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Meine Stadt So soll die Schule der Zukunft aussehen
Hannover Meine Stadt So soll die Schule der Zukunft aussehen
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20:25 30.08.2019
Schule der Zukunft: Viele Schüler wünschen sich, dass sich die digitale Ausstattung verbessert. In Gehrden ist man schon weit: Dort lernen Schüler einer 5. Klasse der Oberschule mit iPads im Englischunterricht. Quelle: dpa
Garbsen

Wie kann sie aussehen – die Schule der Zukunft? Diese zentrale Frage stand am Freitag im Fokus der IGS Garbsen. Der Pädagogik-Leistungskurs hatte den Jenaer Soziologen und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa für einen Vortrag eingeladen. Thema: „Schule der Zukunft – Zukunft der Schule?“ Im Anschluss diskutierte der Wissenschaftlicher mit Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Die NP wollte von allen Akteuren wissen, wie ihre Vision der Schule der Zukunft aussieht.

Mehr auf Schüler eingehen

Schülerin Tamara Fries (18) geht in die 13. Klasse und ist Teil des Pädagogikkurses. Sie hat eine deutliche Vorstellung: „Man sollte mehr auf die Schüler eingehen, besonders schwächere Kinder in den unteren Jahrgängen werden oft nicht so stark wahrgenommen.“ Auch sie habe diese Erfahrung machen müssen. Fries: „Ich war früher nicht gut in der Schule, inzwischen habe ich die Kurve bekommen. Aber das schaffen eben nicht alle.“ Wenn Schüler nicht richtig wahrgenommen werden, erhalten sie dadurch nicht die nötige Förderung, so die 18-Jährige. Was braucht es noch, damit Bildung gelingen kann? Fries: „Die Überlastung der Lehrer muss reduziert werden, gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Modernisierung vorangetrieben wird. Eine Schule der Zukunft muss mit der Zeit gehen, sonst werden wir abgehängt.“

Wechselseitiges Erreichen

Hartmut Rosa ist eigentlich als Beschleunigungskritiker bekannt, auch vom ständigen Optimierungszwang in der Gesellschaft hält er wenig. „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung“, so seine Kernthese. Als Resonanz bezeichnet er dabei die Grundsehnsucht nach einer Welt, die einem antwortet. Und die in jedem angelegt ist, weil wir Beziehungsmenschen sind. Übertragen auf Schule heißt das für ihn: Im Klassenraum muss sich keiner mehr anstrengen zuzuhören, es entsteht mühelos Aufmerksamkeit, weil alle das Gefühl haben, das, was gerade behandelt wird, geht sie unmittelbar an. Die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ist dabei entscheidend. Rosa: „Eine gute Schule ist ein Resonanzraum oder sie erzeugt zumindest einen. Somit kann Bildung und guter Unterricht auch nur dort gelingen, wo es ein wechselseitiges Erreichen gibt.“

E-Learning beispielsweise passe da nicht rein. „Davon halte ich nichts, möchte zwar auch nicht generell digitale Medien verteufeln. Aber Resonanz entsteht eben in den Zwischentönen im Klassenraum. Dann beginnt es zu knistern.“

Eine Voraussetzung: „Lehrer müssen ihren Schülern das Gefühl vermitteln, dass sie es schaffen und Schule nicht zu einem Ort der steten Überwachung und Kontrolle werden lassen.“ Also auch keine Prüfungen als Mittel der Kontrolle? Hartmut Rosa will sich – ganz in Manier des Soziologen – in diesem Punkt nicht klar festlegen: „Ich bin auch nicht entschieden gegen Noten, aber deutlich gegen Zeitdruck. Der macht viel kaputt.“

Gut digital ausgestattet

Und wie sieht der Minister der Schule der Zukunft? „Ich möchte, dass wir allen Schülern so viel mitgeben, dass sie später im Leben bestehen können.“ Dann wird Tonne konkreter: „Ich will keine Schule digitalisieren, dann bräuchten wir auch keine Lehrer mehr, aber mir ist wichtig, dass Schulen gut digital ausgestattet sind.“ Eine gesellschaftliche Debatte, ob selbst Fächergrenzen aufgelöst werden können, hält der Minister für interessant, aber ohne Debatte nicht umsetzbar. Und zum Kerncurriculum sagt er: „Wir dürfen da nicht immer mehr reinpacken, sondern es besser grob strukturieren. Damit bekommen Schulen zugleich mehr Freiheit.“

Lehrer wollen mehr Freiheiten

Mehr Freiheit – die wünscht sich auch Andreas Hadaschik, Leiter der Garbsener Gesamtschule. „Wir arbeiten hier schon nach der Resonanzpädagogik. Die Beziehungsebene ist das A und O für guten Unterricht, damit gelingt eigentlich alles. Natürlich kann man nicht jeden Ackergaul zum Rennpferd machen, aber es zumindest schaffen, das er galoppiert. Aber dafür brauchen wir Lehrer Zeit und Freiheiten.“ Und Pädagogik-Lehrer Arne Grafe ist überzeugt, dass es für die künftige Schule „weniger den Digitalpakt braucht, dafür aber mehr Exkursionen und viele haptische Erfahrungen“.

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