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Meine Stadt Schule soll Sportplatz für Kita räumen
Hannover Meine Stadt Schule soll Sportplatz für Kita räumen
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04:54 09.10.2013
Von Andreas Krasselt
KÜNDIGEN PROTEST AN: Die Schülervertreter Nicola Sagurski und Aryan Bolouri wollen sich nicht mit der Hälfte des Sportplat-zes abspeisen lassen.
KÜNDIGEN PROTEST AN: Die Schülervertreter Nicola Sagurski und Aryan Bolouri wollen sich nicht mit der Hälfte des Sportplatzes abspeisen lassen. Quelle: Nigel Treblin
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„Sport ist wichtig für uns“, sagt Nicola Sagurski, „damit wir zwischendurch mal wieder den Kopf frei kriegen.“ Das könnte ab Ende des Monats für die 15-jährige Schülerin des Kaiser-Wilhelm-und-Ratsgymnasiums (KWRG, Zooviertel) schwieriger werden. Die Schule soll einen guten Teil ihrer Sportflächen für eine Behelfskita abtreten.

Betroffen ist nicht nur das KWRG, sondern auch die Sophienschule, deren Außenstelle hinter dem humanistischen Gymnasium liegt und die Sportflächen mitbenutzt. „Teilweise sind dort fünf Gruppen aktiv, die sich auf dem großen Platz aus dem Weg gehen können“, so der Elternratsvorsitzende Thomas von Hodenberg.

Damit soll es nun vorbei sein. Noch im Oktober sollen die Vorarbeiten für die Behelfskita beginnen, im November die Container aufgestellt werden - Platz für 30 Krippen- und 50 Kindergartenkinder. Vorläufergruppen für die Südstadt-Kita in der Birkenstraße, die frühestens Mitte 2016 bezugsfertig sein wird.

Für diese drei Jahre sollen die Schulen nun in den sauren Apfel beißen und verzichten. Nicola Sagurski wird es nicht mehr erleben, dass die Kita wieder abzieht. Sie geht in die elfte Klasse. „Unser Sportunterricht ist sehr gut durchorganisiert“, sagt sie. Die Lehrer der beiden Schulen würden sich genau absprechen: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das auf der halben Fläche funktionieren soll. Irgendwer muss dann zurückstecken.“ Oft würden die Klassen geteilt, um die einzelnen Gruppen besser begutachten zu können, ergänzt ihr Mitschüler Aryan Bolouri (16): „Das wird dann nicht mehr möglich sein.“

„Die Kita benötigt etwa 3200 Quadratmeter, das ist nicht ganz die Hälfte der Rasenfläche“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Nach Einschätzung der Schulverwaltung reiche das aus: „Es kommt drauf an, wie das geplant wird.“

Misstrauisch stimmt die Betroffenen das Verfahren: Die Fachausschüsse des Rats wurden von den Plänen nur durch eine Informations- drucksache in Kenntnis gesetzt, der Schulausschuss gar nicht. Die Beschlussdrucksache ging nur durch den Verwaltungsausschuss - weil die Zeit knapp wurde. Insbesondere die Schulen waren nicht einbezogen. Ein erstes Gespräch fand am 25. 9. statt.

„Das lag an einem internen Missverständnis“, räumt Kalmus ein, „weil verschiedene Fachbereiche beteiligt waren.“ Nun aber würden die Anregungen der Schulen in die Planungen einfließen. Den Schülern zumindest reicht das nicht aus. Sie kündigten fantasievolle Protestaktionen an. Die Schulleitungen und die Elternräte wollen sie dabei unterstützen.

Die geplante Container-Kita auf dem Rasensportfeld des Kaiser-Wilhelm-und-Ratsgymnasiums ist nicht die einzige. Sieben Behelfskitas gibt es bereits: Im Henckelweg (Ricklingen) sind zwei Gruppen bis Ende 2014 vorläufig untergebracht worden, in der Kita St. Bernadett (Glücksburger Weg, Vahrenwald) sitzt eine Gruppe im Container, ebenso in der Kita St. Franziskus (Hebbelstraße, List), zwei Krippengruppen werden bis zum 1.?8.?2014 in den Containern auf dem Welfenplatz (Oststadt, Foto unten: Kostyrko) betreut, eine Krippengruppe in der Anlage Isernhagener Straße (List), 20 Kindergartenkinder in der Kita Levester Straße (Oberricklingen), ebenfalls eine Gruppe in der Kita Strelitzer Weg (Kleefeld).