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Meine Stadt Riesenbatterie stabilisiert Stromnetz
Hannover Meine Stadt Riesenbatterie stabilisiert Stromnetz
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20:36 23.10.2017
RIESENBATTERIE: Das Projekt von Stadtwerken Hannover und Daimler hat jetzt den Segen des Netzbetreibers. Quelle: Foto: von Ditfurth
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HANNOVER

Europas derzeit größte Batterie, die gerade in Herrenhausen entsteht, hat eine wichtige Hürde genommen und den Segen von Tennet erhalten: Der Stromnetzbetreiber bescheinigt dem Gemeinschaftsprojekt von Stadtwerken Hannover und Autobauer Daimler die Fähigkeit, Frequenzschwankungen im Stromnetz wie gewünscht auszugleichen. Im Fachjargon: Sie hat die Präqualifikation.

Die Anlage in der 72 Meter langen und 29 Meter breiten Halle neben dem Kraftwerk Herrenhausen ist damit jetzt „offiziell“ in Betrieb, auch wenn sie noch nicht wirklich fertig ist: Von den 3240 am Ende zusammengeschalteten Akkus sind jetzt knapp 1300 „in Aktion“ – ihre Leistung wird aber jetzt schon vermarktet und der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zahlt für die Stabilisierungsdienste.

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Die Stabilisierungsleistung ist erforderlich, da immer mehr Schwankungen auftreten, etwa wenn Windkraftanlagen wegen Flaute vom Netz gehen oder Sonnenstrom mangels Sonnenschein (Gewitterfront!) plötzlich wegbricht. Laut Stadtwerkesprecher Carlo Kallen sind Batterien dafür am besten geeignet, weil sie am schnellsten reagieren könnten. Die Riesenbatterie in Herrenhausen werde das Netz wie geforderet „im 30-Sekunden-Takt“ regulieren, könnte theoretisch auch schneller.

Das Besondere an diesem Gemeinschaftsprojekt von „enercity“ und Mercedes-Benz: Die Batterien müssen so gehegt und gepflegt, ständig geladen und entladen werden, dass sie auch noch nach zehn Jahren wie neu sind und als Ersatzteile für im Alltagsbetrieb verbrauchte Smart-Akkus bereitstehen (jedes der Autos hat drei solcher Lithium-Ionen-Akkus an Bord). Die Experten sprechen hier von einer „lebenden Lagerung“. Ganz wichtig dabei: gleichmäßige Temperaturen – daher ist die große Halle mit einer entsprechend leistungsfähigen Klimaanlage ausgestattet. Der Fahrzeugbauer erhofft sich durch die ausgeweitete Nutzung der Auto-Akkus geringere Lebenszykluskosten und eine verbesserte Umweltbilanz.

Rund zwölf Millionen Euro stecken die Unternehmen in das Projekt, das deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt – zum Auftakt im Mai 2016 waren die Macher davon ausgegangen, dass der Speicher binnen Jahresfrist fertig sein wird. Doch da es „Pionierarbeit“ und „für alle Beteiligten absolutes Neuland“ sei, weil es weltweit noch keinen solchen Speicher gebe, „bei dem nach Ende der Lagerung die Batterien absolut neuwertig sein und als Ersatzteil zur Verfügung stehen müssen“, verzögerte sich das Projekt Kallen. Wirklich fertig soll die Anlage nun im ersten Quartal 2018 sein.

Die fertige Riesenbatterie (Gesamtgewicht: etwa 162 Tonnen ohne die Schränke) hat mit 17,5 Megawattstunden (MWh) laut den Stadtwerken Hannover etwa so viel Speicherkapazität wie zwei Millionen Han­dys. Oder von annähernd 40 000 „normalen“ Zwölf-Volt-Auto-Starterbatterien.

Im Übrigen wird auch daran geforscht, Elektro-Autos als mögliche kurzfristige Ausgleichsspeicher einzusetzen – immer dann, wenn sie via Steckdose am Netz sind.

Von RALPH HÜBNER