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Meine Stadt Bier-Boss rechtfertigt Umstrukturierung mit Wirtschaftslage
Hannover Meine Stadt Bier-Boss rechtfertigt Umstrukturierung mit Wirtschaftslage
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19:25 03.12.2019
Gilde-Geschäftsführer Karsten Uhlmann begründet die Aufspaltung der Brauerei in vier Gesellschaften mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten – jedes Jahr liefen fünf Millionen Euro Miese auf. Quelle: Franson
HANNOVER

Als man die Gilde Brauerei 2016 übernommen habe, sagt Karsten Uhlmann, sei man davon ausgegangen, die Traditionsbrauerei nach einem Jahr – also spätestens ab 2018 – in die Gewinnzone führen zu können. „Das haben wir bis heute nicht geschafft, unser Minus am Gilde-Standort hat sich seither auf 15 Millionen Euro angehäuft“, so der Chef der Brauerei, zugleich mit Mike Gärtner auch Geschäftsführer der Gilde-Muttergesellschaft, der TCB Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt/Oder. Für 2019 liege noch kein Ergebnis vor, es werde aber ebenfalls mit einem Minus enden, so Uhlmann. „Wir glauben, dass wir mit den vier Gesellschaften effizienter wirtschaften und endlich Gewinne machen können. Den Markt haben wir dafür.“

„Wir schließen nichts, wir planen auch nichts zu schließen“

Uhlmann hat am Dienstag Pressevertreter in die Brauerei in die Südstadt geladen, um Rede und Antwort zu stehen – und um zwei Vorwürfe zu entkräften. Die Brauerei sei nicht gesund, wie von der Gewerkschaft NGG behauptet, und die Aufsplitterung der Gilde in vier Gesellschaften sei keinesfalls die Vorbereitung für eine Abwicklung: „Wir schließen nichts, wir planen auch nichts zu schließen. Wir sind erfolgreiche Geschäftsleute, das haben wir schon an den Braustandorten Dresden, Frankfurt und in Frankreich bewiesen.“ Auch Hannover bekomme man hin.

Abfüllung der Gilde muss effizienter werden

Damit das aber passiere, müsse man die Brauerei umstrukturieren. „Wir müssen unsere Produktivität steigern. Die Abfüllung kommt nicht hinterher. Die aber ist für die Produktivität der Brauerei immens wichtig“, so Uhlmann. Anders ausgedrückt: Die Brauerei produziert zwar viel Bier, das aber kommt nicht schnell genug in Flasche und Dose. Es sei eine Spezialisierung der Mitarbeiter nötig, die Themen Flasche und Dose seien unterschiedlich.

Vier Geschäftsführer für die Gesellschaften

Mit Wirkung 29. November 4 Uhr morgens hat die Geschäftsführung deshalb drei neue Gesellschaften mit drei eigenen Geschäftsführern an den Start gebracht: die Leine Logistik GmbH mit Geschäftsführer Jonas Ludwig (rund 40 Mitarbeiter), die Fass-und Flaschenabfüllgesellschaft Hannover GmbH mit Michael Gerß als Chef (etwa 30 Mitarbeiter) und die Hannoversche Abfüllgesellschaft mbH für die Dosen mit Alexander Benkert als Geschäftsführer (rund 20 Mitarbeiter). Gesellschaft Nummer vier ist die alte Gilde Vertriebsgesellschaft mit ex-Wittinger- und Herrenhäuser Co-Chef Holger Bock (etwa 40 Mitarbeiter). Diese gibt es seit der Übernahme der Gilde durch die TCB Beverage 2016. Über allem steht schließlich noch die Gilde Brauerei GmbH mit den beiden Chefs Karsten Uhlmann und Mike Gärtner.

