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Meine Stadt 138.400 Euro für wertvolle Hannover-Briefmarken
Hannover Meine Stadt 138.400 Euro für wertvolle Hannover-Briefmarken
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15:59 16.06.2019
Wertvoll: Dieser Brief aus dem Königreich Hannover, der 1863 von Hannover nach Karlsruhe ging. Gleich sieben 3-Pfennig-Marken wurden verwendet – eine Rarität, die 50.000 Euro einbrachte. Quelle: Auktionshaus Heinrich Köhler
Hannover

Vor der Reichsgründung 1871 war Deutschland ein politischer Flickenteppich. Für Freunde historischer Briefmarken ist das ein Segen. Denn die staatliche Vielfalt brachte viele unterschiedliche Marken mit sich, die heute selten und wertvoll sind. Auch das Königreich Hannover, das 1866 unterging, hatte sein eigenes Postwesen. 24 Lose, also Marken oder ganze Briefe, sind nun bei einer Auktion in Wiesbaden für zusammen 138.400 Euro versteigert worden.

Unter den Hammer kamen im Auktionshaus Köhler Teile der wertvollen Sammlung „Erivan“. Die Philatelie, das Briefmarkensammeln, war eine Leidenschaft des 2018 verstorbenen früheren Tengelmann-Chefs Erivan Haub. Eine seiner Sammlungen hatte die altdeutschen Staaten zum Thema. Dazu gehörten auch die Marken und Briefe aus dem Königreich Hannover.

50.000 Euro für Hannover-Brief mit sieben Marken

Den höchsten Preis davon erzielte ein Brief, der 1863 von Hannover nach Karlsruhe ging. Das entsprach dem Startgebot. Die Besonderheit daran ist, dass gleich sieben 3-Pfennig-Marken aufgeklebt wurden, darunter ein Fünferstreifen. Es handelt es sich nach Auskunft des Auktionshauses um die höchste bekannte Mehrfachfraktur der 3-Pfennig-Marke. Zudem wurde der Brief am Heiligen Abend 1863 verschickt, was „dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz“ gegeben habe.

Post nach Mexiko: Der Brief ging aus dem Königreich Hannover über Preußen, Belgien und London über den Atlantik. Er brachte 24.000 Euro ein. Quelle: Auktionshaus Heinrich Köhler

Weit übertroffen wurde das Startgebot von 5000 Euro bei einem Brief, der nach Mexiko ging. Er kam für 24.000 Euro unter den Hammer. Briefe aus dem Königreich Hannover nach Lateinamerika waren sehr selten. Das Exemplar, das versteigert wurde, wurde 1859 in Bremervörde aufgegeben und ging anschließend über Preußen, Belgien und England nach Guadalajara in Mexiko.

Den Brief hatte der Absender bis zum Zielhafen mit 28 Silbergroschen bezahlt – damals viel Geld. Frankiert werden konnten jedoch maximal drei Silbergroschen. Den Rest musste der Absender in bar bezahlen. Der Betrag wurde auf der Rückseite des Briefes notiert. Zudem musste der Empfänger zwei mexikanische Reales Inlandsporto zahlen für die Strecke von der Küste nach Guadalajara.

Weite Reise: Dieser Brief ging von Harburg nach Hongkong. Die Marken zeigen den letzten hannoverschen König, Georg V. Quelle: Auktionshaus Heinrich Köhler

Für 19.000 Euro wurde ein Brief versteigert, der 1864 von Harburg nach Hongkong ging. Harburg gehörte damals zum Königreich Hannover. Frankiert sind Marken, die den blinden König Georg V. zeigen. Die Beförderung des Briefes war kompliziert und dauerte lange. Der Suezkanal sollte erst vier Jahre später eröffnet werden. Der Brief ging deshalb zunächst nach Triest (damals noch Österreich) und weiter nach Alexandria in Ägypten. Von dort musste er bis zum Roten Meer über Land befördert werden. Auch bei dieser Marke wurde das Startgebot von 4000 Euro deutlich übertroffen.

Selten: Der Stempel aus Elze, der verwendet wurde. Quelle: Auktionshaus Heinrich Köhler

13.000 Euro gab ein Sammler für einen Brief aus, der zwischen 1851 und 1855 verschickt wurde. Das Besondere daran ist ein Stempel der Ortschaft Elze, der als Seltenheit gilt. Denn verwendet wurde eine Petschaft aus hartem Material, mit dem man auch ein Siegel in eine Siegelmasse drücken kann. Laut Auktionshaus war „dessen Zweckbestimmung aber ohne Zweifel kein postalischer“. Der Stempel und seine Herkunft böten „noch Gelegenheit Nachforschungen zu betreiben“.

Grün statt Rosa: 1,26 Millionen Euro für Baden-Fehldruck

Für Aufsehen unter Briefmarkenfans sorgte die Versteigerung in Wiesbaden aber vor allem, weil dort der legendäre Baden-Fehldruck versteigert wurde. Er gilt als Ikone der deutschen Philatelie. Ein Sammler aus Deutschland ersteigerte den Baden-Fehldruck für 1,26 Millionen Euro. Das Startgebot hatte bei 800.000 Euro gelegen. Sie ist damit die teuerste Briefmarke Deutschlands. Eine Unaufmerksamkeit des Druckers in den 1850er Jahren führte zu dem seltenen Fehldruck. Bei der Herstellung einer 9-Kreuzer-Marke hatte er versehentlich zu grünem statt rosafarbenem Papier gegriffen.

Insgesamt kamen in Wiesbaden 330 Briefmarken und Briefe für knapp vier Millionen Euro unter den Hammer. Die Summe der Einstiegsgebote hatte bei knapp zwei Millionen Euro gelegen. „Nie in der Geschichte der Altdeutschland-Philatelie gab es eine umfangreichere Sammlung als die von Erivan Haub“, erklärte Dieter Michelson, geschäftsführender Gesellschafter des Auktionshauses Heinrich Köhler, das große Interesse der Sammler an der Versteigerung.

Von Christian Bohnenkamp

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