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Meine Stadt Hier sieht das Handwerk nicht alt aus
Hannover Meine Stadt Hier sieht das Handwerk nicht alt aus
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08:58 25.07.2019
Freude am Beruf: Jonas Winkler möchte das Image des Handwerks verbessern. Quelle: Heusel
Hannover

Das Handwerk in Not: Metzger, Bäcker oder Friseur – all diese Berufe haben immer seltener Auszubildende und Meisterschüler. Das ist bei den Tischlern nicht anders. In den vergangenen 20 Jahren sind hier die Zahlen der Auszubildenden um 56 Prozent zurückgegangen. „Das ist leider eine ganze Menge“, sagt Claudia Klemm, zuständig für den Bereich Aus- und Weiterbildung beim Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen.

Waren es 1998 noch 40.489 Azubis, sank die Zahl 2018 auf 17.873. Klemm nennt mehrere Gründe. „Zum einen gibt es aufgrund des demografischen Wandels weniger Jugendliche, auf der anderen Seite geht der Trend zum Studium.“ Das zeige sich auch in Niedersachsen. Waren es 2007 noch 1079 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge, sank die Zahl 2013 auf eine Tiefststand von 940. Drei Jahre später waren es 944, 2017 gab es einen Anstieg auf 986. „Im vergangenen Jahr hatten wir mit 1061 erfreulicher Weise leicht steigende Zahlen“, so Klemm. Das werde auf verstärkte Werbemaßnahmen der Tischlereien zurückgeführt.

Meisterbonus „als gutes Signal“

Die Zahlen der Meisterfortbildungen sind dagegen sehr schwankend. Auffällig: Sobald in der Branche viel zu tun ist, sinken auch die Zahlen der Meisterschüler. Schließlich ist die Zeit dann knapp. 2014 gab es in Niedersachsen 117 Schüler, 2015 stieg die Zahl auf 142 und 2016 auf 146. In den darauffolgenden Jahren gab es einen Abfall auf 118 Schüler im Jahr 2017 und 116 im vergangenen Jahr. Der eingeführte Meisterbonus von 4000 Euro sei in diesem Bereich, „ein gutes Signal für die Gleichwertigkeit von dualer und akademischer Bildung“, so Klemm.

Mit den eigenen Händen etwas erschaffen – wie reizvoll das sein kann, zeigt auch diese Ausstellung: Vom 25. bis zum 27. Juli zeigen 19 angehende Meisterschüler ihre Werke in der Handwerkskammer Hannover (Berliner Allee 17). Wir haben mit zwei Schülern über das Handwerk und ihre fertigen Objekte gesprochen.

Der Self-Made-Tischler

Jonas Winkler (27) Quelle: Nancy Heusel

Einen etwas anderen Weg zur Meisterschule im Tischlerhandwerk ist Jonas Winkler gegangen. Der 27-Jährige ist kein gelernter Tischler, stattdessen hat er Produktdesign in Köln studiert. Schon damals legte er seinen Schwerpunkt auf die Gestaltung von Möbeln, womit er sich anschließend auch selbstständig machte.

Stühle sind sein Schwerpunkt

Das Handwerk hat er sich sowohl im Rahmen des Studiums als auch selber beigebracht. „Ich habe immer an Prototypen gearbeitet und war auch auf dem Messebau tätig.“ Sein Schwerpunkt heute: Stühle. „Ich finde, dass die sehr ästhetisch sein können oder eben auch ziemlich schlecht angefertigt.“ Doch auch Tische und andere Möbel sind seine Leidenschaft. „Ich mag es einfach, kreativ zu sein, etwas zu zeichnen und es genau so zu bauen.“ Zur Meisterschule kam er schließlich durch Empfehlungen. „Mir wurde das von anderen Betrieben nahegelegt“, so der 27-Jährige.

Gleich zwei Meisterstücke: Winkler hat einen Stuhl und eine Kommode angefertigt. Quelle: Heusel

In der praktischen Prüfung hat er dann gleich zwei Stücke gebaut. Die Sitzmöbel waren der Auslöser dafür. „Ich wollte auf jeden Fall einen Stuhl machen, aber der alleine erfüllte nicht die Anforderungen, so dass ich mich auch für die Kommode entschied.“ Dabei seien Stühle eine der schwierigsten Sachen im Tischlerhandwerk. „Sie müssen bequem sein, aber auch sehr robust und leicht.“ Sein Meisterstück ist das reale Kundenangebot für ein türkisches Möbelhaus. Das Besondere: Der Stuhl hat ein doppelt gebogenes U als Rücken- und Armlehne, das Holz ist aus Esche. „Das hat besonders grade Fasern, so dass sich das Holz besser biegen lässt.“ Dennoch hat er sechs Versuche gebraucht. „Holz zu biegen ist nicht einfach, daran möchte ich in Zukunft auch noch arbeiten.“ Bespannt ist das Exemplar mit einem elastischen, blauen Baumwollstoff. Kostenpunkt: 9264 Euro. Ein stolzer Preis, den Winkler mit der Arbeitszeit und dem Handwerk rechtfertigt.

