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Meine Stadt So feiern Hannoveraner die Einschulungen
Hannover Meine Stadt So feiern Hannoveraner die Einschulungen
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07:25 17.08.2019
Die Vorbereitungen laufen: August und Papa Oliver Sinn suchen schon mal alles für die Schultasche zusammen – so wie es 11000 andere Familien in der Region vor Samstag auch machen. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Die Sommerferien sind vorbei, am Sonnabend ist der große Einschulungstag in Niedersachsen. Etwa 11.000 Kinder haben alleine in der Region den ersten Schultag ihres Lebens. Die Ranzen sind gepackt, die Schultüten gefüllt– prall gefüllt. Denn Familien zelebrieren Einschulungen immer größer.

Um das festzustellen, muss man nur einen Bummel durch die Innenstadt unternehmen: Nicht nur die großen Kaufhäuser, sondern alle möglichen Geschäfte, von Drogerie bis Parfümerie, verkaufen seit Wochen Artikel rund um den großen Tag. „Jeder Händler in der Innenstadt ist auf die Einschulungen eingestellt“, sagt Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft.

Einschulungen werden immer stärker gefeiert“

Längst gibt es nicht mehr nur Schultüten, Tornister und Schreibwaren zu kaufen, sondern vom ersten Parfüm bis zur Glitzer-Girlande für die Party ein breites Sortiment rund um den Schulstart. „Einschulungen werden immer stärker gefeiert und der Wert des Schultüten-Inhalts ist exorbitant gestiegen“, so Prenzler.

Das erklärt sich der Geschäftsführer der City-Gemeinschaft so: „Es gibt zunehmend Doppelverdiener, das Arbeitsleben ist immer gehetzter. Die Freizeit und gerade die Zeit mit den Kindern wird immer bewusster genutzt.“ Eltern hätten ein wachsendes Bedürfnis, den Kindern etwas Gutes zu tun. Und das ließen sich Familien auch ordentlich was kosten.

Ausgebuchte Restaurants in der Stadt

Das bedeutet nicht nur für die Händler in der Stadt ein neues Geschäft, sondern auch für die Gastronomen. „Ich bin seit mehr als 30 Jahren in der Gastronomie – so stark wie jetzt wurde die Einschulung noch nie gefeiert“, sagt Wassilios Kosseoglou. Besonders in den vergangenen drei Jahren seien die Reservierungen angestiegen. „Wir sind total ausgebucht“, sagt der Restaurantleiter von „Francesca & Fratelli“ in der Calenberger Esplanade. Die Familien würden nicht mehr nur im kleinen Kreis feiern, sondern gleich mit 20 Personen kommen. „Es ist wie Weihnachten“, so Kosseoglou.

Raphael Hölzer, Betriebsleiter beim Café Extrablatt, hat Ähnliches zu berichten: „Wir wurden vergangenes Jahr am Einschulungstag so überrannt, dass wir dieses Jahr den Dienstplan entsprechend anpassen mussten.“ Der Schulstart gehöre zu den am stärksten besuchten und gebuchten Tagen im Jahr.

Für die Händler bedeutet der Schulstart also das große Geschäft, für die Gastronomen volle Tische – und für die Ab-Schützen den Start in einen neuen Lebensabschnitt, den die Eltern zelebrieren.

So feiern die Familien in der Region den Schulstart

Von Linden bis Gehrden hat die NP sechs ABC-Schützen besucht und mit ihnen über den bevorstehenden Schulstart gesprochen. Eins hatten dabei alle Kinder gemeinsam: Sie sind schon ganz aufgeregt.

Bela: „Dann kann ich Briefe schreiben“

Frederike Baumgart (27) ist die Mama von Ruby (1) und Bela (6). Der Große kommt in die Grundschule in Linden. Zur Feier des Tages geht es zu Belas Lieblingsitaliener. „Die Einschulung ist auf jeden Fall ein besonderer Anlass. Aber man muss die Feier auch nicht übertreiben“, sagt Baumgart.

IN LINDEN: Bela (rechts) packt mit Mama Frederike Baumgart (links) und Schwester Ruby seine Schultasche. Quelle: Frank Wilde

Worauf freust du dich?

Auf das Turnen, ich habe auch schon einen Turnbeutel.

Gibt es etwas, was dir Sorgen bereitet?

Das einzige, was ich blöd finde: Ich kann meine Schnürsenkel noch nicht binden. Aber vielleicht lerne ich das ja in der Schule.

Was erwartest du von der Schule?

Ich freue mich darauf, in der Schule Lesen und Schreiben zu lernen. Ich habe nämlich eine Freundin in Bayern, der könnte ich dann einen Brief schreiben.

Levin: „Ich werde Wissenschaftler“

Levin (6) wohnt in Gehrden, seine Grundschule ist fast direkt nebenan. Seine Eltern sind schon geübt in Einschulungen: Drei große Brüder hat Levin. „Wir feiern genauso wie beim ersten Kind vor zwölf Jahren“, sagt Mama Mama Jessica Langhorst (46). Das heißt: Morgens geht es in den Gottesdienst, später mit den Großeltern und Brüdern zum Mittagstisch und nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen mit Freunden und Nachbarn. „Manche feiern mit 40 Personen, das finde ich übertrieben“, so Langhorst.

IN GEHRDEN: Levin plant mit Mama Jessica Langhorst, was in seine Brotdosen kommen soll. Quelle: Frank Wilde

Worauf freust du dich?

