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Meine Stadt „Für Robby gibt es keinen besseren Platz“
Hannover Meine Stadt „Für Robby gibt es keinen besseren Platz“
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06:03 16.10.2018
Schimpanse Robby.
Schimpanse Robby. Quelle: Droese
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Hannover

Tierärztin Alexandra Dörnath (47) aus Bremen hat 82 Tage mit Robby verbracht und ihn auch bei neun Platzwechseln beobachtet. Ihre Forschungsergebnisse stellte sie auf einem internationalen Primatenkongress vor. Sie kämpft dafür, dass Robby im Circus Belly bleiben darf.

Tierärztin Alexandra Dörnath Quelle: dpa

Sie haben Robby lange begleitet. Wie geht es ihm?

Robby geht es klinisch sehr gut. Er ist in einem für sein Alter ausgezeichnteten Gesundheitszustand. Dass er keinen Stress hat, zeigen Messungen des Stresshormons Cortisol. Wie bei allen alten Menschenaffen muss aber auf sein Herz acht gegeben werden. Daher bekommt er täglich einen Pflanzenextrakt zur vorbeugenden Stärkung von Herz und Kreislauf. Schließlich soll er ja lange leben.

Ist Robby gestört?

Absolut nicht. Er ist auf die Art "Mensch" unwiderruflich fehlt geprägt. Dies ist aber keine Verhaltensstörung, sondern ein unumkehrbarer frühkindlicher Lernvorgang. Er ist ja 1971 in einem Zoo geboren und nur unter Menschen gewesen. Dies hatte zur Folge, dass Robby sich für einen Menschen hält. Daher kann er auch, im Gegensatz zu anderen Affen, Augenkontakt mit Menschen halten. Ich habe einen ausgeglichen, tiefenentspannten, zahmen Schimpansen kennengelernt, der keine Verhaltensstörungen zeigt.

Was könnte passieren, wenn Robby den Zirkus verlassen muss?

Für Robby ist der Circus Belly seine Familie und die dortige Kulisse seine gewohnte Umgebung. Und das seit über 43 Jahren. Ihm kann man in seinem hohen Alter das Experiment nicht mehr zumuten. Hierbei würde er entweder in der dafür nötigen Narkose sterben, während der dreimonatigen Quarantäne in eine Depression verfallen oder er bei dem Versuch einer Vergesellschaftung entweder schwer oder tödlich durch einen anderen Schimpansen verletzt.

Tierrechtler werfen dem Zirkus immer wieder vor, Robby führe ein trostloses Leben.

Selbstverständlich nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Robby wird umsorgt durch die Köhlers, die ihn wie ihren Augapfel behüten. Es gibt für diesen Ausnahmeaffen keinen besseren Platz auf der Welt.

Gehören Tiere in den Zirkus?

Tiere im Zirkus haben ein behütetes Leben und werden nicht geschlachtet. Die Tiere dort zeigen keine Kunststücke, sondern natürliche Verhaltensweisen. Zirkustiere wild lebender Art sind seit Jahrzehnten in menschlicher Obhut und keine Wildfänge. Sie werden nahezu wöchentlich amtstierärztlich kontrolliert. Genau wie meine Hunde gerne Auto fahren, ist der Transport für Zirkustiere eine Abwechslung.

Von Sascha Priesemann