Kommode mit speziellem Papier

Die Kommode hat Winkler für den japanischer Uhrenhersteller Citizen entworfen und gebaut. Sie hat zwei Schubladen, zwei Türen und ein offenes Fach. „Für die Türen habe ich japanisches Shoji-Papier verwendet.“ Dabei handelt es sich um spezielles Reispapier. Angefertigt wurde das Stück aus Eiche und Esche, die Griffe bestehen aus Nussbaum. Exakt 9303 Euro muss der künftige Besitzer für die Kommode zahlen.

Winkler ist die Freude an seinem Job anzusehen. Er wünscht sich aber auch, dass das Handwerk künftig wieder attraktiver wird. „Ich möchte das Image des Handwerks verbessern und jungen Leuten den Weg dahin klarer machen.“ Schließlich brauche es im Handwerk Individuallösungen und kreative Leute, Computer allein könnten das nicht leisten, so Winkler.

Handwerker ein Leben lang

Keld Rathje (24) Quelle: Nancy Heusel

Keld Rathje ist sozusagen mit dem Handwerk aufgewachsen. Seit mehr als 50 Jahren hat seine Familie einen eigenen Tischlerei-Betrieb, die Hans Rathje GmbH in Schleswig-Holstein. Der 24-Jährige kam dadurch schon früh mit Holz und Schraubendreher in Berührung. „Ich mochte es, zu Hause Schränke aufzubauen oder beim Bau des Baumhauses im Garten zu helfen.“ Und so entschied sich Rathje nach der zehnten Klasse, vom Gymnasium abzugehen und eine Ausbildung zum Tischler zu machen. „Ich mag es, dass ich alles selber machen kann, was man in einer Wohnung so braucht.“ Das biete viele Möglichkeiten. Außerdem sei die praktische Beschäftigung für ihn sehr wichtig. „Ausschließlich im Büro zu sitzen wäre nichts für mich“, sagt er im Gespräch mit der NP.

Zurück in den Familienbetrieb

Dennoch hat er sich bei der Ausbildung gegen den Betrieb seiner Familie entschieden. „Das war eine bewusste Entscheidung, weil ich in keiner Art und Weise anders behandelt werden wollte, nur weil ich aus der Familie komme.“ Erst vor zwei Jahren entschied er sich dann für den Weg zurück zu den Wurzeln und stieg im Familienbetrieb ein.

Die Meisterschule Garbsen wurde ihm schließlich von einem Bekannten empfohlen, sodass es in dafür nach Niedersachsen verschlug. Sein Anreiz: „Ich möchte den Familienbetrieb später übernehmen.“ Für den 24-Jährigen gehört der Meister in einer solche Position dazu. „Ich finde es als Chef angemessen, einen Meistertitel zu haben.“

Für die eigene Wohnung: Keld Rathje (24) hat ein Sideboard mit 2,3 Metern Länge gebaut. Quelle: Heusel

Für sein Meisterstück hat er sich für ein Sideboard entschieden. „Ich wollte etwas für mich machen, das ich in meine Wohnung stellen kann.“ Das war allerdings nicht seine erste Idee. „Zuerst dachte ich an einen Billardtisch. Mich störte aber, das dabei alle Maße schon vorgegeben sind, und auch der Transport wäre schwierig geworden.“ Mehrere Skizzen später war das 2,3 Meter lange Sideboard zum Aufhängen zumindest gedanklich fertig. Dann ging es an die Arbeit. „Wichtig waren mir das durchgehende Fach für Elektrogeräte und die Fächer für Kabel.“ Darunter befinden sind die Schubladen in Nussbaum. „Mir gefällt der Kontrast zu dem Weiß“, erzählt Kelt. Das runde Design lässt das ganze moderner aussehen, das LED-Licht rundherum wertet das Stück noch mal auf. Der Clou: Über sein Handy kann Rathje die Farben der Beleuchtung ändern.

Der Preis dieses Einzelstücks liegt bei 10.500 Euro. „Ein normaler Preis. Da zählt das Material und die Arbeit von rund 144 Stunden rein“, erklärt Rathje. Es sei eben kein Möbel von der Stange.

Von Cecelia Spohn

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