Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Schließfach-Aufbrüche: „Nix mehr drin im Schatzkästchen“
Hannover Meine Stadt Schließfach-Aufbrüche: „Nix mehr drin im Schatzkästchen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:59 17.07.2019
Bei der Sparkasse wurden mehrere Schließfächer geplündert. Quelle: picture alliance / dpa
Hannover

In Linden ist es Stadtgespräch – in der List vermutlich auch. „Überall in den Läden und Kneipen erzählen sich die Leute von den Schließfach-Aufbrüchen bei der Sparkasse“, sagt Kaufmann Ludwig („Luk“) List. Der Politiker der Linken, im Stadtteil bekannt wie ein bunter Hund, war zufällig vorbeigekommen, als vor der Filiale in der Limmerstraße die Polizeiwagen parkten.

Das ist schon zehn Tage her – aber von der Aufregung hat sich nichts gelegt. Unbekannte hatten vor eineinhalb Wochen in den Filialen Limmerstraße (Linden) und Ferdinand-Wallbrecht-Straße 42 (List) mehrere der 700 Schließfächer geplündert. 51 Kunden sollen betroffen sein, bei 40 steht es inzwischen zweifellos fest.

Kunden zum Teil nicht versichert

„Da müssen weit mehr betroffen sein“, schildert eine junge Türkin ihren Verdacht. Sie wisse von etwa 20 Kunden, die vor geleerten Schließfächern gestanden hätten. Sie und ihre Familie hätten einen finanziellen Schaden in sechsstelliger Höhe. Versichert seien sie nicht gewesen.

Lesen Sie auch: Schließfach-Aufbrüche: Polizei geht von Millionenschaden aus

Die junge Frau meint, festgehaltene Daten des „Transportweges“ hätten Polizei und Filialleitung auf die Zahl der betroffenen Kunden gebracht. Die Schließfächer seien nämlich gar nicht in dem Raum, den man nach Einführen der Zugangskarte betrete. Vor einem Metalltisch müsse man die Karte nochmals einführen. Dann komme ein Fach hoch („ich glaube aus dem Keller“). „Das steht dann da wie ein Schatzkästchen. Bei uns war nix mehr drin.“

Lagerung bleibt Geheimnis

Die fast poetische Schilderung der automatischen Schließfachanlage will die Polizei nicht kommentieren. Ob die Fächer aus dem Keller kämen oder nicht, sei aus Ermittlungsgründen nicht anzugeben, sagt ein Sprecher.

Tatsache ist, in dem kleinen weiß gestrichenen Raum ohne Kameras, den der Kunde nach Einführen der Sicherheitskarte betritt, hat er nur Zugang zum Ausgabefach. Nach Einführen der Karte und des Sicherheitscodes macht sich wie von Zauberhand ein nicht zu beobachtender Roboter auf den Weg und bestückt das Fach mit dem richtigen Kästchen. Das lässt sich daraus nicht entfernen, sondern mit einem Schlüssel von oben nur öffnen – und leeren.

Kein neuer Fall

Wie es den Tätern gelang, die Sicherheitsschranken zu überwinden, ist noch immer ein Rätsel. Mag sein, dass sich durch die Computersteuerung Tatzeiten ermitteln lassen – aber auch das sagt die Polizei nicht. Behauptungen, es gebe inzwischen mehr Betroffene seien falsch, so ihr Sprecher. Der Schaden liege „im niedrigen siebenstelligen Bereich“. „Es ist kein einziger Fall dazu gekommen“, versichert auch Sparkassen-Sprecher Stefan Becker.

Angeblich wurden an einem der beiden hannoverschen Tatorte DNA-Spuren sichergestellt. Auch dazu kein Kommentar. In der Sparkasse Harburg-Buxtehude in Buchholz (Nordheide) gibt es immerhin Videoaufnahmen von den Tätern, die dort die Schließfächer leerten. Womöglich sind es dieselben Männer.

Videos in Buchholz zeigen Bande

Die Polizei sprach in Buchholz laut „Hamburger Abendblatt“ von einer „drei- bis vierköpfigen Diebesbande". Die Täter seien am Freitagabend zwischen 22.30 und 23 Uhr in den sichtgeschützten Raum der Schließfachanlage eingedrungen. Am Sonnabend hätten sie mit Rucksäcken und Taschen zwischen 5 und 23 Uhr immer wieder den Raum betreten. Das zeigen Videoaufnahmen. Sie hatten zur Tarnung ein gefälschtes Sparkassenschild am Zugangssystem angebracht.

Laut Polizei haben die Täter mehrmals ihre Kleidung gewechselt. Alle hätten Hüte und Mützen getragen, um ihre Gesichter vor den Kameras zu verbergen. Vermutlich hätten sie irgendwo in der Nähe ein Auto abgestellt, um die Beute abzulegen und die Kleidung zu wechseln.

Anlage bleibt gesperrt

In Linden oder der List gibt es solch detaillierten Hinweise nicht. Aber dafür reichlich Fantasie – und ist die erst mal losgelassen, lässt sie sich kaum noch einfangen. Bis sich alle Kunden in Linden und der List davon überzeugt haben, dass in ihren „Schatzkästchen“ in dem immer noch gesperrten Bereich durchaus noch was drin ist, wird es noch ein paar Tage dauern. Becker: „Wer in den Urlaub fährt und dringend Zugang zu Dokumenten im Schließfach braucht, bekommt sofort Zugang.“ Alle anderen, die nur mal so gucken wollen, müssten sich einen Termin geben lassen.

Von Vera König

Bei der Hanomag-Lohnhärterei gibts Ärger: Ein Geschäftsführer soll versucht haben, Betriebsräte einzuschüchtern. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht scheiterte.

16.07.2019

Die aktuelle Wirtschaftslage bewerten viele Unternehmen noch recht ordentlich. Doch bei den Aussichten werden sie pessimistischer, zeigt der Konjunkturklima-Indikator der IHK.

16.07.2019

Die Stadt Neustadt stellt Flüchtlingen, die selbst Geld verdienen, die Kosten für die Unterkunft in Rechnung. Ein Zwölf-Quadratmeter-Zimmer kostet mehr als 620 Euro pro Monat. Der Flüchtlingsrat spricht von Wucher – hohe Gebühren gefährdeten die Integration. Ein Kurzinterview.

16.07.2019