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Meine Stadt Stadt sucht Super-Schatzkästchen
Hannover Meine Stadt Stadt sucht Super-Schatzkästchen
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15:53 26.04.2019
Braucht eine neue Heimat: Das  Stadtarchiv in der Straße Am Bokemahle (Südstadt).
Braucht eine neue Heimat: Das Stadtarchiv in der Straße Am Bokemahle (Südstadt). Quelle: Villegas
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Hannover

Diese Immobilienanzeige könnte sich ungefähr so lesen: Schatzkästchen gesucht – auf mindestens 25 000 Quadratmetern, Innenstadt-nah, barrierefrei, energetisch Eins A, mit ausgeklügeltem Sicherheitssystem, konstanten Raumklima, spezieller hochwertiger Löschanlage sowie einem Werkstattbereich und das Ganze für möglichst einen Appel und ein Ei. Nun, ganz so günstig wird es wohl nicht werden, aber die Ausschreibung für das neue Stadtarchiv inklusive Depots für Museumsschätze läuft schließlich europaweit. Und der eine oder andere global agierende millionenschwere mögliche Investor ist zur Zeit ja auch nicht ganz so weit.

Einer wie Lars Windhorst etwa, dem mittlerweile das Ihme-Zentrum gehört, das als Schatzkästchen durchaus in Frage käme. „Wenn Herr Windhorst ein Konzept vorlegt, das den Anforderungen entspricht und wirtschaftlich ist, dann schließen wir ihn nicht aus“, betont Jeannette Leinenweber, Leiterin des Gebäudemanagements. Sie stellte gemeinsam mit Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf und Thomas Schwark, Leiter des Historischen Museums und des Fachbereichs Kultur der Stadt Hannover, die Ausschreibung vor. Leinenweber sagt aber auch: „Wenn wir jemanden finden, der Peek & Cloppenburg am Kröpcke raus- und dort zu unseren Bedingungen das Stadtarchiv rein bringt, dann habe ich damit überhaupt kein Problem“. Hannover sei eine wachsende Stadt, Flächen und Objekte seien begrenzt, auch viele Firmen suchten händeringend nach Immobilien, die gewerblich nutzbar seien.

Warum überhaupt die Suche? Das „Gedächtnis der Stadt“, das Stadtarchiv, platzt aus allen Nähten. „Geschichte wird gemacht, deswegen wachsen unsere Bestände“, erklärt Schwark die Problematik. Papier, so Konstanze Beckedorf, sei unglaublich schwer und müsse unter günstigeren Bedingungen archiviert werden, eine Erweiterung des Gebäudes Am Bokemahle (Südstadt) sei nicht möglich und eine Erweiterung der Fläche schon gar nicht.

Doch nicht nur das Stadtarchiv benötigt ein neues Zuhause, auch das Sprengel Museum, die Museen für Kulturgeschichte und Städtischer Kunstbesitz sowie Fachbereich Schule bräuchten dringend „umfangreiche Depotflächen“. Pragmatismus ist, wenn man dann ein großes Projekt für alle daraus macht. Zumal die „Anforderungen für alle ähnlich oder sogar gleich sind“, macht die Kulturdezernentin klar.

Bauliche Anforderungen wären zum Beispiel, dass die außenliegende Anliegerzone mit Lastwagen möglich sei und Transporter möglichst auch in die Halle fahren und dort wenden könnten. Wertvolle Gemälde könnte man nun mal nicht bei Frost und Hagel umladen, so Leinenweber. Ein großzügiger offener Eingangs- und Foyerbereich für Besucher ist das eine, Sicherheit vor Kriminellen das andere – also müssten elektronische Zugangskontrollen an allen Eingängen installiert werden. Für die Kunstwerke und historisch bedeutenden Sammlungen müsse es ein konstantes Raumklima gebe, aber auch die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen. Ach so: Fertig werden muss der Spaß auch noch und zwar spätestens zwei Jahre nach Abschluss des Vertrages.

Die Pläne müssen natürlich auch den Ratspolitikern vorgelegt werden und dort hatte es bereits im Vorfeld klare Erwartungshaltungen gegeben. Das Projekt muss city-nah sein, forderte etwa CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Woraufhin Pirat Thomas Ganskow das Ihme-Zentrum ins Spiel brachte. Nun hat die Stadt – „nach einer Markterkundung“, so Jeanette Leinenweber – einen Kreis von höchstens vier Kilometern um das Neue Rathaus gelegt, das den Ausschreibungsradius markiert. Ende Mai wird die Ausschreibung öffentlich, nach der Sommerpause am 28. August sollen die Angebote bewertet sein. Danach kann es schon losgehen mit dem Super-Schatzkästchen.

Und wer weiß? Vielleicht hat sich bis dahin ja auch das einstige kohlsche Wunderkind Windhorst geregt.

Von Petra Rückerl