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Meine Stadt Die verrückte Reise der Hindenburg-Särge
Hannover Meine Stadt Die verrückte Reise der Hindenburg-Särge
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11:14 14.08.2019
Verrückte Reise: Die Karte zeigt die Stationen, die die sterblichen Überreste von Gertrud von Hindenburg nahmen. Quelle: Grafik: Fleischhauer
Hannover

Wenn ein Mensch begraben wird, dann spricht man gerne von der „letzten Ruhestätte“. Im Falle von Gertrud von Hindenburg war es das nicht. Auch nicht die vorletzte. An zahlreichen verschiedenen Orten machten die sterblichen Überreste der Ehefrau des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg Station. Die verrückte Reise hat nun der Historiker Gerhard Schneider in seinem neuen Buch „Hindenburg in Hannover“ detailliert nachvollzogen. Ihren Anfang nahm sie in Hannover. Und fast wäre noch eine weitere Station dazu gekommen, hat Schneider herausgefunden.

Stattdessen fand Gertrud ihre (wahrscheinlich) letzte Ruhestätte in der Marburger Elisabethkirche. Neben ihrem Paul, dessen sterblichen Überreste fast genau so weit reisen mussten. „Dabei hatten die beiden mit Marburg eigentlich gar nichts am Hut“, sagt Schneider, der auch von einer „dramatischen Bestattungsgeschichte des Ehepaars Hindenburg“ spricht.

Kennt sich aus: Der Historiker Gerhard Schneider zeigt den Bereich des Stöckener Friedhofs, in dem Gertrud von Hindenburg begraben wurde. Quelle: Nancy Heusel

Der Ort, an dem sie ihren Anfang nahm, ist idyllisch. Am 14. Mai 1921 war Gertrud von Hindenburg an einer schweren Krebserkrankung im Alter von 60 Jahren gestorben. Ihr Mann hatte sich nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst 1919 in Hannover niedergelassen. Deshalb wurde sie am 18. Mai 1921 auf dem Stöckener Friedhof beigesetzt – unter riesiger Anteilnahme ehemaliger Soldaten und vieler Bürger. Der Generalfeldmarschall hatte eine schöne Stelle im Nordwesten des Geländes ausgesucht, in der Nähe des Sees.

Als einfacher, etwas erhöhter Efeuhügel sollte das Grab angelegt werden. Dazu ein Steinkreuz mit dem Namen, den Daten und dem Spruch: „Die Liebe höret nimmer auf“. So wünschte es Hindenburg. Er wollte später neben seiner Frau auf dem Stöckener Friedhof beerdigt werden.

Eine weitere Hindenburg-Grabstätte war im Gespräch

Die große Politik machte einen Strich durch den Plan. 1925 wurde Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt und wechselte in die Hauptstadt Berlin. Zu seinem 80. Geburtstag bekam Hindenburg 1927 das frisch sanierte Familiengut Neudeck geschenkt. Eine Entwicklung, die für Gertruds Überreste fast einen weiteren Umzug zur Folge gehabt hätte. In den Akten des Stöckener Friedhofs hat der Historiker Schneider einen Kostenvoranschlag vom 28. Mai 1930 gefunden, in dem es um „die Aushebung der Frau Generalfeldmarschall von Beneckendorff und von Hindenburg aus dem Ehrenbegräbnisse Abt. 30 Nr. 17 des Stadtfriedhofs Stöcken und Überführung derselben nach dem Gute Neudeck in Ostpreußen“. 1000 bis 1400 Mark sollte das kosten. Verwirklicht wurde dieser Plan allerdings nicht.

Nach Ostpreußen kamen die sterblichen Überreste von Gertrud von Hindenburg allerdings sehr wohl. Adolf Hitler hatte angeordnet, dass ihr am 2. August 1934 verstorbener Ehemann im monumentalen Tannenberg-Denkmal bestattet werden soll. Dieses sollte an eine Schlacht des Deutschen Ordens im Jahr 1410 sowie Hindenburgs an den Masurischen Seen gewonnene Schlachten vom 6. bis 14. September 1914 erinnern.

