Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannovers großes Leuchten im November
Hannover Meine Stadt Hannovers großes Leuchten im November
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:35 27.12.2018
Landesmuseum: Viele Besucher bei Hannover leuchtet.
Landesmuseum: Viele Besucher bei Hannover leuchtet. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Anzeige
Hannover

Glücklich wirkt Felix Reinhold. Ein wenig er­schöpft vielleicht, aber vor allem glücklich. Von der leichten Anspannung, die ihm kurz vor und auch während des Lichtkunstfestivals „Hannover leuchtet“ im November noch anzumerken war, ist nichts geblieben. Im Gegenteil: Der Chef der Garbsener Firma Allstars Veranstaltungstechnik strahlt selbst, wenn er an die fünf Tage zurückdenkt. „Das Ganze hat unsere Erwartungen voll übertroffen“, sagt er. Eine Wiederholung 2019 (6. bis 10. November) ist bereits sicher – auch wenn das kostenlose Spektakel dem Veranstalter nicht viel eingebracht hat: „Für uns war es kein finanzieller Gewinn“, so Reinhold: „Aber für Hannover war das Festival sicher ein Gewinn.“ 

Mit maximal 50 000 Besuchern hatte man gerechnet, Rund 120 000 kamen: „Wir hatten deutlich mehr Menschen hier als die Cebit zuletzt.“ Insgesamt elf sogenannte Lichtpunkte hatten die Veranstalter an prominenten Plätzen und Gebäuden in der Stadt festgemacht, darunter Oper, Landesmuseum oder Aegidienkirche. Ganze Licht- und Video-Geschichten wurden an Hauswände geworfen und mit Musik untermalt. Aber auch die Besucher selbst konnten mit Kunstwerken interagieren – et­wa mit dem Lichtschwein an der Kröpcke-Uhr oder dem Leuchtpuzzle an der Marktkirche.

Wenn die Sonne untergeht, wird es in Hannover erst richtig bunt: Bis Sonntag erstrahlt die Stadt jeden Abend ab 17.30 Uhr beim Lichtkunstfestival „Hannover leuchtet“.

Die Besucher pendelten zwischen den Lichtpunkten per Üstra, per Rad oder zu Fuß – und sie orderten geführte Bus- oder Segway-Touren. Insgesamt 2400 Führungen wurden gebucht.

Nicht alles lief glatt

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. „Das Ganze hat deutlich mehr gekostet, als es eingespielt hat“, sagt Reinhold. An Sponsoren hat es gefehlt – und das trotz anstrengender Bittgänge: „Es gab einige regionale Unternehmen mit Namen, die sich im Vorfeld offenbar nichts unter der Veranstaltung vorstellen konnten.“ Doch das hat sich glücklicherweise geändert: „Inzwischen sind sie begeistert – auch angesichts der Reichweite des ,Hannover leuchtet’ in den sozialen Medien.“

Auch das „Festlichtzelt“ auf dem Opernplatz hätte deutlich besser ankommen können – hier wurden Menüs passend zum Anlass serviert. In Zukunft will man dort à la carte Speisen anbieten. Das Sechs-Gang-Gastro-Highlight „Köche leuchten“ wird es 2019 trotzdem wieder geben. „Es haben sich schon Köche gemeldet, die mitmachen wollen“, so der Organisator, „auch für sie ist es ein Highlight.“

Dennoch gebe es nach der Premiere des Festivals noch einiges an Verbesserungsbedarf: So habe man an den Reaktionen der Besucher gemerkt, dass sie sich an so manchem Lichtpunkt „allein gelassen“ fühlten. „Wir müssen die Kunst manchmal besser erklären“, zieht Reinhold Bilanz. Beispiel „Lichtdusche“: Das Kunstobjekt am Nordufer des Maschsees sollte der Selfie-Spot schlechthin werden – so richtig verstanden haben ihn offenbar nur wenige. Ähnlich erging es dem Leuchtpuzzle an der Marktkirche. „Die Besucher suchten vergeblich den großen Lichtzauber an der Kirchenfassade – dabei befand sich das interaktive Kunstwerk im Container daneben“, so Reinhold. Man werde deshalb in Zukunft plakative Infos an dem Lichtpunkt anbringen.

Mehr Lichtpunkte als 2018

Und überhaupt: Weil das Gros der Besucher zu Fuß unterwegs war, will man das Festival 2019 enger in der Innenstadt konzentieren. Reinhold: „Vielleicht mit dem Startpunkt Historisches Museum in der Altstadt, weil Hannover von dort aus gewachsen ist.“ Ebenfalls mit dabei sind wieder das Landesmuseum und die Marktkirche, verspricht der Organisator: „Insgesamt wird es 2019 definitiv mehr Lichtpunkte als 2018 geben – so viel steht fest.“

Großes Ziel der Veranstalter ist das Neue Rathaus als Lichtpunkt: „Letztes Jahr konnten wir die Stadt nicht gewinnen.“ Inzwischen sind die Signale positiver. Von der Verwaltung gab es auf NP-Nachfrage großes Lob für „Hannover leuchtet“. Über eine Beteiligung der Stadt im nächsten Jahr werde man mit der Politik in Kürze beraten und entscheiden. Mitte 2019 soll klar sein, ob es das Neue Rathaus oder vielleicht ein anderes Gebäude wird.

Eine begehbare Lichtlandschaft

In Stein gemeißelt ist noch nichts, genügend Ideen haben die Künstler und das Allstar-Team aus Garbsen aber. Zudem möchten die Veranstalter 2019 auch selbst als Künstler aktiv werden: „Wir wollen uns im Maschpark in einer begehbaren Lichtlandschaft verwirklichen“, kündigt Reinhold an. Auch der Besucher selbst wird dann Teil der Kunst, wenn etwa Licht auf seinen Körper projiziert wird.

Dass sich „Hannover leuchtet“ fest im jährlichen Veranstaltungskalender verankert – davon ist Reinhold überzeugt. Der Abwechslung halber werden die Festivaltage dann sicherlich unter ein jährlich wechselndes Motto gestellt. Das ist aber noch ferne Zu­kunftsmusik, so der Leiter: „Hannovers Reserve an historischen Gebäuden, die erst mal ihre eigene Geschichte erzählen können, ist riesig.“

Von Simon Polreich