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Meine Stadt Tarifkonflikt bei Gilde gärt weiter: Landtagspolitiker schalten sich ein
Hannover Meine Stadt Tarifkonflikt bei Gilde gärt weiter: Landtagspolitiker schalten sich ein
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17:56 20.11.2019
Das gildet nicht: Mitarbeiter der Gilde-Brauerei demonstrieren vor dem Landtag. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Die Tarifpolitik ihrer Geschäftsführung stößt den Mitarbeitern der Gilde-Brauerei weiterhin sauer auf: Am Mittwoch versammelten sich Teile der Belegschaft bereits zum sechsten Mal im Tarifkonflikt zu einem Warnstreik. Dieses Mal vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover. Für 24 Stunden legten Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Solidarität vieler Politiker war ihnen dabei sicher – darunter die des Niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius und der SPD-Fraktionschefin Hanne Modder.

„Immer mehr Unternehmen verdrücken sich aus dem Tarif – das wollen wir nicht!“, rief Modder unter dem lautstarken Jubel der Gilde-Belegschaft. „Wir sind an Eurer Seite! Für uns gilt: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Genau hier verläuft die Konfliktlinie im brauereiinternen Arbeitskampf: 2016 wurde das älteste Unternehmen der Landeshauptstadt vom Inbev-Konzern durch TCB Beverages übernommen. Die Produktion wurde deutlich erhöht, die Belegschaft nahezu verdoppelt. Allerdings erhielten die neuen Mitarbeiter keinen Tarifvertrag mehr, was laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zwischen den Kollegen bei gleicher Arbeit zu Lohnunterschieden von etwa 15.000 Euro brutto im Jahr führt. Viele Mitarbeiter schäumen inzwischen vor Wut.

Derzeit keine Gespräche mit der Geschäftsführung

Längst hat der Arbeitskampf begonnen: Mehrere Anläufe von Gewerkschaften gab es bereits, diese Unterschiede zwischen den mehr als 130 Beschäftigten zu beseitigen. „Doch die Geschäftsführer weigern sich unverändert, mit uns an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, so Lena Melcher, Geschäftsführerin der NGG in der Region Hannover. Ein Verhalten, das bei der Belegschaft das Fass zum Überlaufen brachte und mehrfach zum Streik als Mittel griff. Melcher: „Die Blockadehaltung ist schlichtweg inakzeptabel!“

Nicht nur das – sondern sogar undemokratisch, wie die Grünen-Politiker Eve Viehoff und Sven-Christian Kindler auf der Demonstration betonten. „Demokratie darf nicht vorm Werkstor enden“, so Kindler. Die Bestrebungen der Geschäftsführung, Gilde in vier GmbHs zu unterteilen, dürfe nicht dazu dienen, den Betriebsrat und dessen Mitbestimmungsrechte zu schwächen, so Viehoff.

SPD trifft sich mit Gilde-Chefs

Im Laufe der Demonstration gesellte sich noch weitere politische Unterstützung zu den Protestlern: Die SPD-Landtagsfraktion samt Innenminister Boris Pistorius nutzte eine Sitzungspause, sich vor der Tür des Landtags solidarisch zu erklären. Man wolle sich für Verhandlungen starkmachen, so SPD-Landtagsabgeordneter Frank Henning. „Wir haben die Gilde-Geschäftsführung bereits angeschrieben.“

Die SPD-Landtagsfraktion zeigte sich solidarisch mit den Gilde-Mitarbeitern. Quelle: sip

Gilde-Geschäftsführer Michael Gärtner bestätigte das gegenüber der NP. „Wir haben uns bereits über einen Termin verständigt.“ Auch mit der NGG gab es bereits mehrere Gesprächsrunden. „Allerdings ignoriert die NGG wider besseren Wissens die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Wir haben klar gemacht, dass wir uns keinen Gesprächen verweigern, wenn die wirtschaftliche Lage dies auch zulässt. Die Forderungen der NGG von über 1,5 Millionen Euro mehr Lohnsumme pro Jahr sind einfach nicht leistbar.“ Um diese transparent darzustellen, habe man Testate und Gutachten vorgelegt, dem Betriebsrat sogar einen Experten seiner Wahl bezahlt, um diese zu prüfen.

Noch keine Engpässe bei Gilde

Unter Engpässen leidet das Unternehmen wegen der Streiks laut Gärtner aber nicht: „Es gibt viele Mitarbeiter, die einsehen, dass ein Streik die wirtschaftliche Situation nicht verbessern kann, sondern das Unternehmen und damit Arbeitsplätze nur in Gefahr bringt. Diese Mitarbeiter halten den Geschäftsbetrieb aufrecht.“

Hopfen und Malz sind bei Gilde noch nicht verloren. Ob die Proteste aber noch verschärft werden, zeigt sich am kommenden Montag. Dann lädt die NGG zur Urabstimmung, bei der die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft über weitere Arbeitskampfmaßnahmen entscheidet – auch unbefristete Streiks wären dann möglich.

Von Simon Polreich

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