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Meine Stadt Römerlager: „Es geht um Erhalt oder Vernichtung“
Hannover Meine Stadt Römerlager: „Es geht um Erhalt oder Vernichtung“
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18:30 21.05.2019
Hier war viel los: Rund 20 000 römische Soldaten und damit mehrere Legionen sollen im Hemminger Ortsteil Wilkenburg campiert haben. Doch die Fläche ist vom Kiesabbau bedroht. Quelle: Rodriguez
Hannover

Was sie umtreibt, kommt aus ihrer Sicht einer Horrorvorstellung nahe: Das Römerlager bei Wilkenburg, das Archäologen 2015 entdeckt haben, ist noch immer vom Kiesabbau bedroht. Knapp 6000 Bürger haben deshalb eine Petition für den Erhalt unterzeichnet. Am Dienstag befasste sich der Landtag damit. Zumindest so viel haben die Römerlager-Fans geschafft: Die Politik muss sich zu dem Thema bekennen.

Kristina Osmers hat die Petition mit ihrem Ehemann Werner Dicke auf den Weg gebracht. Für sie lässt sich der Konflikt auf eine einfache Formel herunterbrechen. „Kies oder Kultur“ – darum gehe es aus ihrer Sicht, erklärte sie im Forum an der Marktkirche, wo der Petitionsausschuss des Landtags zusammenkam. Für Dicke steht fest: „Kulturgüter sind knapper als Kies“.

Mars-Forscher kämpft für Römerlager

Franz Renz forscht nicht nur auf der Erde. Seit dem Jahr 2000 ist der Professor, der am Institut für Anorganische Chemie der Leibniz Universität arbeitet, mit seinem Wissen an der Mars-Mission der NASA beteiligt. Das Römerlager bei Hemmingen ist ihm trotzdem eine Herzensangelegenheit. Er beschäftigt sich vor allem mit den Münzfunden und anderen Spuren im Boden, den die rund 20 000 Legionäre auf dem Acker bei Hemmingen hinterlassen haben.

Sein Unverständnis über die drohende Zerstörung des Lagers machte Renz auch an Zahlen fest. 16 000 Hektar seien in Niedersachsen für den Kiesabbau vorgesehen. Das Römerlager mache davon nur 0,25 Prozent aus. Er sieht darin einen „Schatz, der unbezahlbar ist“. Die Häufigkeit der Funde sei „so groß“, dass man von einem „besonderen Lager“ ausgehen müsse. Renz vermutet, dass man „noch viel mehr findet, vielleicht sogar eine Siedlung“.

Einziges Zeugnis für Krieg mit Germanen?

Der Archäologe Michael Erdrich sieht „im Boden ein Archiv“. Das Römerlager in Wilkenburg ist für ihn „das bislang einzige Zeugnis“, das man wohl unmittelbar dem „Immensum Bellum“ (lateinisch für gewaltiger Krieg) zuordnen könne. Einem Aufstand germanischer Stämme in den Jahren nach Christi Geburt, zu dem die Quellenlage bisher noch dünn ist.

Das Kultusministerium machte in der Anhörung zwar deutlich, dass das Lager auch beim Kiesabbau erforscht würde. In diesem Fall würde es eine Rettungsgrabung geben. Das wollen die Unterzeichner der Petition jedoch verhindern.

Neue Erkenntnisse mit neuen Messmethoden

Uni-Professor Renz geht davon aus, dass sich die Archäologie „drastisch weiterentwickeln“ wird. Immer mehr Informationen ließen sich mit „zerstörungsfreien Messmethoden“ gewinnen. Es gelte deshalb, „den Schatz zu sichern“, weil sonst die Chance auf größere Erkenntnis in der Zukunft verloren gehe.

„Es geht um Erhalt oder Vernichtung“, stellte Kristina Osmers klar. Es gebe „nur diese zwei krassen Alternativen“, sagte die Initiatorin der Petition sichtlich erregt. Denn zuvor hatte das Kultusministerium erneut ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Römerlagers vermissen lassen und die Verantwortung an die Region weitergereicht, die als untere Denkmalschutzbehörde zwischen den Interessen abwägen müsse.

Politik will im Juni entscheiden 

Osmers forderte die Politik und die zuständigen Ministerien auf, das Lager zu erhalten. Möglich sei das, indem die Fläche vom Landwirtschaftsministerium aus dem Raumordnungsprogramm des Landes herausgenommen werde, in dem bisher Kiesabbau vorgesehen ist.

Laut Axel Brammer, dem Vorsitzenden des Petitionsausschuss, wird die Politik voraussichtlich im Juni über die Petition entscheiden, die den Erhalt des Lagers fordert. Zuvor müsse diese aber noch in den Fraktionen beraten werden.

Von Christian Bohnenkamp

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