Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Schostok: Wird das sein letzter OB-Termin?
Hannover Meine Stadt Schostok: Wird das sein letzter OB-Termin?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:11 29.04.2019
Vor dem Rücktritt: Stefan Schostok Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Sein Terminkalender lichtet sich. OB Stefan Schostok, angeklagt wegen Untreue in besonders schwerem Fall, lässt sich schon jetzt mal vertreten. Wie am Montagabend, als er eigentlich die Gewerkschaften im Vorfeld des 1. Mai zum Empfang bitten wollte. Bürgermeister Thomas Hermann sprang ein.

Neu hinzukommen ist ein Eintrag für Dienstag, 11 Uhr. Stadtsprecherin Konstanze Kalmus bittet die Presse in die Ratsstube. Schostok will ein Statement abgeben; für Interviews stehe er nicht zur Verfügung. Um was es geht, ist seit Donnerstag voriger Woche klar: Der Verwaltungschef wird berichten, dass er um eine Versetzung in den Ruhestand aus besonderem Grund bittet.

Schostok hatte sich noch Bedenkzeit übers Wochenende ausgebeten. Es hieß, er habe die Anklageschrift nicht in Gänze gelesen. Bei ihm und dem ehemaligen Personaldezernenten Harald Härke geht es um die Gewährung gesetzeswidriger Gehaltszulagen. Frank Herbert, Ex-Büroleiter des OB, war der Nutznießer der Zahlung und soll der Drahtzieher gewesen sein. Monatelang hatte Schostok seine Unschuld beteuert. Nach der Anklage ließ ihn seine SPD fallen. „Er hat keine andere Wahl mehr als den Rücktritt“, sagte ein Sozialdemokrat. Auch für eine weitere Arbeit in der Partei oder eine erneute Bewerbung fürs Amt des Bezirksvorsitzenden sähen die meisten keine Chance.

In solchen Aussagen klingt Bitterkeit durch. Was man im Rathaus und in der Stadt gerade erlebt, wirkt wie eine Götterdämmerung. Nach nur fünf Jahren im Amt muss der überall als nett, bescheiden und sympathisch geltende Hauptverwaltungsbeamte abdanken. Gescheitert ist er an sich selbst – und an falschen Beratern.

Ein grober Fehler passierte noch am Schluss. Etliche in der Fraktion hätten trotz der Anklage zu Schostok gestanden. Immer wieder hatte er versichert, er sei unschuldig – was er auch im Fall eines Prozesses beweisen wolle. In seinem Statement nach der Anklage steht die Passage: „ Wie in den vergangenen Monaten werde ich weiterhin meine Verantwortung für die Landeshauptstadt Hannover als direkt gewählter Oberbürgermeister in vollem Umfang wahrnehmen." Dieses Bekenntnis zum „Weiter so“ wollte dann doch niemand mehr erleben.

„An einem Desaster, einem Scherbenhaufen, einem Supergau, ist nie eine Person alleine schuld. Auch nicht drei. Ein politisches Erdbeben kündigt sich in der Regel an. Die sich abzeichnende Katastrophe wurde ein Jahr lang begleitet, ohne das örtliche Akteure tatsächlich eingegriffen hätten. Hier wurde politische Loyalität verwechselt mit politischem Handeln“, kommentiert der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Michael Höntsch das Geschehen.

Höntsch, einst Nachfolger Schostoks im Landtag: „Die Angst, die eigene Meinung zu vertreten, dafür nach Mehrheiten zu suchen, ist das eigentliche Dilemma in politischen Organisationen. Wer Angst hat rasiert zu werden, der verharrt bis zum Schluss. Führung geht anders. Demokratischer Diskurs übrigens auch.“

Von Vera König

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Neue Runde im K.o.-Tropfen-Fall: Wegen verschwundener beziehungsweise vernichteter Blutproben im Vinzenzkrankenhaus hat die Staatsanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren eingeleitet. In der Klinik waren zwei Opfer (24, 20) in Silvesternacht behandelt worden.

29.04.2019

Seit zehn Jahren gibt es das Lokal „Reimanns Eck“ am Weißekreuzplatz. Das wird mit einem Frühschoppen am 1. Mai und ein paar Neuerungen rund um die Traditionsgastronomie gefeiert.

29.04.2019

In diesem Jahr werden zum vierten Mal die „Sommernächte im Gartentheater“ in den Herrenhäuser Gärten stattfinden. Direktor Ronald Clark hat am Montag das neue Programm vorgestellt.

29.04.2019