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Meine Stadt Schlafen in der Box: Neues Hotelkonzept in Hannover
Hannover Meine Stadt Schlafen in der Box: Neues Hotelkonzept in Hannover
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00:18 20.10.2017
STANDARDBOX: Die Dusche ist hinten links oben, die Matratzen sind alle vom Typ „Testsieger bei Stiftung Warentest“. Quelle: Foto: Mehle
HANNOVER

Übernachten mitten in der Stadt, die Hotel-Formalitäten digital per App selbst erledigt, keine Rezeption, das WC auf dem Gang. Und das Handy ist der Schlüssel. Das ist kurz gefasst „Boxhotel“, erdacht von Oliver Blume (52), der damit die Branche aufmischen will. Was er gerne macht. Er sieht sich als „Regelbrecher“, macht gerne Sachen, die das Gängige, Übliche in Frage stellen, findet Gefallen daran „Themen neu zu denken“ – so wie 2014, als er die „easyApotheke“ ins Leben rief, zur Marke und zur größten Filial- und Versandapotheke aufbaute, bis er 2012 ausstieg.

„Wir können die am schnellsten wachsende Hotelkette der Welt werden“, sagt Blume. Den Test, ob sein Konzept ankommt, sieht der Geschäftsmann als bestanden an – jetzt soll es richtig losgehen: Im Frühjahr soll in Hannover ein Boxhotel mit 100 Zimmern (200 Betten) an den Start gehen, direkt neben dem Astor-Kino in der Nikolaistraße (Hannover-Mitte). In Göttingen läuft das erste, halb so große Boxhotel seit Mai, es verzeichne inzwischen eine Auslastung von 90 Prozent, Branchenkenner sprächen schon vom „erfolgreichsten Hotel-Neustart in Deutschland“. Nach 1,5 Jahren Entwicklungs- und Genehmigungszeit war Göttingen für Blume ein Projekt „mit Laborcharakter: Dort habe ich Erfahrung gesammelt und war zudem unterm Radar“, also nicht so im Blick von Konkurrenz und Medien.

„Wenn heute eine Fahrt mit dem Flixbus von Hamburg nach Berlin 20 Euro kostet, sollte die Übernachtung entsprechend sein“ skizziert der Geschäftsmann die Gedankenkette hinter seinem Ansatz. Also muss die Nacht günstig sein – und das „erreicht man nur über Quadratmeter“ – Fläche in der City ist teuer. Personal auch, weswegen Blume nur das nötigste auffährt, um die Schlafboxen (siehe Info) zu pflegen. Er geht davon aus, dass sich gerade die Art des Tourismus ändert, besonders der Städtetourismus, dass Kurzfristaufenthalte stark zunehmen.

Und überall gebe es ungenutzte Flächen in bestehenden Gebäuden. „3,60 Meter Deckenhöhe reicht uns“, sagt Blume und ist sicher, mit den selbst entwickelten und gefertigten Hotelboxen sehr schnell expandieren zu können. Bislang sei man „das erste und einzige voll App-basierte Hotel weltweit!“ Im Vergleich zu traditionellen Herbergen sei sein Konzept „viel günstiger, effektiver und effizienter“.

Sobald Hannover angelaufen ist, soll Boxhotel „so schnell wie möglich in jeder Großstadt Deutschlands“ vertreten sein, auch das Ausland ist schon im Blick. „Der Markt ist riesengroß, das ist eine große Chance“, sagt der Geschäftsmann und berichtet, dass er inzwischen „sehr viele Angebote für finanzielle Beteiligungen“ erhalte – doch er möchte das Ding alleine auf die Beine stellen.

Da sein Boxhotel nicht die Kriterien des Gastro-Lobby-Verbandes Dehoga erfüllt, ist es nicht Sterne-klassifiziert. Das stört Blume nicht wirklich: „Ich bin 6-Sterne im Bereich Boxhotel“, sagt er selbstsicher lachend und ergänzt, was für ihn wirklich zählt: „Wir haben 8,2 Punkte bei booking.com – das ist für uns die wichtige Bewertung!“ Und noch immer freut er sich, wenn er Menschen in sein Boxhotel führt „deren emotionale Reaktion, diesen Aha-Effekt, das Lächeln im Gesicht, wenn die Leute erstmals in so eine Box gehen.“

Das bietet und kostet die Schlafbox

Das mit der „Box“, also „Schachtel“, ist an dem neuen Hotelkonzept wörtlich gemeint: mit 1,5 mal 2,8 Meter bietet Boxhotel gerade mal 4,2 Quadratmeter, dazu eine Höhe von knapp 3,6 Meter. Die Single-Box (nur wenige je Standort) ist etwas niedriger, hat nur ein Waschbecken, kostet 24,99 Euro je Nacht. Die Standard-Box kostet 29,99 Euro, bietet quasi zwei Etagen, die eingebaute Dusche erreicht man über eine kurze Treppe. Alle Boxen sind Fensterlos, aber mit Frischluftversprechen: pro Tag soll durch jede Box eine Million Liter saubere Luft strömen. „Wir filtern alles raus, was filterbar ist!“, erklärt Hotel-Gründer Oliver Blume. Damit dürfte die Luft drinnen besser sein als das, was mitten in einer Stadt so durchs Fenster kommt. Kaffee, Tee und Wasser sind frei, Snack-Automaten lindern den kleinen Hunger, eigene Parkplätze gibt es nicht. Gebucht wird per Handy-Anwendung Hotelbird – die App ist die Rezeption, bietet über Bluetooth-Funk Zugang zu Hotel und Schlafbox – plus lokale Tipps gegen Langeweile.
 

Von Ralph Hübner