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Meine Stadt So feiert Schimpanse Robby Weihnachten im Zirkus
Hannover Meine Stadt So feiert Schimpanse Robby Weihnachten im Zirkus
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00:19 26.12.2018
Der Schimpanse Robby freut sich über sein Weihnachtsgeschenk von Zirkusdirektor Klaus Köhler.
Der Schimpanse Robby freut sich über sein Weihnachtsgeschenk von Zirkusdirektor Klaus Köhler. Quelle: priesemann
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Altencelle

Auch bei Robby ist Weihnachten – samt Bescherung. Klaus Köhler (70), Direktor des Circus Belly, hat seinem Affen ein großes Päckchen mitgebracht, eingewickelt in rotem Geschenkpapier. Robby stößt vor Aufregung einen Schrei aus und reißt das Paket auf. Köhler scheint genau seinen Geschmack getroffen zu haben: Bananen, Nektarinen, Weintrauben, eine Flasche verdünnte Cola. Robby grinst von Ohr zu Ohr und haut Köhler freundschaftlich auf die Schulter – ehe er sich an das Verputzen der Leckereien macht. Nur die Paranüsse lässt er aus. Egal, Köhler isst sie selbst gerne.

„Wir machen jedes Jahr Bescherung mit Robby“, sagt er. Aber in diesem Jahr ist es etwas Besonderes. Denn beinahe wäre der Schimpanse nach 43 gemeinsamen Weihnachtsfesten nicht mehr bei Familie Köhler gewesen. Das Schicksal des Menschenaffen hatte in diesem Jahr ganz Deutschland bewegt – und in zwei Lager geteilt.

„Robby ist unser siebtes Kind“

Als der Circus Belly im Oktober in Hannover zu Gast stieg bei Köhler die Anspannung. Denn am Oberverwaltungsgericht in Lüneburg diskutierten die Richter abschließend, ob der Schimpansen-Opa weiter bei den Köhlers leben darf. Robby ist der wohl letzte Menschenaffe in einem Zirkus. Laut einer Leitlinie des Bundesagrarministeriums aus dem Jahr 1990 sind keine Menschenaffen mehr in Zirkussen zu halten. Für Robby gab es eine Ausnahmegenehmigung – bis 2015 entschieden wurde, dass der Affe weggeben werden muss.

Nach Köhlers Klage hieß es 2017: der Primate soll in eine Auffangstation für gequälte Affen in den Niederlanden. Köhler legte Berufung ein. Er befürchtete, dass die Eingliederung scheitern und Robby von den anderen Schimpansen misshandelt werden könnte. Im November die Nachricht: Robby darf bleiben. Vor ein paar Tagen ist die Entscheidung rechtskräftig geworden.

Bescherung beim Schimpansen Robby im Circus Belly

„Ein Weihnachtswunder ist geschehen“, sagen Robbys Tierärztin und die neue Tierschutzbeauftragte des Circus Belly, Alexandra Dörnath (47). „Vergangenes Heiligabend saß ich noch hier bei ihm und mir kullerten die Tränen. Ich habe zum Himmel gebetet, dass alles gut wird.“ 82 Tage hat die Tierärztin den Affen beobachtet, um zu erforschen, ob es ihm gut geht. Ihr Ergebnis: Robby geht es bestens. Das erkenne man alleine an dem auffallend guten Gesundheitszustand für sein fortgeschrittenes Alter. Schimpansen werden maximal 50, Robby ist 47 – und ziemlich gut drauf.

Wenn Besuch kommt, jubelt er. Wenn es Damenbesuch ist, geht er immer wieder hin und verteilt Küsse – auf die Stirn, die Wange, den Mund. Robby liebt Frauen– aber am meisten seine „Mama“ Waltraud Köhler (69). „Es ist das größte Weihnachtsgeschenk, Robby behalten zu dürfen“, so Köhlers Frau. Das Ehepaar hat sechs Kinder. „Robby ist unser Siebtes“, sagt sie.

Sorgenfreies Weihnachtsfest

Ihr Mann kann es noch gar nicht richtig fassen: „Ich bin noch immer nicht ganz runtergekommen. Wir sind durch die Hölle gegangen“, sagt er. Jeden Tag die Angst, dass jemand komme und den Affen mitnimmt. Tierrechtsaktivisten, die nach Angaben Köhlers die Familie bedroht hätten. Dazu kamen noch die kräftezehrende Gerichtsprozesse. „Ich danke dem lieben Gott dieses Jahr besonders, dass er uns die Stärke gegeben hat, das alles durchzustehen.“

Die schwere Phase ist vorbei. „Dieses Weihnachtsfest wird endlich sorgenfrei“, sagt Köhler und schaut optimistisch auf das neue Jahr: Ein Kompetenzzentrum für Schimpansen soll gemeinsam mit Dörnath gegründet werden – Robby soll zum Botschafter seiner Art werden. Schulklassen sollen den Affen besuchen können, wissenschaftliche Studien angefertigt werden. Außerdem hat Robby nun auch einen Twitter-Account. Vielleicht berichtet er dort auch vom Celler Weihnachtscircus in Altencelle – ob er auftreten wird, das entscheidet der Affenopa selber. Heute hat er keine Lust auf sein Halsband. Köhler nimmt es ihm sofort wieder ab, die beiden umarmen sich und Köhler sagt: „Alles ist gut, mein Junge.“ Denn eigentlich soll für Robby jeden Tag Weihnachten sein.

Von Josina Kelz und Sascha Priesemann