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Meine Stadt Samy Deluxe: Ein „Superheld“ in Hannover
Hannover Meine Stadt Samy Deluxe: Ein „Superheld“ in Hannover
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17:39 02.04.2019
Himmelsstürmer: Rapper Samy Deluxe bei seinem Auftritt in der Swiss-Life-Hall. Quelle: Fotos: Heusel
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Hannover

Für Deutschlands erfolgreichsten Rapper Samy Deluxe musste das Hannover-Konzert vom Capitol in die Swiss-Life-Hall hochverlegt werden. Eine vernünftige Entscheidung, denn die 4700 anwesenden Zuschauer und Hip-Hop-Fans möchten nicht gestapelt werden, sondern hippen, hoppen und hotten.

Als Einheizer läuft Samys „Bruder“ und bester Kumpel Afrob „Richtung Weltuntergang“. Und der wundert sich: „Da fährst du 100 Kilometer, und die Leute hassen sich. Aber Refugees welcome!“. Die Erklärung: Afrob ist in Braunschweig aufgewachsen, das wird tatsächlich von einigen Zuschauern mit Murren quittiert.

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Seine Verse hallen mit viel Echo durch die Halle, bei den tiefen Hip-Hop-Bässen zittert die Unterlippe vom Druck, die Zähne klappern. Auch Afrob hat Mitte der 1990er-Jahre angefangen, genau wie Samy Deluxe.

Gut gerappt, Typ Nähmaschine

Nach dem kurzen Support versammeln sich die Musiker des DLX-Ensembles auf der typischen MTV-Unplugged-Bühne: Sie ist mit einem großen bequemen Teppich bedeckt, darauf stehen die vielen Percussion-Instrumente, ein Kontra- und E-Bass, die Akustik-Gitarren und Keyboards. Merke: Unplugged benötigt Orchester-Instrumentierung. Die Atmosphäre unter den Fans ist entspannt, sie warten geduldig auf ihren Rap-Helden. „Hey, Deutschland, kennt ihr mich noch?“, ruft Samy plötzlich in die Menge. Na klar, eine rhetorische Frage – obwohl, mit Samys 41 Jahren lautet seine Berufsbezeichnung eben schon „Oldschool-Rapper“.

„Lies mein Poesiealbum“, knallt er los, die Streicher sind dabei nicht immer zu hören, die Bläser schon eher. Da wird eine Klangwand errichtet in der Swiss-Life-Hall. Brettlaut ist es. Gut gerappt, Typ Nähmaschine, unheimlich schnell, wenngleich auch nicht immer gut zu verstehen.

In Hannover war sein erster Auftritt überhaupt, das war 1995 und das hat er nicht vergessen. Samy ist aus Hamburg, eine offene und internationale Stadt. Doch auch dort war er „zu weiß für die Schwarzen und zu schwarz für die Weißen“, beklagt er sich in „Wer ich bin“. Seine Kindheitserinnerung an den Rassismus sind immer noch präsent. Und mit der schlauen Zeile „Es geht nicht um Schwarz und Weiß, sondern um Arm und Reich“, hat er ein Motiv für Rassismus erkannt.

Samy Deluxe: Das Unplugged-Konzert in Hannover

Ansonsten haut er seinen „90er-Jahre-Rap-Shit“ raus, die Wollmütze klebt auf dem Kopf, die Sonnenbrille verdeckt sein Gesicht. Samy ist ein großer Kerl, nickt wie ein Bär zu den Grooves. „Zurück zu Dir“, „MiMiMi“, „Letzte Warnung“ – er zieht alle Register, rappt sehr schnell und sehr sicher. Meisterlich ist das, „Samy“-Rufe werden abgegeben.

Superheld“ ist für seinen Sohn, auch da gibt es bittere Zeilen zu hören, Deluxe-Konzerte sind nun mal persönlich, aber auch immer wieder mit harter Kritik an einer segregierenden Gesellschaft versehen.

Mit „Lasst uns ein bisschen durchdrehen!“ bringt Samy alle auf andere Gedanken, das klappt famos, die Samy-Fans gehen richtig gut mit. Rappen, Singen, Free-stylen, Beatboxen – Samy ist einfach Deluxe.

Von Kai Schiering