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Meine Stadt So rockig war das Kiss-Konzert auf der Expo-Plaza
Hannover Meine Stadt So rockig war das Kiss-Konzert auf der Expo-Plaza
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10:51 06.06.2019
Ein letztes Mal in Hannover: Kiss rockt bei seiner Abschiedstournee die Expo-Plaza. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Das geht ja gut los. Und nein, mit dem Subtilen haben es Kiss nicht. Wenn sie wollen, dass wirklich die ganze Expo-Plaza mitsingt, dann singen sie nicht irgendetwas, dann singen sie „Shout it loud“. Und alle, die da versammelt sind, schreien es laut heraus. Ursache und Wirkung liegen selten im Musikgeschäft so eng beieinander wie bei diesen Rockmonstern aus den USA.

Das Alter sieht man Kiss nicht an

Und natürlich spielen sie einen solchen Massenbeschwörer nicht erst zum großen Finale, sondern gleich als zweites Lied, nachdem sie die 12.000 Fans mit „Detroit Rock City“ auf die brutale Betriebstemperatur gebracht haben. Und es hört nicht auf: „Deuce“, „Say Yeah“, „Love it loud“ ... Ein Hit nach dem anderen.

Kiss-Abschiedstournee auf der Expo-Plaza in Hannover

Zwei Stunden und 20 Lieder lang toben sie sich aus, und das Publikum, die „Kiss Army“, tut es ihnen nach. Es ist überwiegend in jenen Jahren, die man die besten nennt; wohl nicht wenige darunter, die schon beim legendären „Unmasked“-Konzert 1980 in der Niedersachsenhalle dabei waren.

„You wanted the Best? You got the Best!“

Die vier Endsechziger da oben sind noch älter. Macht nichts: 255 Jahre bringen sie auf die Karneval-trifft-Las-Vegas-Bühne, und man merkt es kaum, am ehesten noch an Stanleys heiser gesungenen Stimme: Die dicke schwarz-weiße Schminke übertüncht jede Runzel; die bis zu 20 Kilo schweren Kostüme tragen sie nicht nur voller Würde, sondern auch so, als seien sie tatsächlich so überlebensgroß, wie sie auftreten.

Lesen Sie hier: Diese Kiss-Fans rocken auch bei Hitze auf der Expo-Plaza

Auf ihren vier Buchstaben haben sich Kiss nie ausgeruht, sie haben sich vielmehr – weniger durch die Musik als durch ihren ausgeprägten Geschäftssinn unsterblich gemacht: Gene Simmons, Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer haben sich aus Superhelden-Comics, Kabuki-Masken und Fantasy-Trash Identitäten geschaffen, die Legende wurden: The Demon, The Starchild, The Spaceman und The Catman. Die Musik ist mehr Glam - als Hardrock, die großspurige Ankündigung, härteste Band der Welt zu sein, eine pure Behauptung. Aber eine gern geglaubte. „You wanted the Best? You got the Best!“ Ja, genau.

Es fließen Schweiß und Tränen

Monumentaler Mummenschanz. Es pufft und pafft an allen Ecken und Enden, Feuerwerk und Feuerbälle, Laser und Konfettikanonen. Simmons spotzt und spuckt Feuer und Blut und breitet die Fledermausflügelchen aus. Stanley saust an einer Art Trapez zu einer Bühne im Publikum und feuert dort die „Love Gun“ ab. Die achteckigen Bühnenelemente sind Deko und Leinwand und Fahrstuhl zugleich. Selbst die Zahl der Soli erreicht absurde Höhen.

Schließlich ist man auf Abschiedstour, Pardon, auf: „End of the Road World Tour“. Danach soll Schluss sein. Da darf es gern noch ein bisschen dicker kommen, da dürfen im Publikum auch mal die Tränen fließen; bei dem ganzen Schweiß fällt’s auch nicht auf. Besonders, als es mit „Beth“ in die Zugaben geht, vom Sänger am Klavier angestimmt.

„God gave Rock ’n’ Roll to you“ hallt es danach in die fiepsenden Ohren der Besucher, als sie das Gelände verlassen. Und dieser Gott trägt sicher auch schwarz-weiße Schminke.

Von Stefan Gohlisch

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