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Meine Stadt Gilde-Mitarbeiter im Warnstreik – Brauerei-Chef kritisiert Gewerkschaft
Hannover Meine Stadt Gilde-Mitarbeiter im Warnstreik – Brauerei-Chef kritisiert Gewerkschaft
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15:12 02.10.2019
Mitarbeiter der Gilde-Brauerei in Hannover haben ihre Arbeit niedergelegt. Quelle: Dröse
Hannover

Saures Bier gibt es bei der Gilde nicht, saure Bierbrauer am Mittwoch hingegen schon. Mitarbeiter der Gilde-Brauerei legen für 14 Stunden ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätte (NGG) hat die 136 Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen. Die NGG fordert ein „umfassendes Tarifpaket für die komplette Brauerei-Belegschaft“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Seit 4.30 Uhr sind die Beschäftigten im Ausstand. Der Streik soll bis 19 Uhr andauern und alle Schichten treffen. „Die Brauerei läuft nur holprig“, sagt die für die Region Hannover zuständige NGG-Geschäftsführerin Lena Melcher. Ein Großteil der Belegschaft habe sich dem Streik angeschlossen. Nur einige wenige Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen seien noch in der Brauerei. Laut Betriebsrat Julian Weinz (34) lief zur Mittagszeit nur noch eine Abfüllanlage. „Auch die Verladung stockt.“

„Viele Gesichter vor dem Werktor kennen wir gar nicht“

Gilde-Chef Mike Gärtner kritisiert indes die NGG, sie spiele eine unrühmliche Rolle: „Obwohl die Vertreter, genau wie der Betriebsrat und die Belegschaft um die wirtschaftliche Situation der Gilde wissen, werden hier von vorne herein nicht erfüllbare Wünsche thematisiert. Jeder Streik schadet dem Unternehmen zusätzlich. Glücklicherweise überwiegt die Vernunft in der Belegschaft.“

Beschäftigte der Gilde-Brauerei streiken in der Südstadt. Quelle: Priesemann

Laut Gärtner sei Gilde weiterhin lieferbar. Er sei überzeugt, dass sich die NGG bei anderen Unternehmen für den Streik bedient habe, um Geschlossenheit zu demonstrieren. „Viele Gesichter vor dem Werktor kennen wir gar nicht.“

Der Tarifkonflikt bei der Südstadt-Brauerei schwelt schon länger. In der vergangenen Woche hatte die Gilde-Geschäftsführung eine geplante Tarifrunde abgebrochen und die Fortsetzung der Verhandlungen erst fürs kommende Jahr in Aussicht gestellt. „Der Ball liegt bei der Gilde-Geschäftsführung. Sie soll wieder an den Tarifverhandlungen teilnehmen, das muss Priorität haben“, sagt Melcher.

Tariflohn nur noch für die Hälfte der Mitarbeiter

Die Gewerkschaft fordert für die Gilde-Beschäftigten neben höheren Löhnen auch Weihnachtsgeld sowie eine betriebliche Altersvorsorge, die für die gesamte Belegschaft gelten soll. Denn seit der Übernahme der Gilde 2016 durch die Brauereigruppe TBC gelten tarifliche Arbeitsbedingungen laut NGG nur für etwa die Hälfte der Beschäftigten.

Beschäftigte, die 2016 einstellt wurden, verdienen laut Weinz für die gleiche Arbeit im Durchschnitt 15.000 Euro brutto weniger im Jahr als ihre Kollegen. „Das ist demotivierend und super frustrierend“, sagt Heiko Rösemeier (43). Er arbeitet seit 2016 in der Gilde-Logistik als Stapelfahrer und bekommt 15,31 Euro die Stunde. Seine Kollegen mit alten Verträgen verdienen 20,80 Euro die Stunde.

Betriebsratsvorsitzender Julian Weinz und Heiko Rösemeier Quelle: Sascha Priesemann

Gärtner lässt die Darstellung der NGG nicht gelten. „Die Mitarbeiter, die wir von der Gilde übernommen haben, bekommen höhere Löhne, als die NGG sie mit irgendeiner Brauerei in Niedersachsen ausgehandelt hat.“ Dies sei wirtschaftlich eigentlich nicht machbar, dennoch hätten die Mitarbeiter die Zusage, dass keine Kürzungen vorgenommen würden.

Er räumt ein, dass für die ab 2016 eingestellten Beschäftigten andere Konditionen gelten. „Diese liegen aber noch immer 50 Prozent über dem Mindestlohn. Die Mitarbeiter wussten das von Anfang an und konnten sich auf dieser Basis für eine Anstellung entscheiden.“ Dass nur noch etwa die Hälfte der Mitarbeiter die höheren Löhne bekämen, sei indes eher eine gute Nachricht. „Das zeigt, dass wir die Belegschaft in den vergangenen drei Jahren verdoppelt haben, während andernorts tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Die NGG ist für solche Argumente nicht offen und ignoriert die wirtschaftlichen Gegebenheiten“, kritisiert Gärtner.

Gilde-Geschäftsführer Mike Gärtner Quelle: Villegas

Neben den Tarifauseinandersetzungen sorgen auch die Umstrukturierungspläne für Unmut bei der Belegschaft. Die Gilde-Geschäftsführung plant drei weitere Gesellschaften. Seit 2016 gibt es bereits die Gilde Brauerei GmbH mit Bierproduktion, Qualitätskontrolle und Technik sowie die Gilde Vertriebs GmbH für den Bereich Verkauf. Neu hinzu kommen sollen drei weitere Gesellschaften: die Leine Logistik GmbH, die Hannoversche Abfüllgesellschaft mbH für die Dosenabfüllung und die Fass- und Flaschenabfüllgesellschaft Hannover.

Umstrukturierung hat Vorrang vor Tarifeinigung

„Das sorgt für weitere Unsicherheit“, sagt Weinz. Die Stimmung in der Gewerkschaft sei angespannt. „Wir können nicht verstehen, warum das noch in diesem Jahr passieren soll, während die Tarifverhandlungen wieder nach hinten verschoben werden“, sagt Melcher. Sie sieht die Gefahr, dass die Tarifauseinandersetzung schwieriger für die Gewerkschaft werden, sollte die Gilde-Geschäftsführung ihre Pläne realisieren. „Dann müsste ich für vier Firmen verhandeln“, befürchtet Melcher. Auch Weinz, der bei der Gilde gelernt hat, fordert ein Ende des „Wildwuchs“ bei der Brauerei: „Tarifverträge sollen endlich wieder für uns alle gelten.“

Gärtner, zugleich Mit-Geschäftsführer bei der TCB, betont, dass die Umstrukturierung nicht mit einem Mitarbeiterabbau verbunden sei. Ziel sei es, das Unternehmen effizienter zu machen und für die Zukunft besser aufzustellen. Denn Gilde schreibe trotz „überdurchschnittlicher Wachstumsraten“ weiterhin rote Zahlen.

Lesen Sie auch: Gilde Brauerei kündigt zwei neue Sorten für 2019 an

Von Sascha Priesemann

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