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Meine Stadt Steht Scholz vor dem Abgang bei VWN?
Hannover Meine Stadt Steht Scholz vor dem Abgang bei VWN?
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23:14 29.06.2018
TRANSPORTER-FAN: VWN-Chef Eckhard Scholz bei der Vorstellung des neuen Crafter im Jahr 2016.
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HANNOVER

Offenbar wird Eckhard Scholz, Vorstandschef der Marke VW Nutzfahrzeuge (VWN), das Unternehmen vor Ende des Jahres verlassen. Ein Sprecher wies das als „Personalspekulation“ zurück. NP-Informationen bestätigen allerdings die Nachricht, die zuvor schon das Branchenblatt „Automobilwoche“ vermeldet hatte.

Scholz war im September 2012 zum Sprecher des VWN-Vorstands berufen worden, zudem ist er der Vorstand für Entwicklung bei der Marke. Seit 2014 darf er sich – im Rahmen einer konzerninternen Aufwertung der Marke – Vorsitzender des Vorstands nennen. Seit rund sechs Jahren lenkt der 55-Jährige nun die Geschicke der Stöckener „Nutzis“. Zuvor war er mehrere Jahre Entwicklungsvorstand bei Škoda gewesen. In seiner bisherigen Amtszeit erneuerte der Ingenieur, der aus Königslutter stammt und mit Familie in Braunschweig lebt, die gesamte Produktpalette der Marke: Caddy, Transporter, Crafter und Amarok ka­men in den vergangenen Jahren mit der nächsten Generation oder zumindest einem umfassenden Facelift auf den Markt. Zudem wurde unter seiner Ägide das neue Crafter-Werk in Wrzesnia (Polen) gebaut und eröffnet.

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Laut Insidern geht Scholz nicht im Streit. Er wird offenbar aber nicht anderswo im Konzern eine neue Aufgabe übernehmen, sondern das große Volkswagen-Reich komplett verlassen. Ein Nachfolger dürfte noch nicht feststehen. Im aktuellen VWN-Vorstand drängt sich kein natürlicher Nachfolger für den 55-Jährigen auf – keiner von ihnen ist Ingenieur. Denkbar wäre, dass der frühere VWN-Produktionsvorstand (und Ingenieur) Jens Ocksen, Mitglied der VWN-Geschäftsführung und aktueller Vorstandschef von Volkswagen Poznań, zurück nach Hannover wechselt.

Hintergrund für Scholz’ Abgang könnten die Um­strukturierungen der vergangenen Monate sein: Im April beschloss der VW-Aufsichtsrat einen großangelegten Konzernumbau, der unter anderem eine Aufteilung der Marken in sechs verschiedene Gruppen bedeutet. VWN wurde dabei – wie die Marken VW, Škoda und Seat – der Volumengruppe zugeschlagen, die VW-Konzernboss Herbert Diess persönlich anführt. Gut möglich, dass der oberste – und außerordentlich machtbewusste – Konzernmanager deutlich mehr als bisher in Hannover hineinregieren will. Die Unabhängigkeit der Marke VWN steht nach NP-Informationen allerdings nicht zur Disposition.

Zudem wurde erst vor zehn Tagen verkündet, dass Volkswagen bei leichten Nutzfahrzeugen eine Kooperation mit Ford prüft, derzeit laufen die Gespräche, wie eine strategische Zusammenarbeit aussehen könnte. Unter anderem sind Projekte zur gemeinsamen Entwicklung von Nutzfahrzeugen geplant. Das könnte den Handlungsspielraum und strategische Überlegungen des VWN-Vorstands weiter einengen.

Scholz, ein langer, schlaksiger Manager mit jungenhaftem Lächeln, leitet die Marke VWN bisher mit Hingabe und Weitblick, er war an der Entwicklung des neuen Crafter beteiligt. Vor Jahren kaufte er sich einen alten Bulli der ersten Generation (T1), den er restaurieren ließ und nun privat fährt – für „die emotionalen Momente“, wie er mal sagte.

Von INKEN HÄGERMANN