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Meine Stadt Schüler wollen weiter demonstrieren
Hannover Meine Stadt Schüler wollen weiter demonstrieren
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00:16 11.12.2013
Von Andreas Krasselt
MASSENPROTEST: Mehr als 5000 Schüler gingen am 26.November auf dieStraße.
MASSENPROTEST: Mehr als 5000 Schüler gingen am 26. November auf die Straße. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Julian Mensak war in diesem Jahr acht Tage in Lissabon, auf Seminarfahrt. Intensive Vorbereitung, ein intensives Erlebnis, intensive Nachbereitung – eine wertvolle Erfahrung, bei der der 17-Jährige wirklich einmal nicht nur für die Schule, sondern auch fürs Leben eine ganze Menge gelernt hat. Nachfolgenden Jahrgänge werden darauf vielleicht verzichten müssen.

Seminarfahrten bedeuten für die Lehrer sehr viel zusätzliche Arbeit. Weil die Landesregierung sie zu einer zusätzlichen Stunde Unterricht verpflichtet, wollen viele ihre freiwilligen Leistungen einschränken. An Julians Gymnasium, der Ricarda-Huch-Schule in der List, streichen sie die Seminarfahrten. An der Sophienschule fallen dann Musikaufführungen, Exkursionen oder die Teilnahme an der Mathe-Olympiade flach. „Auch der Ausflug zur Ideen-Expo ist gestrichen“, klagt Julians ebenfalls 17-jährige Mitstreiterin Thabea Frank.

Nun könnten die Gymnasiasten sauer auf ihre Lehrer sein. Sind sie aber nicht. Sauer sind sie auf die Landesregierung, für ihre Lehrer haben sie Verständnis. Deswegen haben sie für heute erneut eine Demonstration angemeldet. Treffpunkt um 16 Uhr am Opernplatz. Um Diskussionen über Schulausfall diesmal zu vermeiden, haben sich die Schüler anders als bei der Demo am 26. November mit mehr als 5000 Teilnehmern bewusst für den Nachmittag entschieden. „Wir wollen so aber auch Eltern und Lehren die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen“, betont Julian.

Er und Thabea gehören zu einem fünfköpfigen Schülerteam, das sich diesmal für die Organisation verantwortlich erklärt hat. Über die Kritik, sich von den Lehrern für deren Interessen einspannen zu lassen, können sie nur lachen. „Es geht um unsere ureigensten Interessen“, betont Julian. „Unsere Lehrer sind jetzt schon so stark belastet, dass bei weiterer Mehrarbeit zwangsläufig die Qualität des Unterrichts schlechter würde. Wir sind im Endeffekt diejenigen, die darunter zu leiden haben.“ Da durch die Mehrarbeit Stellen eingespart werden sollen, würden viele junge Lehrer nicht eingestellt. „Aber gerade die jungen Lehrer sind es, die frische Impulse an die Schule bringen“, sagt Thabea. „Die alten Lehrer haben doch noch ganz anders studiert.“