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Meine Stadt Tote in Halle: Hannover verstärkt Sicherheitsmaßnahmen
Hannover Meine Stadt Tote in Halle: Hannover verstärkt Sicherheitsmaßnahmen
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21:05 09.10.2019
Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht vor der Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Nach den tödlichen Schüssen vor einer Synagoge in Halle hat die Polizei in Hannover die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Gemeinden in der Landeshauptstadt verstärkt. Quelle: Sina Schuldt/dpa
Hannover

Wie in ganz Deutschland herrscht auch in Hannover Bestürzung über das Attentat von Halle. Unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Innenminister Boris Pistorius (SPD) sowie Vertreter jüdischen Gemeinde Hannovers äußerten betroffen von der Tat, bei der zwei Menschen getötet wurden.

Wie bei vielen Politikern in Deutschland, saß der Schock auch bei den niedersächsischen Vertretern tief. Stephan Weil betonte: „Es macht mich fassungslos und betroffen, dass Menschen jüdischen Glaubens an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur in Trauer, Angst und Schrecken versetzt wurden und Synagogen unter besonderen Polizeischutz gestellt werden mussten.“

Angriffe auf Synagogen erinnerten ihn an die dunkelste Phase der deutschen Geschichte. „Gerade vor diesem Hintergrund handelt es sich um einen Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft. Wir müssen in Solidarität für unser friedliches Zusammenleben einstehen.“

Hannoveraner bekunden Solidarität

Zu einer Solidaritätskundgebung mit der Theologin Margot Käßmann in der evangelischen Marktkirche in Hannover kamen am Abend rund 50 Personen zusammen.

Margot Käßmann, Hanna Kreisel-Liebermann und Stephan Bickhardt (von links) heute bei der Solidaritätsveranstaltung vor der Marktkirche. Quelle: Clemens Heidrich

Käßmann sagte, sie sei schockiert, dass sich der Antisemitismus wieder in Deutschland breitgemacht habe. „Wo Juden angegriffen werden, werden Menschen jeden Glaubens angegriffen“, betonte die frühere hannoversche Landesbischöfin am Rande der Solidaritätsaktion.

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Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, sagte in einer ersten Reaktion: „Wir fühlen uns hier von der Polizei gut geschützt. Da sehen wir keine Probleme.“

„Wir beten für die Familien“

Doch den Feiertag wollte heute niemand mehr ausgelassen feiern: „Die Stimmung war gedrückt, das Fest Jom Kippur machte keinen Spaß, wie es sonst macht“, sagt Fürst am Mittwochabend gegenüber der NP. Es sei viel mehr Polizei als sonst da gewesen. "Wir haben eine Gedenkminute für die Menschen, die dort in Halle umgebracht worden sind, abgehalten. Und wir beten für die Familien."

Weiter erklärt er: "Natürlich kann immer und überall passieren, aber in dieser Dimension habe ich nicht damit gerechnet." Gleichwohl sieht er jüdische Einrichtungen und Menschen in Niedersachsen nicht so stark gefährdet wie etwa in Sachsen-Anhalt. "In anderen Bundesländern sieht es leider anders aus."

Mehr zum Thema: Angriff auf Synagoge in Halle: Antisemitismus-Beauftragter ist entsetzt

Er habe viel Solidarität erfahren, der Vorsitzende der Schura (Landesverband der Muslime) habe ihn angerufen und besprochen,wie man gemeinsam auf die tat reagieren könnte. Auch die Grünen-Fraktionschefin Anja Piel und andere hätten sich solidarisch gezeigt.

Schutz der jüdischen Einrichtungen verstärkt

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, den Schutz jüdischer Einrichtungen im Land zu verstärken. „Auch wenn mir für Niedersachsen aktuell keine konkreten Bedrohungen gegenüber jüdischen Einrichtungen bekannt sind, haben wir unsere Sicherheitsmaßnahmen umgehend nochmals intensiviert“, sagte er.

Er stellte zudem weitere Amtshilfe für Halle in Aussicht. „Unsere niedersächsischen Polizisten sind bereit, die Kollegen in Sachsen-Anhalt zu unterstützen, ein niedersächsischer Polizeihubschrauber sowie Kräfte der niedersächsischen Spezialeinheiten sind bereits im Einsatz“, so der Innenminister.

Gerade am Tag des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur, an dem Versöhnung gefeiert wird, sei die Tat ein besonders perfider Angriff auf die gesamte Gesellschaft. „Ich verabscheue diese Tat“, so Pistorius.

Von mrx/sip/rue

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