Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Busfahrer Ömer Gin: Trotz vieler Handicaps im Traumberuf gelandet
Hannover Meine Stadt Busfahrer Ömer Gin: Trotz vieler Handicaps im Traumberuf gelandet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:19 03.12.2019
Im Traumberuf: Ömer Gin arbeitet als Busfahrer bei Üstra-Reisen. Seit Oktober ist er fest angestellt. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Die Geschichte von Ömer Gin ist eine, die Mut macht. Die aufräumt mit Vorurteilen über Flüchtlinge. Aber das ist der 42-Jährige schon lange nicht mehr. Der Mann, Jezide und Kurde, hat einen Schlussstrich gezogen unter seine Vergangenheit und die vielen Handicaps, auch unter Arbeitslosigkeit und Schwerbehinderung. Seit Oktober hat Ömer Gin eine feste Anstellung als Busfahrer bei Üstra-Reisen.

Wenn der dreifache Familienvater über seine Routen spricht, leuchten seine Augen. „Man merkt sehr schnell, dass jemand seine Arbeit mit Herzblut macht“, sagt Fahrmeister Wilfried Fischer. Ömer Gin sei „sehr gut unterwegs“, ein Gewinn fürs Unternehmen.

Jobcenter vermittelt

Die Üstra und ihre Tochter Üstra-Reisen haben Bedarf an Fachpersonal. Fischer: „Pro Jahr kommen durchschnittlich drei Fahrer übers Jobcenter zu uns. Es ist schön, wenn solche Maßnahmen greifen.“

„Ich danke Deutschland, dass es mich aufgenommen hat. Ich danke Jobcenter und Üstra-Reisen, dass mir neue Türen offen stehen“, sagt Gin. Er lebt seit 1992 in Hannover, will über die Jahre politischer Verfolgung und die daher rührende Behinderung nicht sprechen – auch aus Sorge um seine Familie.

In Deutschland angekommen

Viel wichtiger ist dem Busfahrer die Botschaft, angekommen zu sein. „Ich bin Deutscher seit Jahrzehnten“, berichtet er. „Schrift und Sprache habe ich mir selbst beigebracht.“ Frau und die beiden ältesten Kinder arbeiteten, der Jüngste (elf) gehe zur Schule: „Er ist mein ganzer Stolz.“

Die Zeit der Arbeitslosigkeit nach vielen Jobs muss für den Mann ein Drama gewesen sein. Im „Beratungs- und Integrationscenter“ (BIC) erzählte er irgendwann, dass Busfahrer eigentlich sein Traumberuf sei. Wunsch traf Bedarf – das Jobcenter hat die Ausbildung finanziert. 14,3 Millionen Euro stehen der Behörde für berufliche Wiedereingliederung in diesem Jahr zur Verfügung.

Krisensicherer Arbeitsplatz

Diesmal reichte eine fünfstellige Investition in Führerschein (den fürs Auto hatte Gin bereits) und Wissen über Personenbeförderung. Üstra-Reisen vermittelte noch interne Weiterbildung. „„Wir freuen uns, dass sich Herr Gin für den Beruf des Busfahrers entschieden hat und mit Unterstützung des Jobcenters die Qualifikation dafür erworben hat“, so Geschäftsführer Gerrit Preckel. Er habe jetzt einen krisensicheren und verantwortungsvollen Arbeitsplatz.

Sieht der Busfahrer genauso. „Ich liebe den Kontakt zu den Menschen. Selbst dichter Verkehr ist für mich kein Stress“, erzählt Gin. Sein eigenes Auto hat er der Tochter gegeben („sie braucht es für den Job“); er reist mit Bus und Bahn zum Schichtdienst an. „Natürlich nehmen wir Rücksicht darauf bei der Einteilung der Pläne“, versichert Fahrmeister Fischer. Er wünschte sich noch viel mehr Quereinsteiger. Menschen wie Gin, denen diese Arbeit einfach Spaß macht.

„Behinderte Menschen leisten wertvolle Arbeit“, betont Bärbel Höltzen-Schoh, Regionalchefin der Agentur für Arbeit Niedersachsen-Bremen. Jeder zweite schwerbehinderte Arbeitslose sei als Fachkraft einsetzbar, weil sehr gut qualifiziert. Sie wie auch das Jobcenter appellieren an Arbeitgeber, diesen Menschen eine Chance zu geben. Nicht nur Gin hat das verdient.

Lesen Sie auch

Jeder Zehnte in der Region ist schwerbehindert

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung – dieser Tag gilt gut jedem Zehnten in der Region. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor: Ende 2017 waren 117.200 Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent registriert.

„Menschen mit Behinderung sind nicht grundsätzlich weniger leistungsfähig als andere. Sie können wertvolle Arbeit leisten und zur Fachkräftesicherung des Unternehmens beitragen“, betont Bärbel Höltzen-Schoh von der Agentur für Arbeit.

An die von den Vereinten Nationen beschlossene Konvention erinnert eine Ausstellung im Regionshaus, Hildesheimer Straße 20, Hannover. In dem Verbindungsflur zum Altbau beschreiben Plakate den Weg, aber auch, was noch getan werden muss, damit Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen der Vergangenheit angehören. Zu sehen ist die Ausstellung bis Anfang Januar montags bis donnerstags 8 bis 17 Uhr sowie freitags 8 bis 16 Uhr.

Von Vera König

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) bildet in einem Modellstudiengang aus. Deshalb sind die Kapazitäten begrenzt. Das Oberverwaltungsgericht kann diese Argumentation nicht nachvollziehen.

03.12.2019

Die Marktkirche in der Altstadt von Hannover lädt in der Vorweihnachtszeit wieder zu ihrem Adventskalender ein. Mehrmals wöchentlich gibt es Andachten mit Musik, besonderen Rednern und eine besinnlichen Lichtinstallation.

02.12.2019

Die Gilde-Chefs haben das Unternehmen mitten im Tarifstreit in vier Firmen aufgeteilt. NP-Redakteur Simon Polreich warnt, dass das einen Imageschaden für die Marke nach sich ziehen könnte, der auf die Geschäftsführung zurückfällt.

02.12.2019