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Meine Stadt Das Urteil ist gesprochen: Vanessa Münstermann erhält 250.000 Euro Schmerzensgeld
Hannover Meine Stadt Das Urteil ist gesprochen: Vanessa Münstermann erhält 250.000 Euro Schmerzensgeld
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12:41 02.10.2018
Ihr Ex-Freund hatte Vanessa Münstermann im Februar 2016 mit einer ätzenden Flüssigkeit überschüttet und ihr Gesicht für immer entstellt. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

 In einem bundesweit einzigartigen Fall hat Verbrechensopfer Vanessa Münstermann (29) 250 000 Euro Schmerzensgeld von ihrem Peiniger Daniel F. (35) erstritten. Der verurteilte Mann hatte seiner Ex-Freundin am 15. Februar 2016 aufgelauert und mit Rohrreiniger das Gesicht verätzt. Dafür wurde er im August 2016 wegen schwerer Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft im Landgericht Hannover verurteilt.

Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke erklärte, dass es sich um ein sehr hohes Schmerzensgeld handele. „Es geht dabei darum, die Schäden zu ersetzen und eine Genugtuungsfunktion zu erfüllen“, sagte Rümke am Dienstag. In diesem Fall habe die Genugtuung für das Opfer im Vordergrund gestanden, weil der Schaden nicht mit Geld aufzuwiegen sei. Die Richter der 11. Zivilkammer hätten in der Literatur keinen vergleichbaren Fall gefunden.

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Vanessa Münstermann war zur Urteilsverkündung nicht erschienen. Der Säureangriff auf ihr Gesicht hat sie nicht nur entstellt, sondern auch ihren Hörsinn und ihr Augenlicht nachhaltig geschädigt. Sie hat zahllose Operationen hinter sich, weitere werden in den nächsten Jahren folgen. Die Kosmetikerin ist verrentet.  „Daniel hat mich wirtschaftlich gegen die Wand gefahren“, sagte sie bei der mündlichen Verhandlung im August. Sie habe bereits 50 000 Euro Schmerzensgeld von den Adoptiveltern des Verurteilten erhalten, erklärte Gerichtssprecher Rümke. Daniel F. muss auch für weitere Kosten für Operationen und ärztliche Behandlungen aufkommen.

Die Zivilrichter des Landgerichts stellten fest, dass die Tat vorsätzlich und rechtswidrig verübt worden sei, erklärt Rümke. Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Aber im Zivilrecht bedeutet das, dass auch ein Insolvenzverfahren Daniel F. nicht aus seiner Pflicht entlässt, das Schmerzensgeld zu zahlen. Der Straftäter kann noch Berufung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle gegen das Urteil einlegen. Da die Beweislage in dem Fall eindeutig sei, dürfte eine Berufung aber wenig aussichtsreich sein, meinte der Gerichtssprecher. Das sieht auch Max Marcel Malpricht so. Der Anwalt von Daniel F. meinte zur NP: „Die Begründung des Urteils liest sich schlüssig.“ Das OLG habe die Prozesskostenhilfe für seinen Mandanten abgelehnt, deshalb halte er eine Berufung für wenig erfolgversprechend. „Aber das muss der Mandant entscheiden“, so Malpricht.

Was ist der gerichtliche Erfolg wert? Daniel F. dürfte niemals in der Lage sein, die Summe aufzubringen. Seine Adoptiveltern hatten Münstermann weitere 100 000 Euro geboten. Aber nur für den Fall, dass sie künftig über das Verbrechen schweigt. Doch gerade aus dem Gang in die Öffentlichkeit hat die junge Mutter Kraft geschöpft und will anderen Verbrechensopfern Mut machen.
Ihr Anwalt Andreas Hüttl meint: „Meine Mandantin ist froh. Aus ihrer Sicht ist der erste Schritt getan.“ Die zweite Stufe sei jetzt, das Geld zu bekommen. Selbst wenn Daniel F. von seinen vermögenden Adoptiveltern enterbt werde, ginge es darum, sich den Pflichtteil des Erben für die Wiedergutmachung zu holen.

Thomas Nagel