Im Juni 1936 folgte ihm seine Gertrud dorthin. Ihr Sarg wurde in einen bereits bestehenden Sarkophag eingelassen. Nachdem der Ortspfarrer im Rahmen einer bescheidenen Feier ein Gebet gesprochen hatte, wurde er verschlossen.

Pompös: Das Begräbnis Paul von Hindenburgs im Tannenberg-Denkmal am 7. August 1934. Quelle: Bundesarchiv Bild 183-2006-0429-502

Immerhin achteinhalb Jahre ruhten die Eheleute in dem burgähnlichen Monument Seite an Seite. Bis die Rote Armee im Januar 1945 ihren finalen Angriff auf das Deutsche Reich startete. Es dauerte nicht lange, bis Ostpreußen über den Landweg abgeschnitten war. Hitler wollte allerdings verhindern, dass das Tannenbergdenkmal – inklusive der Hindenburgs – in die Hände der Sowjets fällt.

Die Rote Armee kommt: Exhumiert und weiter per Schiff

Das Monument sprengten Pioniere. Das Ehepaar wurde exhumiert, in Pillau auf ein Schiff verladen, nach Stettin gebracht und weiter in einen Bunker nach Potsdam, wo die Hindenburgs neben den Särgen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. aufbewahrt wurden.

Als auch Potsdam nicht mehr sicher war, wurden die Särge im April mit 200 Fahnen und Standarten aus dem Ersten Weltkrieg, Kunstgegenständen und den preußischen Kronjuwelen in einen stillgelegten Kalischacht nach Bernterode in Thüringen gebracht.

Die Grabstätte von Paul von Hindenburg und seiner Frau Gertrud in der Elisabethkirche in Marburg. Quelle: dpa

Dort entdeckten sie die amerikanischen Besatzungstruppen. Sie brachten die Särge im Mai 1945 nach Marburg, zunächst ins Landgrafenschloss. Im Februar 1946 kamen sie ins Marburger Staatsarchiv, im August in die Elisabethkirche, wo sie seitdem liegen.

Stadt: Kein Platz freigehalten für Hindenburg

Und in Hannover? Da befindet sich in dem Areal des Stöckener Friedhofs, wo die Hindenburgs ursprünglich gemeinsam begraben sein sollten, noch eine größere Grünfläche. Der Historiker Schneider vermutet, dass „sie möglicherweise aus Pietätsgründen“ freigehalten wurde. Die Stadt verneint das jedoch nach Einsicht ihrer Akten. Die Grabstätte von Hindenburg habe 1997 einer neuen Grabanlage einer Familie Wisskirchen Platz gemacht, die bis heute stehe und in etwa dieselbe Fläche in Anspruch nehme, sagt Sprecherin Michaela Steigerwald.

Es gebe zwar daneben einen freien Platz. Allerdings nicht aus Gründen, „die im Zusammenhang mit Pietät oder dem Gedenken an die von Hindenburgs stehen könnten“.

Spuren der Familie: Unweit der früheren Grabstelle Gertrud von Hindenburgs wurden ihre Tochter Annemarie und ihr Ehemann Christian von Pentz begraben. Quelle: Nancy Heusel

Ihre Spuren haben die Hindenburgs dennoch auf dem Stöckener Friedhof hinterlassen. Ein kleiner Stein, in der Nähe der früheren Begräbnisstätte von Gertrud von Hindenburg, gehört der Familie „von Pentz“. Dort wurde 1978 Annemarie von Pentz beigesetzt, eine Tochter Paul von Hindenburgs. Immerhin sie fand in Hannover wirklich ihre letzte Ruhestätte.

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Von Christian Bohnenkamp

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