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Meine Stadt Hannover: Steht die GAF vor dem Aus?
Hannover Meine Stadt Hannover: Steht die GAF vor dem Aus?
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17:58 25.01.2019
Die Fotostrecke „Niemandsland“ von Daniel Chatard zeigt die Verdrängung von Ortschaften durch den Tagebau im rheinischen Braunkohlerevier. Quelle: Chatard
Hannover

Ein riesiger Bagger reißt die Kirche St. Lambertus am Rande des Tagebaus Garzweiler ab. Eines von vielen eindrucksvollen Bildern, die gerade in der Ausstellung „Identity Spots“ in der Galerie für Fotografie (GAF) zu sehen sind. Bachelorabsolventen der Hochschule Hannover zeigen hier ihre Abschlussarbeiten in Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Doch könnte das schon eine der letzten Ausstellung in der Galerie sein?

Rolf Nobel, emeritierter Fotoprofessor der Hochschule, schlägt Alarm. Denn in der Finanzierung der GAF klafft ein Loch: „Es ist nicht wahnsinnig groß, aber für einen gemeinnützigen Verein auf jeden Fall gefährlich“, sagt Nobel.

Der Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover betreibt die Galerie. Doch für den wird es immer schwieriger kostendeckend zu arbeiten: Seit September vergangenen Jahres muss der Verein für die Räumlichkeiten der Eisfabrik in der Südstadt Miete zahlen. In den vorigen wurden die selbst gestemmten Umbaukosten mit der Miete verrechnet. Allein das bedeutet Mehrkosten von 9000 pro Jahr. Und auch auf der Einnahmenseite läuft es nicht: Das alle zwei Jahre stattfindende Lumix-Festival warf zuletzt „einen kleinen Gewinn ab“, wie Nobel darlegt. Doch die Ausrichtung des Festivals geht nun wieder an die Hochschule – und damit auch der Gewinn. Eintritt verlangt die GAF generell nicht.

Der Verein hat deshalb schon Anfang 2018 einen Antrag auf einen Zuschuss gestellt: 20 000 Euro benötige der Verein, um die Galerie weiter zu betreiben. „Darauf wurde vom Kulturbüro immer positiv reagiert“, berichtet Rolf Nobel. Doch Ende 2018 der Schock: Der Kulturausschuss berücksichtigte die GAF nicht in ihrer Haushaltsplanung für 2019. Als sich Nobel in seiner Not nochmal an die Stadtverwaltung wandte, bekam er nun immerhin 7500 Euro zugesagt. „Das reicht allerdings bei weitem nicht“, sagt Nobel.

Nun muss die GAF sich projektbezogen finanzieren. das heißt: Für jede Ausstellung gilt es einen Finanzierungspartner zu finden. „Das ist ein Kampf auf Messers Schneide“, betont Nobel. Eine Schließung der GAF? Für Nobel wäre das ein Desaster – „gerade auch im Hinblick auf die Bewerbung zur Kulturhauptstadt.“ In der Außenwahrnehmung sei die GAF die einzige Galerie der Stadt mit überregionaler Bedeutung. Und schließlich fielen dann auch Ausstellungen wie „Identity Spots“ von jungen, talentierten Fotojournalisten hinten über.

Die Ausstellung „Identity Spots“ läuft noch bis zum 3. Februar.

Von Janik Marx