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Meine Stadt Der Rollstuhl-Test auf der Lister Meile
Hannover Meine Stadt Der Rollstuhl-Test auf der Lister Meile
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00:19 31.10.2018
ROLLSTUHL- TEST: Schüler der IGS Roderbruch testeten die Barrierefreiheit auf der Lister Meile mit einer ganz praktischen Methode.
ROLLSTUHL- TEST: Schüler der IGS Roderbruch testeten die Barrierefreiheit auf der Lister Meile mit einer ganz praktischen Methode. Quelle: Fotos: Heusel
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Hannover

„Ich fühlte mich ausgeschlossen und diskriminiert“, sagt Veronika Pöhlmann (14) als sie vor einer Stufe beim Bäcker steht und sich kein Brötchen kaufen kann. Einen Tag lang sitzt der Teenager für ein Filmprojekt in einem Rollstuhl. „Das ist sehr anstrengend“, sagt sie über diese ungewohnte Form der Fortbewegung, „morgen habe ich bestimmt einen Muskelkater.“ Auch mit der Rampe vor einem Schuhgeschäft hatte die 14-Jährige anfangs ihre Probleme: „Eigentlich sah die sehr flach aus, aber dann war es doch sehr schwer, dort hoch zu kommen.“

Mit ihren Mitschülern einer Inklusionsklasse der IGS Roderbruch dreht die 14-Jährige einen Film zur Barrierefreiheit in der List. Damit nimmt die Klasse an dem Kurzfilmwettbewerb „Ganz schön anders – ganz schön aufregend“ teil. Initiiert wird das Filmprojekt vom Verein Blickwechsel sowie Markus Götte vom Königsworth Medienbüro. Ziel sei es, dass „die Kinder die Lebenswelt eines Rollstuhlfahrers verstehen“, so Götte.

DA MUSS SIE HOCH: Schülerin Veronika Pöhlmann (14) an der Rampe zum Schuhgeschäft. Mitschüler Niclas Jöhrens filmt sie. Quelle: Nancy Heusel

Der 14-jährige Niklas Jöhrens hat vor einiger Zeit schon mal den Rollstuhl seines Schulkameraden Vladi Seredin (15) getestet: „Ein komisches Gefühl. Man kippt damit sehr leicht um“, sagt der Schüler. Sein Schulfreund Vladi fand es dagegen amüsant: „Es ist witzig, wie sich meine Mitschüler anstellen.“ Grundsätzlich wünschen sich aber beide das Gleiche: „Es wäre schön, wenn jedes Geschäft eine Rampe hätte“, sagt Niklas.

Begleitet wurden die Schüler von den Deutschen Meistern im Rollstuhlskating, Lisa Schmidt und David Lebuser. „Es ist wichtig, dass die Schüler dabei Spaß haben und lernen, dass anders sein nichts schlechtes ist“, sagt Schmidt. Die Schülerin Veronika Pöhlmann weiß ihre Erfahrungen am Ende des Tages zu schätzen: „Ich kann Betroffene jetzt noch besser verstehen, mich in sie hineinversetzen.“

SCHWIERIGE STELLE: David Lebuser, Deutscher Meister im Rollstuhlskating, versucht, am Weißekreuzplatz eine Stufe zu überwinden. Quelle: Nancy Heusel

Über 100 Teams aus Förder- und Regelschulen machen bei dem Wettbewerb mit und können ihre Filme bis zum 15. Februar einreichen. Eine professionelle Jury wählt die zehn besten Filme aus, die am 3. April im Astor Grand Cinema gezeigt werden. Als Hauptpreis gibt es eine Reise nach Berlin zu gewinnen.

Von Cecelia Spohn