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Meine Stadt Hannoveraner (66) mit Insulin getötet
Hannover Meine Stadt Hannoveraner (66) mit Insulin getötet
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18:55 13.11.2018
Grzegorz Stanislaw W.: Ist er ein Serienmörder? Nach den Ermittlungen der Polizei in München soll er sechs pflegebedürftige Menschen in ganz Deutschland auf dem Gewissen haben. Quelle: Polizei München
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Hannover

Ein 66-jähriger Mann aus Hannover ist offenbar Opfer des polnischen Hilfspflegers Grzegorz Stanislaw W. (39) geworden. Der Verdächtige soll den Mann am 30. Juli 2017 mit Insulin getötet haben – wie fünf weitere Patienten in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Seit Februar sitzt er in U-Haft (NP berichtete). Was erst ein vager Verdacht war, soll sich nun bestätigt haben: W. könnte ein Serienmörder sein, der seine Opfer in ihrem Zuhause bestahl – und einige umbrachte.

Polizei und Staatsanwaltschaft in München gaben gestern Details bekannt: Die Beamten gehen davon aus, dass W. sechs Menschen ermordet hat. Darunter den 66-Jährigen aus Hannover. Ihn soll der Verdächtige auch bestohlen haben.

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Zudem soll W. versucht haben, drei weitere Patienten zu töten. Die Betroffenen überlebten ebenso wie drei andere Hilfsbedürftige, denen der Pole auch Insulin verabreicht haben soll. In diesen Fällen gehen die Ermittler von gefährlichen Körperverletzungen aus. Tatwaffe soll stets ein Insulin-Pen gewesen sein, den der 39-Jährige als Diabetiker benutzte.

Die Beamten haben ein Bewegungsprofil von W. erstellt. Demnach war er seit Mai 2015 als Hilfspfleger in Deutschland an 68 Orten tätig. Der Pole, der 2014 in seiner Heimat aus dem Knast entlassen wurde, hatte keine Ausbildung in der Pflege, so Oberstaatsanwältin Anne Leiding: „Er hat nur einen dreiwöchigen Kursus besucht.“

Damit bot er seine Arbeit als 24-Stunden-Betreuer für Pflegbedürftige in ihrem Zuhause an. Mit Hilfe polnischer und slowakischer Agenturen sei er über deutsche Pflegedienste auch in Haushalte in der Bundesrepublik vermittelt worden.

Das Tötungsdelikt in Hannover hatten die Ermittler erst nicht auf dem Schirm. „Der Fall ist nach der Öffentlichkeitsfahndung bekannt geworden“, sagt Leiding. Dabei war ein Foto von W. veröffentlicht worden. Dann gab es den Hinweis auf den Tod des 66-Jährigen. Gegen W. könnte Anfang 2019 Anklage erhoben werden.

Der Fall erinnert an Todespfleger Niels Högel, der sich in Oldenburg vor Gericht verantworten muss. Er soll mehr als 100 Patienten getötet haben.

Von Britta Mahrholz