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Meine Stadt 1480 Einsätze für die Retter aus der Luft
Hannover Meine Stadt 1480 Einsätze für die Retter aus der Luft
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18:54 29.01.2019
Seit 1972 hebt Rettungshubschrauber "Christoph 4" von Hannover aus zu Einsätzen ab, das aktuelle Modell fliegt seit 2008 in der Region Quelle: Wilde
HANNOVER

Zusammenstöße auf Autobahnen, Erste Hilfe bei Herzinfarkten oder Einsatz bei Badeunfällen: Wenn es um Leben und Tod geht, ist Zeit ein wichtiger Faktor – und dann sind meist die Rettungshubschrauber vor Ort.

1480 Einsätze sind in Deutschland ein Spitzenwert

Für die Region Hannover und die angrenzenden Landkreise ist der Rettungshubschrauber „Christoph 4“ zuständig. Und der flog im vergangenen Jahr 1480 Einsätze – deutschlandweit ein Spitzenwert. Mehr Einsätze flogen nur die Kollegen in Hamburg (1597) und Kempten (1607), teilte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, am Dienstag in Hannover mit. Deutschlandweit flogen die Luftretter des BBK rund 15 500 Einsätze.

LUFTRETTUNG: Pilot Dietmar Naumann (von links), Volker Hubrich (Leitender Notfallsanitäter am Christoph 4), MHH-Chirurg Christoph Macke, Hannes Wendler (Landesvorstand Johanniter) und BBK-Präsident Christoph Unger haben am Dienstag in der MHH die Einsatzbilanz 2018 von Christoph 4 vorgestellt. Quelle: Wilde

Der Bund stellt die Zivilschutz-Hubschrauber an insgesamt zwölf Orten für den Katastrophen- und Zivilschutzfall zur Verfügung – und für die Luftrettung. „Christoph 4“ ist bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stationiert, das Luftrettungszentrum dort wird von der Johanniter-Unfall-Hilfe betrieben.

Badeunfälle haben 2018 überproportional zugenommen

Laut dem ärztlichen Leiter von „Christoph 4“, Christoph Macke von der MHH-Unfallchirurgie, liegen die Einsatzschwerpunkte für sein Team bei je 45 Prozent auf Unfalleinsätze und internistische Notfälle wie Herzinfarkte. Zehn Prozent seien Einsätze, bei denen es um Kinder geht. Auffällig: „2018 sind wir überdurchschnittlich oft zu Badeunfällen gerufen worden. Wohl eine Folge des langen und heißen Sommers“, so der Mediziner.

ERSTE HILFE: An Bord des Hubschraubers ist seit November 2018 auch ein Wiederbelebungsgerät. Quelle: Wilde

Einsatzschwerpunkte sind laut Macke die Autobahnen 2 und 7. Vor allem um schwer verletzte Lkw-Fahrer habe man sich dann zu kümmern. „Deren Zahl hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, so Macke. In den Frühjahrs- und Sommermonaten wird der Rettungshubschrauber durchschnittlich bis zu zehnmal am Tag alarmiert: „Deutschland hat eine Freizeitgesellschaft. Das schlägt sich bei den Einsätzen nieder“, sagt Macke.

Iinterview: „Niemand wird gezwungen zu fliegen“

Dietmar Naumann (60) fliegt seit 1994 den Rettungshubschrauber Christoph 4. Die NP hat mit dem Piloten der Bundespolizei über seinen Job gesprochen.

Herr Naumann, Sie feiern dieses Jahr Ihr 25-jähriges Dienstjubiläum als Rettungspilot. Wie verarbeiten Sie die ganzen Einsätze, die Sie bereits erlebt haben?

Ich habe mich bewusst für diesen Job entschieden und wusste, dass mich einiges erwartet. Niemand bei der Bundespolizei wird dazu gezwungen, als Rettungspilot zu fliegen. Ich schätze bis heute an meiner Arbeit, dass ich etwas Sinnvolles mache. Das gesamte Team im und um den „Christoph 4“ hilft Menschen in Extremsituationen. Es geht oft um Leben und Tod. Was wir im Einsatz sehen, ist oft keine leichte Kost, das stimmt, aber die Arbeit gibt mir viel zurück.

FLIEGT SEIT 25 JAHREN: „Christoph 4“-Pilot Dietmar Naumann. Quelle: Frank Wilde

Wo Sie gerade das Team ansprechen: Wer sitzt beim Einsatz alles im Hubschrauber?

Wir sind immer zu dritt an Bord. Als Pilot sitze ich vorne rechts. Neben mir sitzt ein Notfallsanitäter. Dieser hat eine Zusatzausbildung zum Luftretter und ist sozusagen Co-Pilot und Sanitäter in einer Person. Auf dem Platz hinter uns sitzt immer der Notarzt.

Wie ist der Ablauf, wenn ein Notruf eingeht?

Wir werden durch die Leitstelle über den Notruf informiert. Bei Alarm sind wir normalerweise in zwei Minuten startklar. Ich fliege den „Christoph 4“ dann zum Einsatzort und schaue, wo wir am besten landen können, was schon mal eine Herausforderung sein kann.

Haben Sie ein Beispiel?

Es ist ein großer Unterschied, ob ich auf einer ebenen und weit einsehbaren Fläche lande oder ob das Gebiet eng und unübersichtlich ist. Wenn beispielsweise eine Person im Moorgebiet am Steinhuder Meer verunglückt, muss ich einerseits einen sicheren Landeplatz finden und andererseits einen sicheren Zugang zu dem Verletzten garantieren.

Das Wetter ist beim Fliegen ein wichtiger Faktor. Gibt es Wetterlagen, bei denen Sie gar nicht abheben?

Wir können nicht bei jeder Witterung fliegen, da gibt es gesetzliche Vorgaben. Letztendlich habe ich als Pilot dafür die Verantwortung und entscheide, ob und wann wir mit dem Hubschrauber abheben. Mit dem „Christoph 4“ sind wir zudem an Tageszeiten gebunden: Nachts wird nicht geflogen. Da können wir nämlich nicht sehen, wo wir sicher landen können. Dafür gibt es am Flughafen Langenhagen den „Christoph Niedersachsen“ – inklusive Nachtsichtgerät. Der fliegt auch nachts.

Ihr Job ist es, sicher zum Einsatz hin und zurück zu fliegen. Was machen Sie in der Zeit am Einsatzort, wenn Notarzt und Sanitäter Verletzte versorgen?

Nach der Landung bereite ich den „Christoph 4“ auf den Rückflug vor und checke die Technik. Wir sind meistens gar nicht allzu lange vor Ort, und es muss schnell wieder zurück gehen. Bei großen Unglücken mit vielen Verletzten greife ich als Ersthelfer mit ein. Ich habe zwar keine ärztliche Ausbildung, aber bei einem Massencrash auf der Autobahn wird jeder Helfer benötigt, das ist für mich selbstverständlich.

Von Andreas Voigt

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