Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannovers FDP-Fraktionschef: „Bin kein Fahrradhasser“
Hannover Meine Stadt Hannovers FDP-Fraktionschef: „Bin kein Fahrradhasser“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:19 26.06.2019
Erntete heftige Kritik: FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Er will generell keine Fahrspuren mehr für den Radverkehr opfern. Quelle: Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Die Sache sorgte schon für Riesenwirbel, bevor sie das zuständige Gremium erreicht hatte. „Bedarfsgerechte Aufteilung von Verkehrsflächen“ nennt es FDP-Mann Wilfried Engelke. Für das, was er darunter versteht, erntete er jedoch heftigen Widerspruch in den sozialen Netzwerken, wo sein Antrag schon vor dem Bezirksrat Mitte am Montag die Runde machte.

Engelke setzt sich darin dafür ein, dass beim Neu- und Umbau von Straßen im Stadtbezirk „zukünftig keine Radwegverbreiterungen mehr zu Lasten der Fußwege oder der Fahrbahnfläche vorgenommen“. Nichts gebracht habe das in der Vergangenheit, so sieht es Engelke. Die vielen Staus hätten schlechte Luft zur Folge und seien auch nicht gut für das Klima.

Anzeige

Breitere Radwege schlecht für Gesundheit und Klima?

Breitere Radwege schlecht für Umwelt, Gesundheit und Klima? So durfte man Engelkes Argumentation verstehen. In den sozialen Netzwerken sorgte dessen Vorstoß wohl auch deshalb für so viel Empörung, weil er die FDP nicht nur im Bezirk Mitte vertritt, sondern im Rat im Ampelbündnis mitregiert.

Der Fraktionschef selbst sprach von einem „Shitstorm“ und wehrte sich entschieden gegen die Vorwürfe: „Ich bin kein Fahrradhasser“, betonte er und listete auf, welche Verbesserungen für Hannovers Radverkehr er mit dem Ampelbündnis auf den Weg gebracht habe – von Radschnellwegen bis hin zu Velorouten.

Eine Mehrheit für seinen Antrag fand Engelke im Bezirksrat Mitte jedoch nicht. Nur drei CDU-Mitglieder hoben mit ihm die Hand. SPD, Grüne und die weiteren Mitglieder des Gremiums hielten nichts davon.

Keine Mehrheit für FDP-Vorstoß

Auch im Ampelbündnis ist keine Zustimmung für eine generelle Absage an breitere Radwege in Sicht. SPD-Verkehrsexperte Lars Kelich hält Engelkes Vorstoß für einen „verkehrspolitischen Fehler“. Zwar gebe es derzeit „überhaupt keine Notwendigkeit, über Spurverengungen zu reden“. Hannovers Radwege seien „breit genug“.

Wenn sich jedoch „Pulke von Radfahrern“ bilden sollten, müsse man die „Debatte neu führen“. Zudem hat Kelich mit dem Schiffgraben „eine Schwachstelle im Cityring“ ausgemacht. Da müsse man in Zukunft „mal sehen, wie man das löst“. Schon allein deshalb wolle er so einen Grundsatzbeschluss, wie Engelke ihn in Mitte wollte, nicht fassen.

Grüne fordern breitere Radwege in Hannover

Noch viel deutlicher fällt die Kritik der Grünen aus. Sie sehen bereits jetzt Bedarf für breitere Radwege. „E-Bikes, Lastenräder und nun auch E-Scooter brauchen Platz. Und auch den Fußverkehr wollen wir attraktiver machen“, sagt Elisabeth Clausen-Muradian, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen.

Das gehe aber nur, „wenn man unter Umständen auch mal Flächen vom Straßenraum wegnimmt“. Clausen-Muradian plädiert „für eine moderne Mobilitätswende“. Menschen, die nicht auf das Auto angewiesen sind, brauchten „attraktive Angebote“.

Von Christian Bohnenkamp