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Meine Stadt Teresa Enke: Die Stiftung gibt mir Kraft
Hannover Meine Stadt Teresa Enke: Die Stiftung gibt mir Kraft
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11:27 03.06.2010
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Am Ende kämpft sie mit den Tränen. Das erste Mal spricht Teresa Enke öffentlich über die Zeit nach dem Selbstmord ihres Mannes, und sie ist tapfer und so beherrscht wie es eben geht. „Ich habe eine kleine Tochter, ich muss mich zusammenreißen“, sagt sie irgendwann an diesem Mittwochabend in Barsinghausen, in einem Autohaus im Industriegebiet. Seit dem 10. November vergangenen Jahres ist sie Witwe. Seitdem der Torwart der deutschen Nationalmannschaft Selbstmord beging, seine Frau und die jetzt adoptierte Tochter Leila alleine zurückließ.

Manchmal lächelt Teresa Enke vorsichtig und ein wenig verlegen. So, als wenn sie sich nicht recht trauen würde. Sie weiß, dass die Menschen auf sie schauen. Es ist der erste öffentliche Auftritt, bei dem die 34-Jährige über die Zeit nach dem Suizid ihres Mannes spricht, über ihr Leben als Witwe und ihre Arbeit bei der Robert Enke-Stiftung. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung, und sie will über das Thema Depression aufklären - jene Krankheit, an der ihr Mann litt und die ihn in den Tod trieb.

„Es ist ein großer Begriff, aber es geht auch um Enttabuisierung“, erklärt die Frau, die mit ihrem Schritt in die Öffentlichkeit am Tag nach Robert Enkes Tod die Menschen beeindruckt und berührt hat. „Er hatte Angst, dass das rauskommt“, hatte sie damals bei einer bewegenden Pressekonferenz über die Krankheit des Keepers berichtet. Jetzt sagt sie: „Wir wollen erreichen, dass sich keiner mehr schämen muss.“

Aussagen in der medialen Öffentlichkeit gab es danach nicht mehr. Keine Auftritte bei Beckmann oder bei Kerner, keine Interviews bei „Spiegel“ oder „Stern“. Obwohl die Witwe und Enke-Berater Jörg Neblung seit Monaten mit Anfragen überhäuft werden. „Das, was ich dazu zu sagen hatte, ist gesagt“, erklärt Teresa Enke ihre Zurückhaltung: „Das war einmalig.“

Bei der Gründung der Stiftung im März und bei einer Scheckübergabe Anfang Mai in der Medizinischen Hochschule Hannover ist sie erstmals wieder öffentlich zu sehen. Und für die Stiftung wagt die zierliche und doch so starke Frau sich nun vor. Sie spricht vor rund 100 Menschen, auch über ihr Leben in Empede, einem kleinen Dorf in der Region Hannover.

„Der Kontakt war immer sehr gut“, berichtet sie. „Wir sind im Dorfleben mit drin.“ Die Nachbarn „haben mit sehr geholfen und haben sich gekümmert. Das ist ein ganz tolles Gefühl.“ In der Anfangsphase haben ihr Dorfbewohner sogar „Essen gebracht“. Sie habe überhaupt sehr viel Zuspruch erhalten: „Es gibt viele, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Vorsichtig tastet Teresa Enke sich ins Leben zurück, in eine Leben ohne Robert und ohne Fußball. „Ich war natürlich noch nicht im Stadion“, sagt sie. Doch das Abschneiden des Vereins, bei dem ihr Mann zur Nummer eins der Nationalmannschaft wurde, das verfolgt sie weiter. Über den späten Klassenverbleib von Hannover 96 habe sie sich gefreut: „Ich bin sehr, sehr froh und glücklich, dass sie es geschafft haben“, sagt sie. „Zu einigen Spielern und Frauen habe ich noch Kontakt.“

Irgendwann will sie auch wieder ins Stadion, wo im vergangenen Jahr am 15. November bei einer Trauerfeier rund 40 000 Menschen Abschied von Robert Enke nahmen. Irgendwann, „wenn ich es emotional schaffe“.

Ein wichtiger Teil ihres neuen Lebens ist die Stiftung. „Die Arbeit gibt mir Kraft“, sagt Teresa Enke: „Ich will versuchen zu helfen.“ Die Hauptarbeit mache Jan Baßler, der Geschäftsführer. Auch an diesem Abend in Barsinghausen erklärt der Jurist den Aufbau der Stiftung, begleitet und unterstützt Teresa Enke bei ihrem öffentlichen Auftritt.

„Ich habe noch nicht soviel Kraft, dass ich mich jeden Tag damit befassen kann“, sagt die 34-Jährige, die demnächst am Stiftungssitz in Barsinghausen ein eigenes Büro erhalten soll. „Ich habe eine Tochter, und es muss im Rahmen bleiben.“ Im Moment mache sie „eher repräsentative Dinge. Ich muss da reinwachsen.“ Die Arbeit in der Stiftung, das ist zu spüren, liegt ihr am Herzen, ist ein ganz wesentlicher Teil in ihrem neuen Leben. „Vielleicht gibt es mir soviel Kraft, dass ich es jeden Tag mache.“

(Michael Rossmann, dpa)

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