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Meine Stadt Streit um „Little Home“: Obdachlose will nicht umziehen
Hannover Meine Stadt Streit um „Little Home“: Obdachlose will nicht umziehen
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19:32 12.07.2019
Das „Little Home“ einer Obdachlosen steht seit Wochen in einer Straße in Ricklingen. Nach Angaben der Stadt ist dies nicht erlaubt. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Es fing alles als schöne Geschichte an. Im Dezember des vergangenen Jahres schenkte der Kölner Verein „Little Home“ einer Obdachlosen eine winzige Unterkunft aus Holz. Es war das erste Drei-Quadratmeter-Haus, das die Gruppe um Gründer Sven Lüdecke in Hannover aufgebaut und aufgestellt hat. Doch nun gibt es Streit. Denn die Obdachlose weigert sich, den Stellplatz zu wechseln. Ihr Mini-Haus steht darum seit dem 21. Juni nicht mehr auf dem privaten Gelände der Sankt-Augustinus-Gemeinde, sondern am Rand einer kleinen Straße in Ricklingen auf öffentlichem Grund.

Dort sind die Menschen von ihrer Nachbarin zunehmend genervt. Zum einem blockiere sie mit ihrem nur notdürftig mit Flatterband gesicherten Haus zwei Parkplätze. Zum anderen sei das Auftreten der Frau schwierig. „Sie ist rotzfrech und abgebufft“, sagt eine Seniorin. Sie möchte ihren Namen aus Angst vor der Wohnungslosen nicht in der Zeitung lesen. Weil sich am Donnerstag zwei Mitarbeiter der Stadt Hannover das „Little Home“ näher anschauten und mit ihrer Bewohnerin sprachen, hoffen die Anwohner nun darauf, dass das mobile Häuschen bald verschwindet. „Hoffentlich tut sich da jetzt was. Ich frage mich, wer sowas genehmigt“, sagt eine Nachbarin.

Das „Litttle Home“ steht mitten in einer Straßen in Ricklingen und blockiert zwei Stellplätze. Quelle: Christian Behrens

Der Verein „Little Home“ hatte mit der Kirchengemeinde ausgehandelt, dass die Holzhütte dort drei Monate stehen kann. Dies sei so üblich, sagt Lüdecke, damit der Stellplatzvergeber sich nicht zu lange binde. Diese Vereinbarung wurde im März um weitere drei Monate verlängert und lief nun auf Wunsch der Gemeinde aus. „Das lag am Verhalten der Obdachlosen. Sie hat sich zu stark in die Gemeinde eingemischt. Sie wollte Türen für Wohnungslose öffnen, durch ihr Auftreten hat sie aber für Skepsis gesorgt“, sagt Herbert Stürwold aus dem Kirchenvorstand.

„Wir sind enttäuscht vom Verhalten der Frau“

„Little Home“ hatte der Obdachlosen vier neue Stellflächen angeboten. Doch sie weigert sich bis heute, umzuziehen. Sie sieht sich als Opfer, meint die Gemeinde und der Verein wollten ihr das Haus wegnehmen. „Das stimmt überhaupt nicht. Wir sind sehr enttäuscht von dem Verhalten der Frau. Wir können ihre Sturheit und Bockigkeit nicht nachvollziehen“, sagt Lüdecke.

Hier lesen: Gründer von „Little Home“ wehrt sich gegen Vorwürfe

Als die Wohnbox im Juni an den neuen Stellplatz gebracht werden sollte, „besetzte“ die Obdachlose ihr Haus, sodass der Abschleppwagen dies nicht wegbringen konnte. Als sich dann auch noch Nachbarn einmischten, die die Frau unterstützten, eskalierte sie Situation so sehr, dass die Polizei kommen musste. Stürwold und Lüdecke hatten die Beamten schon vorgewarnt, weil sie vermuteten, dass es zu einem Konflikt kommen könnte. Das „Little Home“ wurde dann von den Polizisten provisorisch auf die Straße geschoben. Dort steht es seitdem.

In einem Schreiben bittet die Obdachlose von Amtsmaßnahmen abzusehen. Quelle: Christian Behrens

An eins der Fenster hat die Obdachlose einen Brief gehängt. In dem Schreiben bittet sie von „Amtsmaßnahmen“ abzusehen und zunächst die „rechtliche Situation abzuklären.“ Zudem fordert sie, Baudezernent Uwe Bodemann und Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf einzuschalten. Demnach kümmere sie sich bereits um einen privaten Stellplatz. Anwohner berichten, dass sie einen der zahlreichen Kleingärtner in der Umgebung sucht, der sie auf seinem Grundstück aufnehmen möchte.

Viel Zeit bleibt ihr nicht mehr. Denn die Stadt wird die Obdachlose nun schriftlich auffordern, ihr Mini-Haus bis zum Ablauf einer noch nicht definierten Frist aus dem öffentlichen Straßenraum zu entfernen. „Das Abstellen des Little Home ist grundsätzlich nur auf Privatflächen erlaubt“, betont Stadtsprecherin Konstanze Kalmus.

Schadet die Obdachlose dem Verein?

Lüdecke versichert, dass die Frau weiter Unterstützung von „Little Home“ bekomme. „Aber nur, wenn sie diese auch annimmt. Das glaube ich derzeit nicht.“ Die Reputation seines Vereins sieht er nicht gefährdet. Allerdings befürchtet er nun, dass es deutlich schwieriger werden könnte, neue Stellplätze zu besorgen. „Das Verhalten dieser einen Obdachlosen könnte einige abschrecken“, befürchtet Lüdecke, der gerade in Köln sein hundertstes Mini-Haus baut. In Hannover stehen inzwischen vier Holzboxen.

Die Wohnbox ist notdürftig von der Polizei gesichert worden. Quelle: Christian Behrens

Stürwold will für seine Kirchengemeinde eine weitere Zusammenarbeit mit „Little Home“ oder ähnlichen Projekten jedenfalls nicht grundsätzlich ausschließen. „Es lag alleine an dieser Frau, dass wir das nicht fortsetzen wollten“, bekräftigt er.

Von Sascha Priesemann und Josina Kelz

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