Auf meine Zuckertüte. Da sind Astronauten drauf.

Gibt es etwas, was dir Sorgen bereitet?

Nein, denn ich muss mir keine Sorgen machen, keine Freunde zu finden – weil meine Freunde kommen in dieselbe Schule.

Was erwartest du von der Schule?

Ich möchte Experimente machen, ich will nämlich Wissenschaftler werden.

Joline: „Ich will Englisch lernen“

Die Familie Topper wohnt in Ricklingen, Töchterchen Joline (6) kommt am Sonnabend in die Wilhelm-Busch-Schule. Auch für die Eltern ist das aufregend: „Da merkt man erstmal, wie schnell das Kind groß geworden ist“, sagt Mama Laura Topper (38). „Aber trotzdem ist es nur der Beginn von etwas Neuem.“ Deshalb hätten die Toppers darauf verzichtet, groß zu feiern. Joline hat sich eine kleine Feier gewünscht, sie wird mit ihrer Familie im Garten grillen.

IN RICKLINGEN: Joline übt schon fleißig mit ihrem Papa Andreas Topper Lesen. Quelle: Frank Wilde

Worauf freust du dich?

Auf die Pause – und ganz viel spielen mit meinen Freundinnen. Zwei sind nämlich in meiner Klasse.

Gibt es etwas, das dir Sorgen bereitet?

Ich habe Angst, dass meine Lehrerin streng sein wird.

Was erwartet du von der Schule?

Ich möchte besser Englisch lernen als mein Papa. Der hatte nämlich damals eine Fünf in Englisch.

Worauf freust du dich?

Auf die Pause – und ganz viel spielen mit meinen Freundinnen. Zwei sind nämlich in meiner Klasse.

Gibt es etwas, das dir Sorgen bereitet?

Ich habe Angst, dass meine Lehrerin streng sein wird.

Was erwartet du von der Schule?

Ich möchte besser Englisch lernen als mein Papa. Der hatte nämlich damals eine Fünf in Englisch.

August: „Ich bin Frühaufsteher“

August (6) aus Limmer kommt in die Raketenklasse – „Der Name passt, weil das Klassenzimmer im obersten Stock ist“, sagt er. Es ist der richtige Zeitpunkt, dass August in die Schule kommt – „er ist schon sehr neugierig und wissbegierig“, so Papa Oliver Sinn (50). Sinn glaubt, er und seine Frau müssten sich aber sicher erstmal daran gewöhnen, dass der Kontakt zu den Lehrern nicht mehr so eng sein wird wie zu den Erzieherinnen in der Kita. „Da muss man wohl loslassen.“

IN LIMMER: August bereitet mit seinem Papa Oliver Sinn schon mal die Schulunterlagen vor. Quelle: Christian Behrens

Worauf freust du dich?

Rechnen macht mir viel Spaß, ich weiß jetzt schon, was drei mal fünf ist.

Gibt es etwas, was dir Sorgen bereitet?

Eigentlich nicht – ich bin ein Frühaufsteher und kann bestimmt bald ganz alleine zur Schule gehen.

Was erwartest du von der Schule?

Ich treffe da einige Kinder aus meiner Kitagruppe und aus dem Fußballverein.

Tessa: „Ich möchte viel rechnen“

Tessa (6) kommt auf die Glocksee-Schule. „Tessas großer Bruder war auch schon auf der Schule“, erzählt Mama Karin Wolters. „Wir mögen das jahrgangsübergreifende Konzept. Und es gibt keinen Notendruck für die Kinder.“ Bei einem Schnuppertag hat die Sechsjährige ihre Lehrerin schon kennengelernt und sei ganz begeistert gewesen. Die Familie feiert die Einschulung mit den Großeltern, Tanten und Paten am Sonnabend im Restaurant Rembetiko in Bemerode.

IN MITTELFELD: Tessa übt schon Schreiben mit Mama Karin Wolters. Quelle: Christian Behrens

Worauf freust du dich?

Auf Mathematik, die mag ich. Ich möchte ganz viel rechnen.

Gibt es etwas, das dir Sorgen bereitet?

Nein, ich bin nur aufgeregt, neue Freunde zu finden. Ich kenne nämlich noch niemanden aus meiner Klasse.

Was erwartest du von der Schule?

Ich möchte Lesen lernen und turnen. Das wäre toll!

Theo: „Ich freue mich auf die Pausen“

Theo (6) wird am Wochenende in Burgdorf eingeschult. „Er ist schon ganz aufgeregt und kann es kaum erwarten, zur Schule zu gehen“, erzählt Mama Maren Grimm (42). Und so verbringt die Familie den Tag: Mittags essen mit der Familie, nachmittags Grillen im Garten. Mit zwei Freunden, die Theo einladen durfte. Und deren Eltern sowie Geschwister kommen natürlich auch mit. „Wir feiern den Tag zu Hause, wir wollten kein Schickimicki-Event“, sagt die Mama.

IN BURGDORF: Theo macht mit Mama Maren Grimm ein Namensschild. Quelle: Frank Wilde

Worauf freust du dich?

Aufs Fußball spielen mit meinen Freunden in den Schulpausen.

Gibt es etwas, was dir Sorgen bereitet?

Ich mache mir Gedanken, ob ich neben meinem besten Freund sitzen darf.

Was erwartest du von der Schule?

Ich möchte Lesen lernen – so wie meine zwei großen Brüder. Damit ich endlich Bücher über Fußball lesen kann.

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Von Josina Kelz