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Meine Stadt Schlachthof aus Gleidingen gibt Verstöße zu
Hannover Meine Stadt Schlachthof aus Gleidingen gibt Verstöße zu
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12:04 21.11.2018
SCHWERE VORWURF: Der Schlachthof Leine-Fleisch GmbH in Laatzen-Gleidingen soll Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtordnung begangen und Schweine vor deren Schlachtung gequält haben.
SCHWERE VORWURF: Der Schlachthof Leine-Fleisch GmbH in Laatzen-Gleidingen soll Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtordnung begangen und Schweine vor deren Schlachtung gequält haben. Quelle: Archiv
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LAATZEN

Der in Gleidingen (Laatzen) ansässige Schlachthof Leine-Fleisch GmbH steht im Verdacht der Tierquälerei und soll Verstöße ge­gen die Tierschutz-Schlachtverordnung begangen haben. Diesen Vorwurf erhebt das Deutsche Tierschutzbüro in Berlin und führt dafür versteckt aufgenommene Videoaufnahmen aus dem Spätsommer an, die ihm durch Tierschutz-Aktivisten zugespielt worden sind.

Darauf soll zu sehen sein, wie eine Vielzahl von Schweinen bis zu 40-mal mit Elektroschockern ge­quält werden, während sie keine Möglichkeit zur Be­wegung haben. Die Aufnahmen will die Organisation am Mittwochvormittag vor dem Betrieb in Gleidingen der Öffentlichkeit präsentieren. Das Deutsche Tierschutzbüro hatte Anfang November Videomaterial mit Verstößen gegen das Tierschutzgesetz aus einem Oldenburger Schlachthof veröffentlicht. Ähnliche Bilder veröffentlichte der Verein Soko Tierschutz aus einem Schlachthof in Bad Iburg im Oktober.

„Das kommt für uns aus heiterem Himmel“

Das Unternehmen bestätigte am Abend mit Bedauern die Verstöße gegen den Tierschutz: „Das mehrfache Einsetzen von Elektrotreibern entspricht in keiner Weise den Tierschutzstandards, die wir vorgeben“, hieß es in einer Mitteilung der Leine-Fleisch GmbH. Die Verstöße seien „von einem über einen Werkvertrag eingesetzten Beschäftigten“ begangen worden. Die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmer werde beendet. Das gesamte Kontrollsystem, vor allem der „Bereich der Betäubung und Tötung“, solle einer kritischen Überprüfung unterzogen werden. „Das kommt für uns aus heiterem Himmel“, sagte Florian Sonnet, der Leiter des Betriebs, der NP. Kurios: Der Schlachthof ist videoüberwacht, was in Niedersachsen aktuell für Schlachthöfe zwar gefordert wird, aber noch nicht gesetzlich umgesetzt ist.

Dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium liege ein Zusammenschnitt des Videomaterials vor, teilte ein Sprecher am Abend mit. Wegen der Schilderung der angeblichen Verstöße habe das Ministerium die Strafanzeige des Tierschutzbüros zusätzlich an die Staatsanwaltschaft Oldenburg übermittelt. Das Bildmaterial solle auch von Fachleuten des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) gesichtet werden. Das Tierschutzbüro hatte Strafanzeige beim Niedersächsischen Agrarministerium, beim Veterinäramt der Region Hannover und der Staatsanwaltschaft Hannover er­stattet.

Die Region teilte am Nachmittag mit, dass dem Veterinäramt in der Vergangenheit keine Verwürfe der Tierquälerei bekannt geworden seien. An jedem Schlachttag sei ein Team des Veterinäramtes vor Ort, außerdem kontrolliere ein Amtstierarzt stichprobenartig die Behandlung der Tiere vom Abladen bis zum Entbluten. Seine Schweine bezieht das Un­ternehmen größtenteils über Viehhändler und Erzeugergemeinschaften aus dem Umkreis von 150 Kilometern, etwa aus Diepholz, Walsrode, Fallingbostel, Uelzen und Celle. Pro Woche hängen knapp 13 000 Schweine in der Schlachtstätte am Haken. Die Leine-Fleisch GmbH ist bio-zertifiziert.

UNTER VERDACHT: Im Schlachthof in Laatzen-Gleidingen werden im Jahr über 500 000 Schweine geschlachtet. Das Deutsche Tierschutzbüro wirft dem Betrieb nun Fälle von Tierquälerei und Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung vor. Sie sind aktuell aber nicht bestätigt. Quelle: dpa

„Der Schlachthof ist ein Beweis, dass auch eine selbstverpflichtende Überwachung durch Videokameras keine funktionierende Lösung ist und Tierquälerei nicht verhindert“, sagt Jan Peifer, der Vorstandsvorsitzend Deutsches Tierschutzbüro. Beim Schlachthof in Laatzen-Gleidingen müsse sofort gehandelt werden, fordert er.

Achtung, dieses Video enthält schwer erträgliche Szenen

Von Andreas Voigt