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Meine Stadt Talk über Mobilität: Weg zur Verkehrswende wird lang und teuer
Hannover Meine Stadt Talk über Mobilität: Weg zur Verkehrswende wird lang und teuer
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09:31 15.05.2019
Quelle: Arne Dedert/dpa
Hannover

Wie bekommt Hannover die Verkehrswende sowohl im innerstädtischen Ballungszentrum als auch in der Region in die auf die Straßen? Unter dem Titel „Mobilität in der Region Hannover – Was die Menschen bewegt“, lud der Regionstalk der CDU-Fraktion mit Experten aus Politik, Verkehr und Wirtschaft nach. Zumindest in einigen Punkten waren sich am Ende alle einig: Die Nutzer unterschiedlicher Verkehrsträger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Wende wird mit ein paar Radschnellwegen allein nicht zu schaffen sein. Und sie wird sehr teuer werden.

„Da findet ein Verteilungskampf statt“

Die Entwicklungen von tragfähigen und intelligenten Mobilitätsangeboten ist eine Herausforderung, der sich Hannover auf vielfältige Weise stellen muss. Das fängt schon bei der Regionalität an. Letztlich müsse der Situation einer Studentin in der List genauso Rechnung getragen werden wie der einer Rentnerin in Stöckendrebber am nördlichsten Zipfel von Neustadt – so das plakative Beispiel von Martin Brüning, Moderator des Talks. „Mehr Radverkehr, mehr öffentlicher Verkehr und mehr Personen, die in einzelnen Fahrzeugen transportiert werden – das sind Elemente einer modernen Verkehrspolitik“, sagte Verkehrsexperte Martin Randelhoff zum Einstieg in die Runde. Letztlich laufe es aber auf einen Aushandlungsprozess von verschiedenen Interessen hinaus, bei dem ein Konsens gefunden werden muss. Ein Problem, das sich auch in Hannover widerspiegelt: Es gibt Wachstum in unterschiedlichen Verkehrsarten, die auf eine Infrastruktur treffen, die für sie nicht mehr adäquat ist. „Da findet ein Verteilungskampf, bei dem einige etwas abgeben müssen“, so Randelhoff. „Das wird sicher auch der Kfz-Verkehr sein, weil der sehr große Flächen in Anspruch nimmt und dafür vergleichsweise ineffizient ist.“

Chance für den ÖPNV?

Die Chance also für den ÖPNV vorzupreschen? Regiobus-Geschäftsführerin Elke van Zadel stellte klar, dass sie nicht im Kampfmodus ist: „Wir müssen im Umweltverbund zusammenarbeiten und gemeinschaftliche Lösungen finden. Eine Eindimensionalität im ÖPNV und ein Kreisen um uns selber bringt uns nicht voran“. Verkehr sei letztlich kein schnelllebiger Prozess, sondern brauche Zeit. Aber, so van Zadel: „Der ÖPNV ist als Massenverkehrsmittel ein Träger des Umweltbundes, der die anderen Teilnehmer mitnehmen muss.“ Trotz des steigenden Ökologie-Bewusstseins in der Bevölkerung kann von einer Welle des Zuspruchs für den Regiobus aktuell noch keine Rede sein. „Wir sind darauf vorbereitet, wir warten auf die Welle. Aber trotz vieler Maßnahmen, die wir ergriffen haben, spielt der Trend gerade leider etwas gegen uns“, gab die Regiobus-Geschäftsführerin unumwunden zu.

Für Martin Prenzler, Chef der City-Gemeinschaft, ist der Streit um die Verkehrswende längst auf den Straßen angekommen. In der Innenstadt komme es immer wieder zu Situationen, in denen sich Auto- und Radfahrer bei der Verteidigung ihres Verkehrsraums in die Haare bekommen. „Wir haben es falsch vorgelebt. Mittlerweile sind Gäste die nach Hannover kommen, erschrocken von dem Miteinander im Verkehr.“ Er wünsche sich daher eine weniger populistische Diskussion, die immer wieder die Lager gegeneinander aufbringt.

Radschnellwege „nicht zielführend“

Beim Thema Radverkehr vertrat Felix Semper, Sprecher der CDU-Ratsfraktion für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr eine klare Meinung: Radschnellwege hält er „für nicht zielführend“ und eine „Mogelpackung“. Erst müssten die innerstädtischen Radwege verbessert und ausgebaut werden. „Wenn man mal genau hinguckt, gibt es da erhebliche Probleme.“ Beim ÖPNV bemängelte er zudem ein teils unübersichtliches Preissystem, das für den Bürger nicht immer attraktiv im Vergleich zum Auto sei.

Apropos Auto: Eberhard Wicke, verkehrspolitischer Sprecher der CDU sieht gute Chancen, das E-Mobilität bald im Pkw-Bereich durchsetzt. Die Autobranche arbeite mittlerweile daran, die Infrastruktur zu schaffen. „Ich gehe davon aus, dass das sehr schnell geschieht und dann wir die E-Mobilität kommen. Wir müssen aber bedenken, dass das ein langer Prozess wird.“ Letztlich hätten die Autobauer den Trend schlichtweg verschlafen.

Auch für E-Autos ist der Platz endlich

Auch für E-Autos sei der Platz laut City-Gemeinschaft-Chef Prenzler aber endlich. „Wir müssen Abschichten nach Prioritäten. Da muss das Anspruchsdenken bei vielen weg.“ Letztlich müsste der Wirtschaftsverkehr gegenüber dem Individualverkehr Vorrang haben. „Die ganzen Arbeitsplätze, die draußen unterwegs sind. Die möchten ihre Aufträge abarbeiten. Die möchten unser aller Steuergelder verdienen.“ Auch das Thema Lieferverkehr sei in Zusammenhang mit der Debatte um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ein ganz heißes Thema.

Von André Pichiri

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