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Meine Stadt Tod auf der Limmerstraße: Bruder des Opfers will Revision
Hannover Meine Stadt Tod auf der Limmerstraße: Bruder des Opfers will Revision
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00:18 03.05.2019
Tod auf der Limmerstraße: Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den Angeklagten Muharrem C. (hier mit Anwalt Helmut Pollähne) wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Quelle: Dröse
Hannover

Die Entscheidung im Prozess um die tödlichen Schläge auf der Limmerstraße ist gefallen. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hannover hat den Angeklagten Muharrem C. (28) am Dienstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Außerdem muss der Mann, der auch eine Weile Thai-Boxen trainiert hat, in eine Entziehungsanstalt. Das Gericht hält die Therapie für den langjährigen Drogenkonsumenten für notwendig. Sonst könnte das, was am 8. Oktober 2018 auf der Limmerstraße passierte und dem 40-jährigen Ilja T. das Leben kostete, wieder passieren, fürchten die Richter.

C. hörte regungslos zu, als Vorsitzender Wolfgang Rosenbusch das Urteil verkündete. Der 28-Jährige starrte auf den Boden. Ab und an nickte er zustimmend.

Vier bis fünf heftige Faustschläge

Der Angeklagte hatte dem Opfer vier bis fünf heftige Faustschläge gegen den Kopf verpasst. Ob nun der erste, der letzte oder einer der anderen Hiebe dazu führte, dass der 40-Jährige drei Tage später in einer Klinik an seinen Verletzungen starb, ist unklar. Sicher ist aber, dass die Schläge mit Massivität geführt wurden. Zwar habe C. bei seinem Thai-Box-Training keine fachliche Unterweisung über mögliche Folgen erhalten, ihm wurde aber erklärt, dass er die Kampfkunst nur zur Selbstverteidigung einsetzen dürfe. Damit hätte er sich der Gefahr seines Handelns bewusst sein müssen, so Rosenbusch.

Anhaltspunkte, dass der 28-Jährige das Opfer töten wollte, fand die Kammer nicht. „Lass‘ uns prügeln wie Männer“, hatte er T. aufgefordert. „Das spricht für eine körperliche Auseinandersetzung, die der Angeklagte wollte“, so Rosenbusch. Auch fehlte es den Richtern an einem Motiv für eine Vorsatztat.

Ausraster aus nichtigem Anlass

C. war an jenem Tag komplett ausgerastet. Aus nichtigem Anlass. Er hatte sich darüber geärgert, dass T. aufs Handy geschaut und ihm vors Fahrrad gelaufen war. Er habe „völlig überzogen reagiert“, meinte der Vorsitzende: „Es wäre wahrscheinlich nicht zu dieser Tat gekommen, wenn es die Drogen nicht gegeben hätte.“ Der 28-Jährige hatte regelmäßig Marihuana konsumiert, dazu auch häufiger Koks und Alkohol. Am Tattag war er vermindert steuerungsfähig. Er hatte Suchtdruck und war übermüdet.

Es sei dringend geboten, dass C. in eine Entziehungsanstalt geht, meint die Kammer. Unter Anrechnung der U-Haft muss er noch rund drei Monate hinter Gittern verbüßen, bevor er eine Therapie machen kann. Klare Ansage von Rosenbusch: Verweigert der Angeklagte die Maßnahme, verbringt er die gesamte Strafe im Gefängnis.

Gericht: Kein minderschwerer Fall

Ursprünglich hatte Staatsanwältin Kathrin Heuer C. ihn wegen Totschlags angeklagt, nach der Beweisaufnahme aber auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert. Sie sah in dem Geschehen auf der Limmerstraße sogar einen minderschweren Fall. Dem folgte das Gericht nicht. „Es liegt kein minderschwerer Fall vor, wenn man auf der Straße jemanden so zusammenprügelt, dass der hinterher stirbt“, sagte Rosenbusch.

In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte sich an die Familie des Opfers gewandt und entschuldigt: „Es tut mir leid, was passiert ist.“ Einer der Nebenkläger, der Bruder des Toten, will sich mit dem Ergebnis des Prozesses nicht zufrieden geben und in Revision gehen. Grund dafür ist die Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Nach Auffassung von Anwalt Fritz Willig sind Kick-Box-Schläge gegen den Kopf gleichzusetzen mit Tritten gegen den Kopf – und damit nicht Körperverletzung mit Todesfolge, sondern Totschlag. „Wir werden das den Bundesgerichtshof entscheiden lassen“, erklärte Willig.

Von Britta Mahrholz

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