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Meine Stadt Streit um die Kalihalde in Ronnenberg
Hannover Meine Stadt Streit um die Kalihalde in Ronnenberg
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09:19 26.04.2019
VOR DER HAUSTÜR:Der Haldenstumpf in Ronnenberg grenzt direkt an ein Wohngebiet.
VOR DER HAUSTÜR:Der Haldenstumpf in Ronnenberg grenzt direkt an ein Wohngebiet. Quelle: Foto: privat
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HANNOVER

Der Berg des Anstoßes steht am Rande eines Wohngebiets im Süden Ronnenbergs: Es sind die Reste der Kalihalde. Die hannoversche Firma Menke möchte den Haldenstumpf mit Bauschutt und Boden ummanteln und begrünen. Doch in Ronnenberg hat sich Widerstand gebildet, Bürger und Politik lehnen das vehement ab. „Es kann doch nicht die Lösung sein, eine Altlast mit weiteren Altlasten abzudecken“, sagt Ulrich Schmersow, Grünen-Abgeordneter im Regionsparlament aus Ronnenberg. „Wenn irgendjemand eine bessere Lösung weiß, wir sind offen für Gespräche“, sagt Stefan Entrup, Geschäftsführer der Firma Menke Umwelt Service.

Allerdings ist der Gesprächsstrom zwischen Unternehmen, Bewohnern und Politik in Ronnenberg versiegt. Anders als der Bach aus Salzlauge, der stetig aus dem Haldenstumpf herausfließt – eine ökologische Belastung für die Fösse, die hier als klinisch tot gilt. So wie es ist, kann es nicht bleiben. Doch das, was Menke plant, wollen die Ronnenberger auch nicht.

Seit 1975 wird im Kalibergwerk Ronnenberg kein Salz mehr gefördert. Geblieben ist die Halde. Ab Mitte der 90er Jahre wurde das Material genutzt, um die Schachtanlage Asse zu verfüllen. Zwei Drittel der Halde wurden bis 2004 abgetragen, dann soff die Asse ab, weiteres Material konnte nicht eingebracht werden. Nebenan war ein Neubaugebiet entstanden, mit der Aussicht darauf, dass der Berg verschwindet. Der Stumpf steht aber bis heute. Man schaute gern nach Empelde, wo die dortige Halde 30 Jahre lang ummantelt und begrünt wurde. So was wäre doch auch was für Ronnenberg, war zu hören.

Einladung sorgt für Verwirrung

Die Firma Menke wollte sich des Projektes annehmen. Im Sommer 2018 gab es deswegen ein Treffen beim zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Kurz darauf lud die Firma einige direkte Anwohner in Ronnenberg zu einem Spaziergang zum Vorbild in Empelde ein. Dort habe er noch das Gefühl gehabt, dass man mit den Anwohnern ins Gespräch kommen könne, sagt Menke-Geschäftsführer Entrup heute.

Doch schon diese Einladung sorgte für Verwirrung, waren doch nur wenige Anlieger eingeladen worden, viele fühlten sich übergangen. Nicht mal die Verwaltung wusste offiziell Bescheid. Bei einer Bürgerversammlung im vergangenen November wollte Entrup den Ronnenbergern das Projekt schmackhaft machen. Schnell wurde es hoch emotional bei dem Treffen, mehr als 400 Anwohner waren gekommen. Denn in Ronnenberg steht die Halde – anders in Empelde – direkt neben dem Wohngebiet mit hunderten Wohneinheiten und mehreren Kindergärten.

Die Anwohner befürchten jahrzehntelange Belastungen: Sie rechnen mit 20 bis 30 Jahren Bauzeit, mit Lärm, Schmutz, belastetem Bauschutt, bis zu 60 Lkw-Fahrten pro Tag und Wertverlust ihrer Grundstücke. Nicht zuletzt wird die Halde bei einer Ummantelung nicht kleiner, sondern wächst wieder auf bis zu 35 Meter an. Es gäbe also reichlich Gesprächsbedarf. Seit der Info-Veranstaltung ist die Kommunikation aber komplett abgebrochen.

„Massive Ängste“ bei den Anwohnern

Die Politik ist auf Seiten der Bürger: In seltener Eintracht beschloss der Rat der Stadt einstimmig eine Resolution, dass man Ummantelung und Begrünung ablehnt. in Kürze wird wohl auch durch die Regionsversammlung das Papier verabschieden. Man fordere die Firma Menke auf, ihr Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, heißt es in der Resolution. „Wir müssen die Sorgen der Anwohner ernst nehmen, da gibt es massive Ängste“, sagt Paul Krause, SPD-Ratsmitglied und Regionsabgeordneter. Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms setzt auf eine Versachlichung der Diskussion. Sie hofft, dass man den Gesprächsfaden wiederfindet, und dass Menke offensiver auf Bürger und Politik zugeht. Sie erwarte, dass die Genehmigungsbehörde weitere Möglichkeiten prüft. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ummantelung die einzige Lösung ist.“

Menke-Chef Entrup hält weiter an den Plänen fest. „Das ist ein sinnvolles Vorhaben.“ Auch er will wieder ins Gespräch kommen, falsche Zahlen korrigieren, neue Pläne präsentieren. Man könne den Anwohnern in vielen Punkten entgegenkommen, heißt es. Menke sei ein alteingessenes Unternehmen, man wolle niemanden übervorteilen. Im Gegenteil: „Ich hatte am Anfang gedacht, dass das ein richtig schönes Vorzeigeprojekt werden kann, von dem alle was haben.“

Von INKEN HÄGERMANN