lebt, spricht er nur einige Brocken. „Ich will eine Therapie machen und Deutsch lernen“, sagte A. Aufgrund seiner Sprachbarrieren sei er in der Haft isoliert und depressiv, betonte Anger.

Für A. war es nicht der erste Prozess. Er war schon mehrfach wegen Diebstahl und sexueller Belästigung vor Gericht. Zuletzt soll er im April des vergangenen Jahres zwei Frauen belästigt haben. Eine Obdachlose umarmte und küsste er gegen ihren Willen. Wenige Stunden später wiederholte er dies bei einer Mitarbeiterin eines Obdachlosenheims an der Berliner Allee. Die dreimonatige Freiheitsstrafe trat er jedoch nicht an. Die Richter verhängten eine Bewährung von drei Jahren. Sie gingen davon aus, dass A. künftig straffrei bleibt.

2014 nach Deutschland gekommen

Auch der psychiatrische Sachverständige Ulrich Dickmann beschreibt den 48-Jährigen nicht als "dissoziale Person". Er sei allerdings alkoholsüchtig. Wenn er Schnaps oder Bier trinke, zeige er sich regelmäßig enthemmt und aggressiv. Zudem hat er nach eigenen Angaben auch kurz der Tat viel getrunken und Kokain geschnupft sowie Heroin gespritzt.

Zum Leben von A. ist wenig bekannt. Seine vier älteren Brüder sollen bei den Unruhen im Sudan getötet worden sein. Mit 15 Jahren flüchtete er mit seiner Mutter und Schwester in ein Camp, für die er sich fortan verantwortlich fühlte. Mit Gelegenheitsjob hielt er sich und seine Familie über Wasser. „Er ist schwer traumatisiert“, meinte Anger. Sein Mandant heiratete die Witwe einer seiner Brüder. 2014 sei er dann über Italien nach Deutschland gekommen und beantragte Asyl. Fuß gefasst hat er in Hannover allerdings nie. Er sammelte Pfandflaschen, so bekam er an den Wochenenden rund 30 bis 50 Euro zusammen, mit denen er die Drogen finanzierte. In der Szene galt er als aggressiv.

Von Sascha Priesemann