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Meine Stadt Stadt plant Verbotszonen für Feuerwerk an Silvester
Hannover Meine Stadt Stadt plant Verbotszonen für Feuerwerk an Silvester
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00:21 14.12.2018
SILVESTER AM KRÖPCKE: Die Polizei zeigte in der Innenstadt Hannovers starke Präsenz.
SILVESTER AM KRÖPCKE: Die Polizei zeigte in der Innenstadt Hannovers starke Präsenz. Quelle: Behrens
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Hannover

Die Stadtverwaltung plant für Silvester ein oder mehrere Verbotszonen für Feuerwerk in der Innenstadt Hannovers. Details wie „der konkrete Radius eines Verbotes, der Umfang und die zeitliche Wirksamkeit“ stünden noch nicht fest, erklärt Pressesprecher Udo Möller. Darüber berate die Stadt noch mit der Polizei. Man könne aber davon ausgehen, „dass zumindest der Bereich rund um den Kröpcke betroffen sein wird“. Mitte nächster Woche soll das fertige Konzept dann vorgestellt werden. Auch ob das Verbot nur Böller und Raketen betreffen wird oder etwa auch Schüsse aus Schreckschuss-/Leuchtpistolen und ob etwa auch bengalische Feuer/Fackeln („Bengalos“) vom Verbot betroffen werden, soll erst dann erklärt werden.

Anlass für die dafür durch die Stadtverwaltung geplante „Allgemeinverfügung“ seien „Erfahrungen aus den Vorjahren, in denen es zu bedrohlichen und gefährlichen Situation in Zusammenhang mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern gerade im Innenstadtbereich gekommen ist.“

Retter mit Böllern beschossen

„Wenn es dazu führt, dass wir und andere Retter unsere Arbeit machen können, dann würden wir das begrüßen“ sagt Michael Hintz, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Hannover. Denn es komme immer wieder vor, dass Fahrzeuge und Retter im Einsatz „mit Böllern beworfen oder Raketen beschossen würden, oft in Verbindung mit Alkoholkonsum“, sagt Hintz, „da schauen wir mit Sorge drauf, absolut!“ Solche Vorfälle würden statistisch nicht erfasst, aber die Feuerwehr habe den Eindruck, „dass das zugenommen hat“.

„Wir begrüßen den Vorstoß der Landeshauptstadt“, erklärt Thorsten Hasse, Pressesprecher der Polizeidirektion Hannover. „Es kommt immer wieder vor, dass Böller und Raketen Richtung Kollegen im Einsatz fliegen – ob absichtlich oder aus Versehen, ist schwer feststellbar, doch es sind gefährliche Situationen.“ Unterm Strich seien die Jahreswechsel in den vergangenen Jahren in Hannover „durch unsere starke Präsenz in der Regel friedlich verlaufen“.

Politik hat Bedenken

„Ich habe so ein bisschen Bedenken, dass das dazu führt, dass sich alles mehr in die umliegenden Straßen und Stadtteile verlagert“, sagt Wilfried Engelke, Fraktionsvorsitzender der Rats-FDP. Er bedauert, dass er von dem Ansinnen erst durch die Presse erfahren hat: „Man hätte zumindest mal die Meinung der Politik einholen können – da hätte man solche und andere Aspekte einbringen oder klären können.“ Engelke fügt hinzu: „Ob die Bedenken berechtigt sind – da verlasse ich mich auf die Einschätzung von Polizei und anderen Experten.“

CDU-Fraktionschef Jens Seidel findet es „sehr ärgerlich“, dass „die Stadtverwaltung so ein wesentliches Thema“ erst mal „im stillen Kämmerlein“ vorantreibt. Da werde immer von Transparenz gesprochen, besonders vom Oberbürgermeister. Das nun sei „eine merkwürdige Art von Transparenzverständnis!“. Er hätte gerne mit Experten darüber gesprochen, bevor so ein „generelles Verbot“ verhängt werde. Einerseits könne er den Wunsch nachvollziehen, andererseits sei es so, „dass es irgendwie zu unserer Kultur gehört, dass man da ein Feuerwerk abbrennt – und das hat immer recht ordentlich geklappt. Es widerstrebt mir daher so ein bisschen, dass die Mehrheit darunter leiden soll, nur weil einige Idioten nicht in der Lage sind, sich anständig zu benehmen!“ Und man müsse sich auch fragen, was an Stellen außerhalb der Innenstadt sei: „Was ist mit dem Lindener Marktplatz? Dem Lindener Berg? Dem Stephansplatz?“ Seidel fordert: „Wer Böller oder Raketen auf Leute oder in die Menge wirft, muss deutlich bestraft werden. So, dass sie es merken, so, dass es sehr teuer wird, bis zu einem Monatsgehalt, dass es richtig wehtut und diese Menschen so was nicht mehr machen!“ Das sollte als eine Ordnungswidrigkeit gelten, die der städtische Ordnungsdienst verfolge, doch der sei „ja noch immer nicht einsatzbereit“.

Für Christine Kastning, SPD-Fraktionschefin im Rat, stellt es „kein Problem“ dar, dass die Politik bis dato nicht einbezogen war: „Ich finde es nachvollziehbar, wenn die Verwaltung angesichts der Sicherheitslage in der Stadt und wie sie sich wohl in den letzten Jahren entwickelt hat, zu der Bewertung kommt: Wir müssen etwas tun!“ Wichtig sei dabei eine „gute Partnerschaft mit der Polizei“. Kastning: „Ich hoffe, dass so dann in der Innenstadt ein besseres Klima hergestellt wird, wie man es sich an solch einem Abend wünscht, und die Leute friedlich ins neue Jahr reingehen.“

Freya Markowis, Fraktionschefin der Grünen im Stadtrat, wusste auch nichts von dem Verbotszonenvorhaben der Verwaltung. Sie sagt: „Ich finde das sinnvoll, weil dadurch Menschen geschützt werden und auch die Umwelt.“

Von Ralph Hübner