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Meine Stadt Schlesiertreffen in Hannover: „Sind wieder auf einem grünen Zweig“
Hannover Meine Stadt Schlesiertreffen in Hannover: „Sind wieder auf einem grünen Zweig“
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18:26 13.06.2019
Engagierter Nachwuchs: In der Landsmannschaft der Schlesier sind nicht nur Alte vertreten. Diese junge Gruppe trat beim Schlesiertreffen 2017 in Hannover auf. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Viele wunderten sich, dass sich Damian Spielvogel engagieren wollte. Seinen Verein werde es in einigen Jahren doch ohnehin nicht mehr geben – ausgestorben sozusagen. „Aber wir sind immer noch da“, sagt der 53-jährige Geschäftsführer der Landsmannschaft Schlesien. Der Vertriebenenverband zählt noch immer mehr als 150.000 Mitglieder. Rund 6000 Besucher werden am Wochenende zum Deutschlandtreffen im Hannover Congress Centrum (HCC) erwartet.

Alle zwei Jahre fand das zuletzt in Hannover statt. Bis vor einigen Jahren begleitet von schrillen und auch rechten Tönen. 2011 verließ Ministerpräsident David McAllister empört vorzeitig das Treffen in Hannover, weil der damalige Vorsitzende der Landsmannschaft, Rudi Pawelka, Polen eine „Gewaltpolitik vor 1939“ vorgeworfen und eine offizielle Entschuldigung Polens und Tschechiens für die Vertreibung gefordert hatte. Zudem müssten sich „die Verantwortlichen der Massenmorde an den Deutschen vor Gericht verantworten“, so Pawelka.

Neuer Kurs mit neuem Vorstand

2013 soll die Landsmannschaft kurz sogar fast vor dem Aus gestanden haben, finanziell schwer angeschlagen. Spender hatten sich abgewandt, hochrangige Politiker aus Niedersachsen wollten erst einmal nichts mehr mit dem Verein zu tun haben. Das Land hatte nach dem Krieg die Patenschaft für die Schlesier übernommen, weil sich in Niedersachsen besonders viele von ihnen niedergelassen hatten.

Ein neuer Vorstand schaffte die Wende. „Ich bin mit 53 Jahren der Älteste“, berichtet Geschäftsführer Spielvogel. Aus der Generation, die Krieg und Vertreibung noch miterlebt hat, ist keiner mehr darin vertreten. Der Vorsitzende Stephan Rauhut selbst ist Jahrgang 1974 und CDU-Mitglied.

Enkelgeneration engagiert sich

„Wir haben uns geöffnet und viel Neues angestoßen“, berichtet Spielvogel. Finanziell sei der Verein „wieder auf einem grünen Zweig“, die Drähte zur Politik funktionierten wieder. Das zeigt sich auch daran, dass Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Sonntag bei der politischen Hauptkundgebung wieder eine Rede auf dem Treffen halten wird. Außerdem soll ihm das Schlesierschild verliehen werden, die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft.

Deren Mitgliederzahl ist zwar weiterhin abnehmend. Allerdings gibt es auch Nachwuchs aus jüngeren Generationen – vor allem aus der der Enkel. „Dort gibt es oft mehr Interesse als bei den Kindern der Vertriebenen“, sagt Spielvogel. Er erklärt das damit, dass in vielen Familien entweder gar nicht oder zu viel über Flucht, Vertreibung und die verlorene Heimat gesprochen wurde. „Schlesien wurde glorifiziert, manche Kinder wollten davon nichts mehr hören, weil sie sich selbst in Westdeutschland integrieren wollten“, erklärt Spielvogel.

Das ist Schlesien

Der Großteil der preußischen Provinz Schlesien ging nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen, zunächst offiziell nur unter polnische Verwaltung. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung wurde allerdings vertrieben, stattdessen polnische Familien angesiedelt, von denen wiederum viele den Osten Polens hatten verlassen müssen, den die Sowjetunion für sich beanspruchte.

Ein kleiner Teil Niederschlesiens in der Lausitz gehörte zum Staatsgebiet der DDR. Die dort lebenden Schlesier wurden jedoch daran gehindert, ihre Kultur auszuleben.

Die Westgrenze zu Polen erkannte die Bundesrepublik endgültig 1990 im Rahmen der Wiedervereinigung an. Allerdings lebt auch heute noch eine deutsche Minderheit in Schlesien. In kleineren Ortschaften, wo diese mindestens 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht, wurden auch schon wieder zweisprachige Ortsschilder aufgestellt.

Das Verhältnis zu Polen beschreibt der Geschäftsführer als „entspannt“, gerade auf der kommunalen Ebene gebe es einen „sehr positiven und herzlichen Austausch“. Getragen gerade von jungen Mitgliedern der Landsmannschaft, die sich engagieren.

Immer noch Ärger mit dem Ex-Vorsitzenden

Ganz los sind sie die alten Geister aber noch nicht. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Heinz-Werner Fleger richtete sich kurz vor Weihnachten mit einer Botschaft an die Mitglieder der Landsmannschaft, in der er „führenden Kräften“ vorwirft, dass diese „der Bun­des­lands­mann­schaft mög­lichst gro­ßen Scha­den“ zufügen wollten. Er appelliere deshalb an die „Vernunft“ dieser „Widerständler“. Laut Geschäftsführer Spielvogel handelt es sich dabei um den Ex-Vorsitzenden Pawelka und seine verbliebenen Anhänger. „Ein paar schwarze Schafe gibt es immer“, so Spielvogel.

Das Schlesiertreffen beginnt am Freitag (14. Juni) um 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Marktkirche. Am Samstag und Sonntag treffen sich die Besucher im HCC zu Vorträgen und gemeinsamen Singen. Traditionelle Tänze werden gezeigt, schlesische Gerichte angeboten.

Von Christian Bohnenkamp

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