Nur 38 Prozent der Gehälter kann die Gilde erwirtschaften

Dem jährlichen Verlustgeschäft stehe nach Angaben von Karsten Uhlmann zwar ein steigender Umsatz von 27,8 Millionen Euro im Jahr 2016 auf gut 35 Millionen Euro im Jahr 2018 gegenüber, allerdings sei auch der Personalaufwand in diesem Zeitraum gestiegen: von 5,87 Millionen Euro 2016 auf 7,74 Millionen Euro im vergangenen Jahr. „Nur 38 Prozent der Gehälter hat die Gilde im vergangenen Jahr erwirtschaften können, die beiden Jahre davor waren es noch weniger“, führt Uhlmann aus. Den Rest begleiche die Muttergesellschaft TCB. „Die Gilde Brauerei ist defizitär, wir können den Gehaltsforderungen der Gewerkschaft nicht nachkommen.“ Die will eine Angleichung für Gilde-Mitarbeiter, die nach 2016 eingestellt worden sind und derzeit nicht nach Tarif bezahlt werden. Würde Gilde deren Gehälter angleichen, entstünden zusätzliche Lohnkosten von 1,5 Millionen Euro, so Uhlmann: „Das gibt der Standort wirtschaftlich nicht her.“

Aus Sorge vor Eskalation keine Vorab-Infos an Mitarbeiter

Dass die Umstrukturierung quasi in einer Nacht und Nebel-Aktion um 4 Uhr morgens am Freitag, 29. November, noch dazu mit Stellwänden, auf den Weg gebracht worden ist ohne die Mitarbeiter vorab zu informieren, erklärt der Gilde-Chef so: „Wir hatten uns entschieden, die Mitarbeiter nicht langfristig vorab zu informieren, um einen reibungslosen Ablauf der Umstellung sicherzustellen.“ Den Betriebsrat habe man versucht einzubinden, allerdings habe sich der Kontakt zuletzt nur auf eine Mail im Oktober beschränkt. Die Stimmung in der Belegschaft sei aktuell aufgeladen, man habe Sorge vor einer Eskalation gehabt. Deshalb habe man als Startzeitpunkt auch 4 Uhr morgens gewählt – die Frühschicht beginne um 4.30 Uhr bis 5 Uhr morgens, bis dahin sollte alles fertig sein.

Trennwände im Gebäude kosten rund 20.000 Euro

Das Aufstellen der Trennwände in Kantine und Produktionshalle habe laut dem Gilde-Geschäftsführer rechtliche Gründe, denn man sei verpflichtet, für jede Gesellschaft Sozialräume zur Verfügung zu stellen. Rund 20.000 Euro hat sich das Unternehmen die Trennwände kosten lassen – mit Installation. Paradox: Die Essenausgabe in der Kantine ist weiterhin für alle 138 Mitarbeiter gemeinsam, ebenso der Kaffee-und Getränkeautomat – die Speisen müssen die Gilde-Brauer aber hinter der Stellwand ihrer jeweiligen Gesellschaft einnehmen. Den frühmorgendlichen Übergang in die Gesellschaften hatte die Gilde noch von einem Sicherheitsdienst begleiten lassen – eine reine Schutzmaßnahme, so Uhlmann. „Die Mitarbeiter haben am Freitagmorgen Umzugsboxen für die private Kleidung bekommen, die der Sicherheitsdienst bewacht hat.“

Weitere Streiks? „Die Produktion läuft weiter“

Über den Fortbestand des laufenden Arbeitskampfes macht sich Karsten Uhlmann aktuell keine Sorgen. „Die Mitarbeiter können auch weiter streiken, die Produktion läuft weiter.“ Nach seiner Einschätzung dürften allerdings ausschließlich die Mitarbeiter der Gilde-Vertriebs GmbH weiter streiken, da die drei neuen Gesellschaften noch keinen Betriebsrat hätten, und es deshalb auch keine Urabstimmung zum Streik gegeben habe. „Deren Streikbeteiligung halten wir für nicht rechtmäßig, wir unternehmen dagegen aber auch nichts.“

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Von Andreas Voigt

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