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Meine Stadt Razzia beim Salafisten-Prediger in Hannover
Hannover Meine Stadt Razzia beim Salafisten-Prediger in Hannover
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20:00 10.04.2019
Marcel Krass
Marcel Krass Quelle: privat
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Hannover

Die Polizisten schlugen im Morgengrauen zu. Wie in den anderen acht Bundesländern startete die Razzia am Mittwoch auch in Niedersachsen gegen 6 Uhr. Insgesamt 18 Beamte durchsuchten in Melle bei Osnabrück und in Hannover Objekte der mutmaßlichen Hamas-Unterstützer in den Vereinen „Ansaar International“ und „WWR Help“. Im Visier der Beamten in Hannover war einer der prominentesten Protagonisten der deutschen Salafisten-Szene: Marcel Krass (43). Gefilzt wurden nach NP-Informationen die beiden Wohnungen, in denen er und seine Frau Eva sich aufhalten. Am Ende nahmen die Ermittler in Hannover und Melle all das mit, woraus sich Hinweise auf eine mögliche Unterstützung der Terrorgruppe ergeben, die für die Vernichtung des Staates Israel kämpft: Handys, Computer, weitere Datenträger und Unterlagen in Papierform.

Angeordnet hatte die Razzia das Innenministerium in Berlin. Die Erkenntnisse, die zur Durchsuchung führten, waren maßgeblich in Nordrhein-Westfalen zusammengetragen worden. Dort hatte sich Salafisten-Prediger Krass viele Jahre aufgehalten, bevor er 2017 seinen Wohnsitz nach Hannover verlegte.

Krass, Vogel, Lau: Front-Figuren der Salafisten-Szene

Der 43-Jährige gehört mit Pierre Vogel und Sven Lau, der inzwischen eine mehrjährige Haftstrafe wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung absitzt, zu den Front-Figuren der deutschen Salafisten-Szene. Krass soll Kontakt zu „Ansaar International“ und „WWR Help“ haben, die in Verdacht stehen, Spenden für die Hamas zu sammeln und die Terror-Organisation auch propagandistisch zu unterstützen.

Die beiden Vereine sollen in vielen Städten Teams haben. Das Innenministerium vermutet hinter „Ansaar International“ und „WWR Help“ ein Netzwerk, das sich „gegen den Gedanken der Völkerverständigung“ und damit gegen das Grundgesetz richtet.

Facebook-Post von Marcel Krass, mit dem er einen der umstrittenen Kuchenstände in der City von Hannover beworben hat. Quelle: privat

Dass Krass mit „Ansaar International“ in Verbindung stehen dürfte, ist in Hannover nicht erst seit der gestrigen Razzia bekannt. Bereits im Herbst vergangenen Jahres bewarb er auf seinem Facebook-Account einen der umstrittenen Kuchenstände von Islamisten in der Innenstadt, pries dort auch die Back-Künste seiner Frau: „heute ist Eva Krass-Tiramisu-Torten-Day“ (Fehler aus dem Original übernommen).

Die bei Insidern unbekannte „Schwesterngruppe Ansaarul Yateem Hannover“ hatte im Rahmen der Aktion „Food für Charity“ damals zur Cake-Aktion geladen. Nach NP-Informationen war der umstrittene Kuchenstand von einer Person bei der Stadt angemeldet worden, die in Verbindung mit „Ansaar International“ gestanden haben soll.

In den Wochen danach hatte es in der Kommunalpolitik und auch im Landtag heftige Diskussionen darum gegeben, weshalb die Stadt diese und weitere Kuchenstände von Islamisten überhaupt genehmigt hatte. Schon zum damaligen Zeitpunkt gab es den begründeten Verdacht, dass mit den eingenommenen Spenden Terror im Ausland finanziert werden könnte.

Kommentar

Spätestens gestern müssen im Rathaus von Hannover die Alarmglocken geläutet haben. Das Eventmanagement im Zuständigkeitsbereich von Oberbürgermeister Stefan Schostok dürfte mit Interesse die Razzien gegen die islamischen Vereine „Ansaar International“ und „WWR Help“ verfolgt haben. Zwar sitzen die in NRW, eine Spur führt aber nach Hannover.

Eine Person aus dem Dunstkreis von „Ansaar“ hatte 2018 einen der umstrittenen Kuchenstände in der City angemeldet. Die Aktion, bei der von Anfang an der Verdacht bestand, dass dort gesammelte Spenden in Terror-Kanäle fließen könnten, war bei der Stadt bereitwillig genehmigt worden.

Dann entbrannte ein hitziger Streit. Die Vertreter von Stadt- und Landespolitik debattierten, ob wir es zulassen wollen, dass in Hannover Geld gesammelt wird, mit dem islamistischer Terror finanziert werden könnte. Und ob die Vorgaben eines neuen Straßengesetzes in Niedersachsen reichen, um dubiose Kuchen-Aktionen zu verbieten.

Was jetzt gefragt ist, ist klare Kante. Die Stadt muss bei Anmeldungen von Cake-Ständen gründlich hinsehen, im Zweifel die Expertise von Sicherheitsbehörden einholen. Um den umstrittenen Kuchen-Verkauf untersagen zu können, braucht es aber auch ein eindeutiges Landesgesetz. Das vorhandene muss da sicher nachgeschärft werden.

Von Britta Mahrholz