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Meine Stadt Suff-Paar: Angeklagter sieht sich als Opfer
Hannover Meine Stadt Suff-Paar: Angeklagter sieht sich als Opfer
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00:21 27.04.2019
ÜBERRASCHUNG: Alex D. will seine Freundin in Notwehr verletzt haben (rechts Anwalt Vyacheslav Varavin). Foto: Quelle: Wilde
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HANNOVER

Die Schwurgerichtskammer staunte nicht schlecht, als Alex D. (40) kurz vor Prozessende das Wort erhob. Der Angeklagte erklärte, dass er das eigentliche Opfer sei. Seine Freundin (37) habe ihn am 20. September 2018 mit dem Messer angegriffen und schwer verletzt. Motiv der Frau: Alex D. wollte die rein sexuelle Beziehung zu der 37-Jährigen beenden.

Das Gericht wird nun nochmal in die Beweisaufnahme einsteigen und Zeugen hören. Dieser Prozess wirft ein Schlaglicht auf das Trinker-Milieu in Garbsen. „Sie kam zu mir, wenn sie Sex wollte. Ich war ein Spielzeug für sie“, sagte der Angeklagte. Er wusste, dass ihm die Frau nicht gut tat. So habe er im nüchternen Zustand auch die körperliche Nähe zu ihr abgelehnt. Aber wenn er betrunken sei, habe er ihr nicht widerstehen können. Halb zog sie ihn, halb sank er (betrunken) hin.

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Angeklagter ein Sex-Maniac?

Das mutmaßliche Opfer hatte den Angeklagten als Sex-Maniac dargestellt. Ganz zu Anfang des Verbrechens hatten beide den Ehemann der Frau der Messerattacke beschuldigt. Was ist nun wahr?

Wahr ist, dass der Angeklagte von der Polizei nackt im Keller gefunden wurde. Mit 1,6 Promille im Blut. Seine „Freundschaft-plus“-Beziehung hatte drei Promille. Der Angeklagte hatte auch eine Schnittwunde an der linken Hand – eine klassische Abwehrverletzung. Schon in der Vergangenheit habe sie versucht, ihn zu erstechen. Verteidiger Vyacheslav Varavin meinte, dass sich entsprechende Verletzungen am Körper von Alex D. finden lassen.

Doch wieso wollte Alex D. seine Geliebte verlassen, sie hatten ja offenbar bis zuletzt Sex miteinander? „Zwei Alkoholiker zusammen, das geht nicht.“ Doch auch diese Version klingt nicht schlüssig. „Ihre Schilderungen passen nicht zu den Verletzungen. Die Messerstiche waren zielgerichtet“, erklärte Richter Wolfgang Rosenbusch. Zumal der Angeklagte selbst am Mittwoch noch sagte: „Wir hatten immer sehr viel Spaß im Bett.“

„Hatten immer sehr viel Spaß im Bett“

Dazu kommt, dass der Angeklagte bislang geschwiegen hatte. „Aus Liebe“ habe er nichts über den wahren Tathergang gesagt, meinte Alex D. Er war also bereit, für die Frau ins Gefängnis zu gehen. Angeblich sei das mutmaßliche Opfer auf eine andere Frau eifersüchtig gewesen. Mit dieser Frau wollte der Angeklagte zusammenleben. Doch Alex D. hatte keine intime Beziehung zu einer anderen Frau.

So oder so: Den Angeklagten erwartet keine hohe Strafe. Ein Psychiater konnte eine verminderte Schuldfähigkeit bei dem versuchten Totschlag nicht ausschließen. Richter Rosenbusch deutete an, dass den Angeklagten eine Therapie im Maßregelvollzug erwarte. Also eigentlich könnte der Mann nach seinem Urteil sofort in die Klinik. Weiter 15. Mai

Von Thomas Nagel