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Meine Stadt Ricoh: Weihnachtsgeld gestrichen, Jobs in Gefahr?
Hannover Meine Stadt Ricoh: Weihnachtsgeld gestrichen, Jobs in Gefahr?
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22:25 28.11.2016
Von Ralph Hübner
Hier in der Vahrenwalder Straße sitzt Ricoh Deutschland Quelle: Dröse
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Hannover

Schlechte Nachrichten für Mitarbeiter von Ricoh Deutschland: Das von Hannover aus gesteuerte Unternehmen für Drucker und Kopierer steckt in einer Krise. Um die Wende einzuläuten, wird den 3000 Beschäftigten (davon gut 1100 in Hannover) ein Teil des Weihnachtsgeldes gestrichen - dadurch sollen etwa fünf Millionen Euro gespart werden. Zudem sollen turnusmäßige Gehaltszuwächse bei Mitarbeitern, die nicht nach Tarif bezahlt werden, auf Eis gelegt werden, was wiederum rund zwei Millionen Euro ausmachen dürfte. Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung.

„Wir machen das nicht, um Gewinne zu maximieren, sondern um unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen“, erklärte Unternehmenssprecher Mario Di Santolo und bestätigte der NP vorliegende Informationen. Obwohl schon in der Vergangenheit Maßnahmen ergriffen worden seien, habe die Marktentwicklung dazu geführt, dass jetzt schnell gehandelt werden müsse. So herrsche auf dem Kopierer-Markt in Deutschland etwa ein Preisverfall von bis 30 Prozent pro Jahr, „und das bei gleichzeitig steigenden Kosten“. Das Geschäft ist sehr personalintensiv, da sehr vertriebslastig - der Personalkostenanteil bei Ricoh soll um 70 Prozent betragen. Gekürzt wird der freiwillige Anteil am sogenannten Weihnachtsgeld - das, was Rico bisher dazugibt, um den tariflichen Betrag auf ein volles Monatsgehalt aufzustocken. Di Santolo spricht angesichts der Streichungen Klartext: „Das Geld dafür ist nicht da, das war die Botschaft an die Belegschaft. Wir müssen das tun, um wieder wettbewerbsfähig zu werden!“

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Der japanische Konzern hat zuletzt einen weltweiten Gewinneinbruch von rund 70 Prozent hinnehmen müssen, in Deutschland sollen Verluste erwirtschaftet worden sein. Die Belegschaft wird derzeit in Betriebsversammlungen über die Lage und die Perspektiven informiert; nach Hannover (Freitag, 25. November) und Düsseldorf (Montag, 28. November) ist Esslingen (Dienstag, 29. November) an der Reihe. Ricoh wolle dabei „transparent und offen die Situation des Unternehmens abbilden und deutlich machen, dass Handeln unerlässlich ist“.

Die genannten Maßnahmen würden etwa 100 Jobs sichern. Dass hier Stellen gestrichen werden, scheint jedoch unausweichlich, heißt es doch: „Unser Ziel ist, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.“ Und das versuche Ricoh Deutschland nun aus eigener Kraft zu schaffen, „bevor ein Sanierer von außen mit der Kreissäge in der Hand vorbeikommt“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Thomas Nagel 28.11.2016
Thomas Nagel 01.12.2016