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Meine Stadt Gesetz zur Notfallversorgung: Reaktionen aus Hannover
Hannover Meine Stadt Gesetz zur Notfallversorgung: Reaktionen aus Hannover
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18:25 22.07.2019
Hochbetrieb in der Notaufnahme: Mit telefonischen Leitstellen und Notfallzentren, die Patienten nach Schwere der Erkrankung vorsortieren, sollen die Kliniken entlastet werden. Quelle: dpa
Hannover

Egal ob schwere Erkrankung oder doch nur eine Bagatellverletzung – immer mehr Menschen steuern bei Beschwerden zur Sicherheit gleich die Notaufnahme der Krankenhäuser an. Kann der Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn die Kliniken entlasten? Telefonische Leitstellen und an Krankenhäuser angeschlossene Notfallzentren sollen demnach die Patienten in stationäre und ambulante Behandlungen vorsortieren. Das Echo fällt gemischt aus.

Kliniken reagieren positiv

„Vorgeschaltete Stellen, die Fälle nach ihrer Schwere sortieren würden, wären eine große Hilfe für unser Haus“, sagt Björn-Oliver Bönsch, Pressesprecher des Kinderkrankenhauses Auf der Bult. „Bis jetzt schicken wir keine Eltern weg, leiten jedoch Patienten, die nach einer ärztlichen Einschätzung keine Notfallbehandlung benötigen, an niedergelassene Kinderärzte gemäß den seit dem 1. April 2017 geltenden Regeln für die Notfallambulanzen in deutschen Kliniken weiter.“

Kinderkrankenhaus Auf der Bult: Vorgeschaltete Stellen, die Patienten vorsortieren, wären hier „eine große Hilfe“. Quelle: NP

Bagatellverletzungen landen in der Notfallambulanz

Grundsätzlich richte sich die Behandlungsreihenfolge nicht nach Ankunftszeit, sondern nach Schwere des Falles. Zusätzlich gebe es aber das Problem, dass Bagatellverletzungen von Kindern regelmäßig in der Notfallambulanz des Krankenhauses vorgestellt werden, anstatt damit zum niedergelassenen Chirurgen zu gehen. „Darum kann es zum Beispiel bei Platzwunden und ähnlichen Unfallfolgen immer wieder zu längeren Wartezeiten kommen“, so Bönsch.

„Grenze für Patienten schwer zu verstehen“

Auch das Krankenhaus der Region (KRH) verzeichnet in seinen Häusern eine stetige Zunahme von Notfallpatienten. Dabei findet bereits jetzt in allen KRH-Notaufnahmen eine sogenannte Triage statt. Dabei wird nach einem ersten Gespräch die Dringlichkeit der Behandlung eingeschätzt. Patienten, die lebensbedrohlich, beispielsweise an einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt erkrankt sind, werden sofort behandelt. Die anderen müssen je nach Schweregrad der Verletzung oder Erkrankung entsprechend warten. Zwar sieht das deutsche Gesundheitssystem grundsätzlich vor, dass bei leichten Beschwerden ein niedergelassener Allgemeinmediziner oder Facharzt aufgesucht werden soll. Aber, so KRH-Pressesprecher Nikolas Gerdau: „Wir stellen fest, dass diese strikte Sektorengrenze aus ambulantem und niedergelassenem Bereich für den Patienten schwer zu verstehen ist.“

KRH-Krankenhaus in Groß Burgwedel: Mit der Einrichtung einer KV-Notfallpraxis hat man hier bereits auf das gestiegene Aufkommen in der Notaufnahme reagiert. Quelle: Archiv

Mit KV-Notfallpraxen hat das KRH bereits auf das gestiegene Aufkommen reagiert – in den Kliniken Großburgwedel, Siloah, Nordstadt, Gehrden, Lehrte und Neustadt. Gerdau: „In diesen Praxen sind Patienten mit leichteren Erkrankungen und Verletzungen außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten richtig, um Hilfe zu erfahren.“

Kassenärztliche Vereinigung ist skeptisch

Eher kritisch sieht die Kassenärztliche Vereinigung den Entwurf. Für eine abschließende Beurteilung sei es zwar noch zu früh. „Einige Fragezeichen“ tauchen laut Uwe Köster, stellvertretender KVN-Pressesprecher, aber schon jetzt auf. Das größte stehe hinter dem Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung, der dann von den Kassenärztlichen Vereinigungen in die Verantwortung der Länder übergehen würde. „Das Land Niedersachsen könnte den Auftrag zwar wieder zurück an die KVN übertragen. Die Frage ist aber, zu welchen Konditionen das dann der Fall wäre“, so Köster. Davon hänge letztlich ab, in welcher Form und Höhe Ärzte künftig für die Notfallversorgung entlohnt werden. „Da zeichnet sich eine komplette Neuordnung der Vergütung ab, die im Vorfeld rechtlich erstmal geklärt werden müsste“, gibt der KVN-Sprecher zu bedenken.

Von André Pichiri

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