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Meine Stadt Weihnachtsfeier im Suchthilfe-Bauwagen
Hannover Meine Stadt Weihnachtsfeier im Suchthilfe-Bauwagen
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14:35 25.12.2018
Bei der Weihnachtsfeier am Suchthilfe-Bauwagen am Raschplatz werden Bratwürste ausgegeben.
Bei der Weihnachtsfeier am Suchthilfe-Bauwagen am Raschplatz werden Bratwürste ausgegeben. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die Kohle glüht, eine ordentliche Menge Kohle – denn 300 Bratwürste landen auf dem Grill unter der Raschplatzhochbrücke. Es ist die Weihnachtsfeier des Suchthilfe-Bauwagens. Dort konnten am 1. Weihnachtsfeiertag Menschen zusammenkommen, die sonst niemanden haben – und meist eben nicht mal ein richtiges Zuhause.

„Ich treffe hier Bekannte, deshalb komme ich her“, sagt Jerry. Er geht regelmäßig zu der Drogenhilfe-Einrichtung. Nett seien die Leute nicht alle und auch nicht immer – aber Stress gäbe es nur woanders, nicht am Bauwagen. Woanders ist die Straße, dort lebt auch Jerome, wie er eigentlich heißt, mit Gitarre. Während Jerry ein bisschen meckert, weil seine Bratwurst schon zu kalt sei, beißt Wolfgang beherzt zu. „Ich habe den ganzen Tag gehungert, damit ich hier richtig reinhauen kann“, erzählt der 45-Jährige. Auch er ist ein alter Bekannter in der Szene, ausgestattet mit Cap und 96-Schal. „Betet für die Roten“, ruft Wolfgang nach der Willkommensheißung mit anschließend kurzem Gebet.

Jerry links) ist regelmäßig am Bauwagen, Leiter Reinhard Grammlich kennt ihn schon gut. Quelle: Frank Wilde

Ausgerichtet wird die Feier vom Bauwagen-Träger, dem Neuen Land, einer christlichen Suchthilfe. Schon die ganze Woche stand unter dem Motto „Christmas in the City“. Gemeindemitglieder kommen da zusammen, national und sogar international. Sie helfen einander in der Suchtarbeit, lernen voneinander und versuchen natürlich möglichst viele Hilfsbedürftige auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Der Bauwagen hatte kürzlich fünf Wochen geschlossen. Wegen einer Änderung in der Verkehrsführung wurde er versetzt. Jetzt ist das Café wieder täglich geöffnet – das musste sich erstmal rumsprechen.

Carsten Gromberg (links) grillt Bratwürste, er ist seit vielen Jahren als Ehrenamtlicher dabei. Quelle: Frank Wilde

Heiligabend gab es im SOS-Bistro nebenan bereits ein Weihnachtsessen. Putengeschnetzeltes mit Reis und Gemüse wurde ausgegeben. 140 Gabel lagen bereit – die haben aber nicht gereicht. „Es waren gut 150 Leute da“, sagt Reinhard Grammlich, der Leiter des Drogenkontaktcafés. Das Angebot wird generell sehr gut angenommen, nicht nur an Weihnachten. Ehrenamtliche wie Uwe können sich das auf die Fahne schreiben. Zehn Jahre hilft er schon, um die Obdachlosen und Junkies wieder in ein normales Leben zu führen. Er sagt: „Wir bieten nicht nur den Ausstieg aus den Drogen, wir bieten auch eine Beziehung zu Gott.“

Die jungen Helfer singen gemeinsam im Bauwagen Weihnachtslieder. Quelle: Frank Wilde

Von Eva-Maria Weiß