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Meine Stadt Sehr hohe Strafen für „falsche Polizisten“
Hannover Meine Stadt Sehr hohe Strafen für „falsche Polizisten“
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17:34 03.12.2019
MÜSSEN LANGE INS GEFÄNGNIS: Farhad B. (rechts) und Ahmad K. waren einschlägig vorbestraft und nur auf Bewährung in Freiheit, als sie als „falsche Polizisten“ auftraten. Foto: Quelle: Nagel
HANNOVER

Richterin Britta Schlingmann hat am Dienstag eine Bande von Trickbetrügern zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Chef der Bande, Farhad B. (35), bekam neun Jahre Haft. Ahmad K. (23) muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Bassim K. (33) wird für sechs Jahren und sechs Monate eingesperrt.

Drei weitere Angeklagte wurden im Landgericht Hannover zu Strafen zwischen drei und fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Die Bande hatte zwischen Mai und September 2018 Senioren um ihre Ersparnisse gebracht. Die Taten wurden in Hameln, Bad Münder, Köln, Gütersloh, Bielefeld, Herford und Berlin verübt. In wenigen Monaten ergaunerten sich die Täter laut Anklage mehr als 700 000 Euro. Angeklagt waren 22 Taten; darunter auch Einbrüche, Raub und Diebstähle.

Goldbarren in der Mülltonne

Anrufer aus der Türkei gaukelten den leichtgläubigen Opfern vor, dass ihr Geld auf der Bank nicht mehr sicher sei. Farhad B. organisierte dann die Abholung des Geldes vor Ort, Bassim K. und Ahmad K. fungierten hauptsächlich als „Abholer“. Den Senioren wurde vorgelogen, dass die „Polizei“ ihr Vermögen sichere. So legte ein Paar (92 und 87 Jahre alt) in Hameln am 26. Mai 2018 drei Goldbarren (Wert etwa 90 000 Euro) in die Mülltonne, Tage später deponierten sie 40 000 Euro an derselben Stelle.

„Die Opfer wurden teilweise um ihre Lebensleistung gebracht“, sagte Richterin Schlingmann. Die Bande habe sich gezielt sehr schwache Opfer ausgesucht. So sei die 87-jährige Frau aus Hameln mittlerweile im Pflegeheim. „Genau dafür war das Geld vorgesehen.“ Ein anderes Opfer habe sich mühsam 10 000 Euro gespart, um davon seine Beerdigung zu bezahlen.

Angeklagten zeigten keine Reue

Die Richterin fand auch in anderer Hinsicht deutliche Worte. „Ich habe in keinerlei Hinsicht Reue bei den Angeklagten gesehen.“ Statt dessen seien Zeugenaussagen von den Angeklagten „lachend“ und „feixend“ begleitet worden. Die hohen Strafen erklären sich auch daher, dass die Angeklagten einschlägig vorbestraft seien.

Polizisten sichern den Gerichtsaal im Landgericht Hannover. Mehr als 700 000 Euro sollen Kriminelle erbeutet haben, die sich als Polizisten ausgegeben und alte Leute um ihr Geld gebracht haben sollen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Die Urteilsverkündung fand unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Und zwar wegen Ibrahim S. (30). Ein Verwandter von ihm war im Januar 2015 an der Randale eines Kurden-Clans in Hameln beteiligt. Damals hatte ein 26-jähriger Straftäter versucht durch ein Fenster des Hamelner Amtsgerichts zu fliehen. Er stürzte aus dem siebten Stock in die Tiefe und starb. Seine Angehörigen randalierten daraufhin vor dem Amtsgericht und vor einem Krankenhaus. Rund 30 Menschen wurden zum Teil erheblich verletzt – darunter 24 Polizisten.

Ibrahim S. wurde wegen Raubes und Einbruchsdiebstahl zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. Er war am Trickbetrug nicht beteiligt. Dennoch wurde er noch im Saal verhaftet. Denn er soll eine Bekannte am 28. Oktober 2019 zur Vortäuschung einer Straftat angestiftet haben. Außerdem ist er mehrfach einschlägig vorbestraft. Auch Bassim K. wurde noch im Saal verhaftet. Richterin Schlingmann begründete die Fluchtgefahr: „Er hat keine Arbeit, wegen des Prozesses hohe Schulden und Kontakte ins Ausland.“

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Von Thomas Nagel

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